Hubertus Grimm ist Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtwerkeverbunds Beste Stadtwerke.

Hubertus Grimm ist Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtwerkeverbunds Beste Stadtwerke.

Bild:© Beste Stadtwerke

Eine Verkettung von Fehlern und Fehlentwicklungen hat die ostwestfälische Kooperation Beste Stadtwerke (Beste) in eine finanzielle Schieflage gebracht. Dazu zählen unter anderem Mängel bei der Corporate Governance, fehlende Vereinbarungen der Eigentümer untereinander und zur Kooperationsgesellschaft und eine nicht-existente kaufmännische Steuerung.

"Eine nennenswerte Zahl an kleinen Stadtwerken könnte in ähnliche Probleme reinlaufen", warnen die Beste-Sanierer um den früheren Interimsgeschäftsführer Stefan Grützmacher und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hubertus Grimm. Von der ZfK befragte Unternehmensberater teilen diese Einschätzung.

Kommunale Aufsichtsräte oft überfordert

Damit derartige Fehler sich nicht wiederholen, haben Grimm und Grützmacher eine umfassende Fehleranalyse vorgenommen. Ein zentraler Punkt dabei ist, dass kommunale Aufsichtsräte mit den radikalen Marktveränderungen und deren Geschwindigkeit oft überfordert sind. "Ich habe gelernt, was eine Erlösobergrenze und ein Regulierungskonto ist, aber wenn es um EEG-Feinheiten geht, bin ich auch überfordert", gibt Grimm unumwunden zu. Er frage sich, inwieweit ein kommunaler Aufsichtsrat bei komplexen energiewirtschaftlichen Themen seine Aufsichtspflicht überhaupt wahrnehmen könne.

Bei der Beste erhofft man sich dieses zusätzliche energiewirtschaftliche Know-how künftig durch die Aufnahme neuer Gesellschafter aus dem Energiebereich. Gespräche dazu laufen bereits mit EAM und Westfalen Weser Energie. Von möglichen neuen Anteilseignern erhofft man sich zusätzliche Fachkompetenz und frisches Kapital. "Eigentlich wollten wir bis Januar Klarheit, aber die potentiellen Partner müssen eine etwaige Beteiligung erst noch im Gesellschafterkreis abstimmen", sagt Grimm.

Controlling wird ausgebaut

Im Geschäftsjahr 2017 hat der Stadtwerkeverbund den Turnaround  geschafft. Laut Wirtschaftsplan soll das Defizit bis Ende 2019 über Ergebnisbeiträge aus dem Vertrieb ausgeglichen werden. Das Controlling wird ein wesentlicher Bestandteil in der Unternehmenssteuerung sein. "Es gibt künftig einen kaufmännischen Leiter mit Mitarbeitern, die das Controlling verantworten. Ich erwarte regelmäßige Auswertungen zum Steuern des Unternehmens", erklärt der neue Beste-Alleingeschäftsführer Stefan Wagner-Schlee.

Ab kommendem Jahr konzentriert sich das Unternehmen auf den Vertrieb, die Trennung vom bisher defizitären Netzgeschäft ist bereits beschlossen. Die Städte Beverungen und Steinheim werden Ihre Netze an Westfalen Weser Netz verkaufen. Borgentreich wird die Netzbetriebsführung an ENM übergeben, Warburg macht das in Eigenregie.

"Für unser kleines Netz in Beverungen habe ich keine Alternative gesehen. Ich sehe, was für Herausforderungen auf uns zukommen mit Smart Metering etc. und den regulatorischen Auflagen, da braucht man absolute Profis", sagt Grimm, der im Hauptamt Bürgermeister von Beverungen ist. Da gebe er lieber sein Netz an eine Gesellschaft wie die WWN, an der man heute schon beteiligt ist. Da habe er Planungssicherheit und weiß, "dass unser Netz Geld einbringen wird".

Potenzial beim Out-of-Area-Vertrieb

Eine Partnerschaft mit der Westfalen Weser Energie böte der Beste darüberhinaus die Möglichkeit, im Vertrieb weiter zu expandieren. Generell sieht der neue Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee im Out-of-Area-Vertrieb noch einiges an Potenzial. Aktuell befinden sich bereits mehr als die Hälfte der rund 53.000 Beste-Kunden außerhalb des Stammgebietes. "Wir rechnen weiterhin mit einem Kundenwachstum und sind mit unseren fünf Kundenzentren als der Ansprechpartner vor Ort in der Region sehr gut aufgestellt", ist Wagner-Schlee optimistisch. Trotz der Verlustjahre habe das Kundenvertrauen in die Beste nicht gelitten.

Nahwärmekonzepte als neues Geschäftsfeld

Sichtbares Zeichen dafür ist, dass der Verbund in den Städten Warburg, Borgentreich und Beverungen den Energieversorger Innogy ab kommendem Jahr als Grundversorger für Gas ablöst. Die Vorort-Präsenz will Wagner-Schlee durch weitere Kundenzentren in der Region stärken. Kooperationen will der Stadtwerkechef weiter ausbauen, mit dem TK-Anbieter Sewikom wurde jüngst eine Vertriebsallianz geschlossen.

Auch beim Thema Wärme wird Wagner-Schlee weitere Akzente setzen. Die Beste ist bereits im Bereich Wärmecontracting aktiv, künftig sollen bei Neubauvorhaben in den fünf Kommunen der Mutterstadtwerke auch Nahwärmekonzepte auf Basis von Blockheizkraftwerken realisiert werden. (hoe)

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Die komplette Bestandsaufnahme der Beste-Verantwortlichen und Einschätzungen aus der Kommunalwirtschaft und von Unternehmensberatern zu strukturellen Herausforderungen kleiner Stadtwerke lesen Sie in der Novemberausgabe der ZfK, die am heutigen Montag (12. November) erscheint.

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