Die Netze, insbesondere die digitalen Infrastrukturen, sind für kommunale Unternehmen künftig eine der größten Trumpfkarten und die zentrale Basis für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Davon ist Michael Maxelon, Geschäftsführer der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH (KVV), überzeugt. "450 Megahertz, 5G, Lorawan - all das in Verbindung mit Glasfaser ist unser Home Turf", betonte der Gastgeber des diesjährigen Stadtwerkekongresses bei seinem Impulsreferat.
"Veränderungsbereitschaft wecken"
Die Zahl der externen Wettbewerber und Energie-Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen nehme zwar zu, das sei aber kein Grund zur Panik. "Es besteht in der Stadtwerkebranche kein Mangel an neuen Ideen, wir wüssen diese aber auch nutzen", so Maxelon. Zentral sei es dabei auf die Stärken der jeweiligen kommunalen Unternehmen als Infrastruktur-Dienstleister zu schauen. "Wir müssen uns weiterentwickeln. Das geht nur, wenn man in dem Unternehmen Veränderungsbereitschaft weckt und dies muss auch mit Geschwindigkeit einhergehen", so der KVV-Chef. Dort wo Stadtwerke nicht allein in der Lage seien, Skaleneffekte zu realisieren, müssten sie fähig sein zu kooperieren.
Neue Geschäftsmodelle bei E-Mobilität
Neben dem Ausbau der digitalen Infrastruktur sieht Maxelon für die KVV künftig auch im Bereich E-Mobilität Potenzial für neue Geschäftsmodelle - insbesondere über Komplettlösungen für privates und halb-öffentliches Laden sowie beim Fuhrparkmanagement externen Flotten. Auch in die Anschaffung von E-Bussen investiert der Kommunalversorger. Ein gutes ÖPNV-Angebot werde vom Kunden auch genutzt und deshalb ausgebaut, so Maxelon. Sharing, Mobility on Demand und E-Scooter seien lediglich eine Ergänzung des ÖPNV.
Kohleausstieg bis 2028
Das Unternehmen hat zudem vor kurzem den Ausstieg aus der Kohleverbrennung bis 2028 beschlossen. Im Gegenzug wird in den Kraftwerken der Altholzanteil sukzessive erhöht. "Dekarbonisierung heißt auch, dass wir immer mehr zum Entsorger werden in unserem Kraftwerks-Park", betonte der kommunale Energiemanager. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es Demonstrationen vor den KVV-Kraftwerken gegeben. Das Unternehmen habe diese Gelegenheit auch für einen intensiven Dialog und Meinungsaustausch mit den Protestierenden genutzt, so Maxelon. (hoe)



