Die LVV konnte neue Investitionen verbuchen.

Die LVV konnte neue Investitionen verbuchen.

Bild: © Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft

Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Gewinn vor Steuern und Abschreibungen leicht auf 216,9 Mio. Euro steigern können. Dabei stiegen die Investitionen deutlich auf 200,4 Mio. Euro – ein Jahr zuvor waren es 178 Mio. Euro. Doch das soll erst der Anfang sein.

Ab sofort soll sich die jährliche Investitionssumme nahezu verdoppeln. Bis 2023, so teilte das Unternehmen auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch mit, sollen so 1,6 Mrd. Euro in neue Erzeugungsanlagen, in die Netze, in die Klärwerkserweiterung und in die Verbesserung des öffentlichen Verkehrssystem der Stadt fließen.

Geld wird überall benötigt, Wünsche gibt es viele

Die Wunschliste ist lang, die der vierköpfige Vorstand der LVV aus den Tochtergesellschaften auf dem Tisch liegen hat: Das zentrale Klärwerk im Rosental, nach der Wende praktisch neu gebaut, hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Busse und Bahnen sind, zumindest in der Innenstadt und während der Rush-Hour, heute schon bis an die Grenze der Erträglichkeit gefüllt. Es gibt Langsamfahrstrecken und veraltete Bahnen. Die Fernwärme müsste dringend schneller ausgebaut werden, bei den Abwasserkanälen besteht sogar ein gewisser Investitionsstau. Während es um die im vergangenen Jahr noch heiß diskutierte neue Ost-West-Tunnelröhre für die S-Bahn jetzt ruhig geworden ist, denkt Oberbürgermeister Burkhard Jung nun sogar über ein großes Seilbahnsystem nach. Und dann ist da noch der politisch gewollte Ausstieg aus der Braunkohle.

Bislang deckt das Großkraftwerk Lippendorf zwischen 60 und 70 Prozent des Fernwärmebedarfes der Stadt. "Wir werden dort aussteigen, das ist ein Stadtratsbeschluss", versicherte Jung, zugleich Aufsichtsratschef und auch politischer Weichensteller der Konzernstrategie. Er habe im Dezember 2018 gesagt, dass der Neubau eines weiteren Gaskraftwerkes in der Stadt technisch möglich und finanziell sinnvoll ist. "Davon nehme ich kein Wort zurück", sagte Jung mit Blick auf einen am Tag der Pressekonferenz erschienenen Zeitungsartikel. Dort wurde behauptet, der Bau des Gaskraftwerkes sei erst mal vom Tisch, man habe sich mit dem Betreiber von Lippendorf Leag auf einen neuen Liefervertrag geeinigt.

Jung will der Entscheidung der Gremien nicht vorgreifen

Allerdings ließ Jung alle Details offen, bis hin zum Termin des Genehmigungs-, Ausschreibungs- oder Baubeginns – der ja eigentlich noch in diesem Jahr erfolgen müsste, um in nur vier Jahren ausreichend Fernwärme selbst produzieren zu können. Jung verwies zum einen auf die anstehenden Entscheidungen der Gremien, denen er nicht vorgreifen wolle. Zum anderen sprach er von "Verhandlungen über Lippendorf, die zu einer Win-Win-Situation aller Parteien führen" könnten.

Für die Stadtwerke, die im letzten Jahr bereits für insgesamt 42 Mio. Euro vier neue BHKW in Betrieb nahmen und eine Turbine im GuD-Heizkraftwerk modernisierten, blieb der Ertrag im letzten Jahr eher am unteren Ende der Erwartungen. Zwar stieg das Ergebnis vor Steuern auf 59,3 Mio. Euro (2017: 54,2 Mio.), doch kommen hier auch Sondereffekte zum tragen. Der Fernwärmeabsatz sank trotz rund 15 MW neuer Anschlussleistung leicht auf 1.372 GWh. Beim Stromabsatz wurden 42.710 GWh und beim Gas 13.237 GWh erreicht. Der Großhandel mit Strom und Gas sorgte für einen hohen Gesamtumsatz von 2,42 Mrd. Euro, trug aber laut Stadtwerkevorstand Karsten Rogall nicht zum Gewinn bei, bleibe aber für Absicherungsgeschäfte unverzichtbar.

Gewinn vor allem durch durch Kostensenkung

Für die derzeit beim BGH liegende juristische Auseinandersetzung um das Stromnetz der Umlandgemeinden rechnet Leipzig mit einer Entscheidung noch in diesem Jahr. Dann könne, sofern wie erwartet die Richter eine Eigentumsübertragung vom Regionalnetzbetreiber EnviaM zustimmen, auch hier in den nächsten Jahren mit dem Netzausbau begonnen werden.

Einen konkreten Ausblick für 2018 gaben die LVV nicht, allerdings rechne man durch den Wegfall von Sondereffekten wie der 2018 erfolgten Erstattung von 13,8 Mio. Euro Prozesskosten an die Wasserwerke allenfalls mit einem organischen Wachstum. Die hohen Investitionen allerdings sollten sich, wie auch die wachsende Zahl der Bewohner im Versorgungsgebiet, mittelfristig in einem höheren Ergebnis widerspiegeln. Daraus muss das Unternehmen auch die von bislang 46 auf nunmehr 54 Mio. Euro gestiegene Summe aus dem Verkehrsfinanzierungsvertrag stemmen. Erreicht werden solle das auch mit dem Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm "FIT", das seit einigen Jahren schrittweise umgesetzt wird. (masch)

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