Die Leipziger Gruppe hat im vergangenen Jahr ihren Überschuss auf 33 Mio. Euro erhöhen und damit das Vorjahresergebnis um zwei Millionen übertreffen können. Rechnet man den bilanziellen Ertrag einer aufgelösten Rückstellung von 75 Mio. für den nunmehr abgeschlossenen Prozess wegen der Finanzwetten gegen die UBS hinzu, würde sich sogar ein Rekordgewinn ergeben.
Die Erträge reichten komplett aus, um den mit rund 45 Mio. Euro dotierten Verkehrsfinanzierungsvertrag für den ÖPNV abzudecken. Allerdings, so Finanzgeschäftsführer Volker Müller, sind diese Rückstellungen reines Buchgeld, die zuvor dem Eigenkapital entnommen und nun wieder zugeführt wurden. Man habe nun jedoch die notwendigen Spielräume, um künftig ein riesiges Investitionsprogramm in den Sparten Energie, Wasser und ÖPNV zu starten. Dafür sollen sogar die in den vergangenen zehn Jahren um rund 100 auf nunmehr 571 Mio. Euro abgebauten Verbindlichkeiten deutlich steigen: Von den bis 2030 mindestens eingeplanten 3,7 Mrd. Euro an Investmitteln werden mindestens 780 Mio. von den Banken benötigt.
Erwerb von Envia-Netzen steht auf dem Plan
Die Stadtwerke erlösten einen Überschuss von 54,2 Mio. Euro, rund zehn Mio. weniger als ein Jahr zuvor und auf ähnlichem Niveau wie 2015. Haupterlösquelle ist nach Angaben von Geschäftsführer Karsten Rogall die Lieferung von Fernwärme, deren Verkauf mit 1378 GWh allerdings seit Jahren stagniert. Auch die polnische Tochtergesellschaft, die die Fernwärmeversorgung in der Region Danzig besorgt, steuerte gut zehn Millionen Euro Gewinn bei – könnte aber bald durch politischen Druck an einen polnischen Staatskonzern verkauft werden müssen.
Ein erheblicher Teil der Investitionen im Energiebereich in Höhe von insgesamt 1,14 Mrd. Euro bis 2030 soll in den Erwerb der Netze von der Envia-Gruppe fließen. Allerdings ist der Streit um die Konzessionsrechte noch immer vor Gericht. Zudem werden rund 40 Prozent der Mittel im Bereich Fernwärme eingeplant, sagte Rogall.
Vorbereitungen auf Kohleausstieg
Bis jetzt ist noch nicht klar, wann und wie ein Ausstieg von der Braunkohle erfolgen kann und soll. Man prüfe derzeit mehrere Szenarien, um reagieren zu können, wenn die Politik einen Ausstieg des Bezugs von Fernwärme aus dem Großkraftwerk Lippendorf verlange, sagte Rogall. Derzeit werden dort etwa 70 Prozent des Verbrauches in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, die Verträge gelten bislang bis 2023. (masch)
