Die Mainzer Netze sind eine Tochter der Stadtwerke Mainz.

Die Mainzer Netze sind eine Tochter der Stadtwerke Mainz.

Bild: © Mainzer Stadtwerke

Die Mainzer Stadtwerke haben im Geschäftsjahr 2019 ihr Ergebnis um gut 18 Prozent auf 17,2 Milo. Euro gesteigert. In dem positiven Jahresergebnis ist der Ausgleich des Nahverkehrsverlustes der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) von etwa 16,5 Millionen Euro durch die Stadtwerke bereits berücksichtigt. Die Umsatzerlöse der Mainzer Stadtwerke AG stiegen von 475,33 Mio. Euro in 2018 auf nunmehr 508,71 Mio. Euro. Auch finanziell steht das kommunale Unternehmen gut da, die Eigenkapitalquote stieg weiter auf gute 36,8 Prozent.

Modernisierung ÖPNV

"Eine gute Eigenkapital-Quote ist notwendig, weil wir vor großen Herausforderungen in den nächsten Jahren stehen, die wir ohne die Unterstützung der Stadt nicht mehr schaffen werden“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Daniel Gahr. Das gelte in diesem und vermutlich auch im kommenden Jahr für die Folgen der Corona-Krise, dazu zähle aber mittel- und langfristig insbesondere der weitere Ausbau und die Modernisierung des Öffentlichen Nahverkehrs sowie der Bereich der Trinkwasser- und Glasfaserversorgung.

Hohe Belastungen durch Corona

Der Vorstand geht davon aus, dass die Corona-Krise die Mainzer Stadtwerke mindestens drei bis vier Millionen Euro kosten wird. Vor allem der starke Rückgang der Fahrgastzahlen im Bus- und Straßenbahnverkehr reißt bereits jetzt ein großes Loch in die Kasse. Zudem sei noch nicht absehbar, wie sich die Fahrgastzahlen mittelfristig entwickeln. Für das Jahr 2020 hatte die Mainzer Mobilität ursprünglich mit einem Minus von 18,7 Millionen Euro geplant. Das lässt sich Corona-bedingt nicht mehr halten, das Minus wird 2020 vermutlich um mehrere Millionen Euro höher ausfallen als geplant, heißt es.

Auch die Schließung des Taubertsberg-Sportbades sorgt seit Mitte März für Einnahmeausfälle bei der Stadtwerke-Tochter Mainzer Stadtbad GmbH, wenn auch im Vergleich zum ÖPNV in weit geringerem Umfang. Dennoch wird 2020 sicher ein sechsstelliger Betrag bei den Einnahmen fehlen, die Kosten werden wegen der strengeren Hygieneauflagen im Bad aber gleichzeitig steigen. "In der Corona-Krise hat sich erneut gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Infrastruktur ist. Dafür sorgen die Mainzer Stadtwerke seit vielen Jahrzehnten sehr zuverlässig. Und das kann man gar nicht hoch genug einschätzen", resümierte der Aufsichtsratsvorsitzende der Mainzer Stadtwerke, Michael Ebling. Der Mainzer Oberbürgermeister ist gleichzeitig Präsident des Verbands VKU.

Vier Batteriebusse im Linienverkehr

Zu den Meilensteinen im abgelaufenen Geschäftsjahr zählen die Mainzer Stadtwerke unter anderem die weiteren Fortschritte mit Blick auf den Umstieg auf umweltfreundliche Antriebsarten im Geschäftsfeld Mobilität. So konnte im vergangenen Jahr der erste batteriebetriebene Elektrobus in Mainz getestet werden. Inzwischen sind vier Batteriebusse im Linienverkehr im Einsatz. Zudem gab es aus Berlin einen Förderbescheid über die Anschaffung von weiteren 23 Batteriebussen durch die Mainzer Mobilität.

Zwar konnte im vergangenen Jahr die ursprünglich geplante Anschaffung von vier Brennstoffzellenbussen wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers nicht wie geplant umgesetzt werden, die Mainzer Mobilität testet dennoch seit einigen Wochen einen mit Wasserstoff angetriebenen Brennstoffzellenbus und möchte diese innovative Antriebstechnik gerne weiterverfolgen.

Vermarktungserfolge bei Infrastrukturprojekten

Sehr positiv verläuft die Entwicklung laut Pressemitteilung bei den Infrastrukturprojekten Zollhafen und Heiligkreuz-Viertel (HKV). Im HKV-Areal in Weisenau wird in den nächsten Jahren ein Quartier mit insgesamt rund 2000 Wohnungen entstehen, etwa 25 Prozent davon sind besonders geförderter, bezahlbarer Wohnraum. Dabei zeichnen die Stadtwerke für etwa zwei Drittel des neuen Quartiers verantwortlich, das andere Drittel entwickeln die privaten Investoren Richter/ten Brinke. 26 Baufelder entfallen auf die Stadtwerke, fünf davon sind bereits veräußert. Bezugsfertig sind die ersten Wohnungen auf diesen Baufeldern etwa Ende 2022.

Im Stadtquartier Zollhafen sind 24 von 30 Baufeldern an deutschlandweit agierende Investoren und Bauträger vermarktet. Zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser sind bereits bezogen oder kurz vor der Fertigstellung. Geförderter Wohnraum entsteht an der Rheinallee.

Hohe Investitionen im Wasserbereich

Über alle Sparten hinweg haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr rund 31,1 Millionen Euro in den Ausbau und den Erhalt der Netze investiert. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf hohen Investitionen im Wasserbereich.

Gute Positionierung bei Erneuerbaren

Bei den erneuerbaren Energien gehören die Mainzer Stadtwerke nach eigenen Angaben weiterhin zu den Vorreitern unter den deutschen Stadtwerken. Direkt oder indirekt über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ist die MSW AG an rund 200 Photovoltaikanlagen und etwa 110 Windkraftanlagen beteiligt. Hinzu kommen noch zwölf Wasserkraftanlagen entlang der Ruhr und der Sieg. Der MSW-Anteil an der Stromerzeugung dieser EE-Anlagen beläuft sich auf rund 370 Millionen Kilowatt im Jahr.

Gemeinschaftsunternehmen Pionext als neuer Hoffnungsträger

2019 erfolgte zudem die Gründung der Pionext Asset GmbH & CO. KG zusammen mit der EWR AG aus Worms und der Pfalzwerke aus Ludwigshafen. Das Ziel: Die drei kommunalen Unternehmen bündeln den kaufmännischen und technischen Betrieb ihrer bereits bestehenden rund 500 Wind-­ und Photovoltaikanlagen. Darüber hinaus möchten die drei Stadtwerke in den nächsten Jahren die Planung und Projektierung neuer Windkraft-­ und Photovoltaikanlagen gemeinsam voranbringen. (hoe)

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