Das vergangene Geschäftsjahr hat dem Regionalversorger Mainova nicht zuletzt aufgrund des hohe Beiträge liefernden Portfolios von Unternehmensbeteiligungen einen Gewinnschub beschert. Das bereinigte Geschäftsergebnis kletterte um knapp zehn Prozent auf 144,3 Mio. Euro. Damit sei eine Höchstmarke erzielt worden, sagte Vorstandschef Constantin Alsheimer bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt. Für das laufende Geschäftsjahr wird mit einem leichten Rückgang gerechnet.
Der Umsatz stieg um knapp 50 Mio. auf etwas über 2 Mrd. Euro an. Das Segment Beteiligungen habe von positiven Einmaleffekten bei einzelnen Energieversorgern profitiert. Zudem habe man - im Gegensatz zu 2017 - keine nennenswerten Wertberichtigungen an Minderheitsbeteiligungen vornehmen müssen. Das Beteiligungsergebnis erhöhte sich somit stark um 45,2 auf nunmehr 72,3 Mio. Euro.
"Wir schätzen das Gasgeschäft"
Für das Geschäftsjahr 2017 hatte die Mainova bei der Minderheitsbeteiligung Gas-Union (Anteil: 34,27 Prozent) eine Risikovorsorge in Höhe von rund 20 Mio. Euro verbuchen müssen. Das war für 2018 nicht mehr der Fall. Zwar werde permanent die Beteiligungsstruktur überprüft, doch "wir schätzen das Gasgeschäft", sagte Vorstandschef Alsheimer mit Blick auf die Zukunft der Gas-Union.
Das gelte umso mehr, als sich bei der Energiepolitik der Bundesregierung eine Akzentverschiebung hin zu Erdgas abzeichne. Die strategische Bedeutung von Gas für die Energiewende werde zunehmend erkannt. In den vergangenen Jahren habe speziell das Speichergeschäft erheblich unter Druck gestanden. "Doch für Infrastruktur-Elemente wie Gasnetze und -speicher haben sich die Perspektiven aufgehellt", erklärte der Mainova-Chef.
„An regionalen Arrondierungen interessiert“
Im Zusammenhang mit dem Eon/RWE-Deal und der Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy fordert das Mainova-Management von den Aufsichtsbehörden, den Zusammenschluss genauestens zu prüfen und "entsprechende Auflagen" zu erteilen, um einen "fairen Wettbewerb sicher zu stellen". Derzeit untersuchen die Brüsseler Wettbewerbshüter die Übernahme des Verteilnetz- und Vertriebsgeschäfts von Innogy durch Eon bis Ende Juli vertieft.
Sollten Eon im Zuge einer Genehmigung unter Auflagen auch die Innogy-Mehrheitsbeteiligung an dem Frankfurter Regionalversorger Süwag verkaufen müssen, stünde die Mainova bereit. "Wir sind an regionalen Arrondierungen immer interessiert", sagte Alsheimer. "Wir sind ein regionaler Spieler, wir brauchen Stärke in der Region."
Ein operativ schwieriges Gas-Jahr
Im Segment Stromversorgung standen Erfolgen im Vertriebsgeschäft und überregionalen Kundengewinnen Belastungen durch verpflichtende Umbaumaßnahmen im Netzbereich in Folge des Wachstums in der Stadt gegenüber. Die Zahl der Kundenverträge konnte erneut gesteigert werden, um 1,7 Prozent auf nunmehr rund 714.000.
Einen deutlichen Ergebniseinbruch um fast 30 Mio. Euro gab es im Gasgeschäft. "Es war ein operativ schwieriges Gas-Jahr", erklärte Alsheimer. Die milde Witterung führte zu einem Rückgang der Heiztage um zehn Prozent. Zudem seien höhere Beschaffungspreise nicht an die Kunden weitergegeben worden, der hohe Wettbewerbsdruck halte an.
Rekordwachstum bei der Fernwärme
Einen Aufschwung konnte bei der Fernwärme einschließlich der Stromerzeugung in Frankfurt sowie den Beteiligungen an Erzeugungsgesellschaften verzeichnet werden. "Wir hatten ein Rekordwachstum bei der Fernwärme", bilanzierte Alsheimer. Auch hier wirkt sich das starke Wachstum in der Main-Metropole aus. In Summe kletterte das Ergebnis in dem Segment auch dank höherer KWK-Erlöse der Mainova-Kraftwerke um 12,3 auf 21,5 Mio. Euro. Zusätzlich positiv habe sich bei der Fernwärme die Einführung eines kostenbasierten Preissystems Anfang Januar 2018 ausgewirkt.
Bei den Beteiligungen an den Gaskraftwerken Irsching 5 und in Bremen setzt das Mainova-Management auf mittelfristig weiter steigende Börsenstrompreise. Neue Rückstellungen für die beiden Blöcke wurden nicht gebildet, allerdings auch keine aufgelöst. Nach wie vor steht eine Risikovorsorge für die beiden Gaskraftwerke in einem Umfang von 90 bis 100 Mio. Euro in den Büchern, wie der Mainova-Vorstandschef bestätigte.
Forderung nach einem dezentralen Leistungsmarkt
Ob es trotz nahenden Atom- und Kohleausstiegs in den kommenden Jahren zu einem Neubau von Gaskraftwerken kommen werde, müsse bezweifelt werden, sagte Alsheimer. Die Mainova habe in jedem Fall "ihre Lektion gelernt" und agiere dementsprechend abwartend. Ohnehin bedürfe es zunächst eines "tragfähigen Investitionsrahmens" für neue Gaskraftwerke. "Es sollte ein dezentraler Leistungsmarkt geschaffen werden, der sich volkswirtschaftlich effizient an einem marktlich-wettbewerblichen Ansatz orientiert."
Auch bei einem künftigen Ausbau der erneuerbaren Energien will der Frankfurter Regionalversorger gerade bei überregionalen Projekten eher Vorsicht walten lassen. "Da gehen wir opportunistisch vor", so Alsheimer. Vor Ort investiere die Mainova in PV-Flächen in der Stadt, einem Ausbau der Windkraft in der Region stehe dagegen der chronische Mangel an geeigneten Flächen im Rhein-Main-Gebiet entgegen. (hil)



