EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager will offfenbar die Übernahme der Innogy-Netze und des Innogy-Vertriebsgeschäfts durch Eon ohne größere Verpflichtungen für den Essener Energiekonzern genehmigen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel in seiner jüngsten Ausgabe unter Berufung auf ein intern ausgehandeltes Papier zwischen der EU-Kommission und dem Essener Energiekonzern. Weder Eon noch die EU-Kommission wollten sich am Wochenende zu dem Artikel äußern, berichtet die Nachrichtenagentur Dow Jones.
Trennung von 275.000 Sonderkunden
Laut dem Artikel wird Eon lediglich einen Geschäftsbereich mit bis zu 275.000 Sonderkunden abgeben. Diese beziehen Heizenergie zu speziellen Tarifen. Außerdem muss das von Johannes Theyssen geführte Unternehmen etwas mehr als 30 Ladestationen auf Raststätten von Tank und Rast entlang der Autobahnen verkaufen. Zudem fordert die Kommission den Verkauf kleinerer Geschäfte in Osteuropa.
Stadtwerke hatten substanzielle Auflagen gefordert
Sollte dieses Szenario eintreten, wäre das ein herber Rückschlag für die Stadtwerkebranche. Erst vergangene Woche hatten zehn kommunale Energieversorger in einem umfangreichen Papier vor den Folgen für den Wettbewerb und die Verbraucher gewarnt. Eine Freigabe des geplanten Zusammenschlusses könne nur unter substanziellen Auflagen erfolgen. Unter anderem müsse Eon die bundesweit agierenden Discountgesellschaften wie Eprimo und E-wie-einfach verkaufen, ebenso die Stadtwerkebeteiligungen. Zudem dürfe sich der Essener Konzern für zehn Jahre nicht an Ausschreibungen von Konzessionen für neue Netzgebiete beteiligen.
Laut den Kommunalversorgern werde Eon im europäischen Kernmarkt durch den Deal von rund 31 Mio. auf 50 Mio. Kunden wachsen, in Deutschland kämen zu den vorhandenen mehr als sechs Mio. Eon-Kunden rund 7,8 Mio. Kunden der Innogy und ihrer Töchter unmittelbar hinzu. Zudem werde Eon der größte Netzbetreiber von Strom- und Gasnetzen, über die dann 50 respektive 20 Prozent der deutschen Verbraucher versorgt würden.
Offizielle Entscheidung am 20. September
Das vor zwei Jahren eingefädelte Milliardengeschäft sieht neben der Zerschlagung von Innogy die Übernahme des Erneuerbarengeschäfts von Innogy und Eon durch RWE vor. RWE erhält außerdem eine Beteiligung von 16,7 Prozent an Eon. Die Innogy-Mutter hatte im Rahmen des Milliardendeals bereits grünes Licht aus Brüssel für die Übernahme des Erneuerbarengeschäfts erhalten. Im verbleibenden dritten Teil des Verfahrens entscheidet die EU-Kommission spätestens am 20. September, ob der Erwerb der Innogy-Netze und Vertriebsaktivitäten durch Eon mit dem gemeinsamen Markt vereinbar ist. (hoe)
