Oliver Felthaus ist Head of Sales bei Baywa r.e. Energy Trading. Das Unternehmen vermarktet Erneuerbare-Energien- und KWK-Anlagen sowie Flexibilitäten.

Oliver Felthaus ist Head of Sales bei Baywa r.e. Energy Trading. Das Unternehmen vermarktet Erneuerbare-Energien- und KWK-Anlagen sowie Flexibilitäten.

© Baywa r.e.

Herr Felthaus, wie groß ist Ihr Portfolio, das Sie derzeit vermarkten?
Wir vermarkten sowohl Erneuerbare-Energien-Anlagen Dritter als auch solche, die von Baywa r.e. selbst errichtet und betrieben werden. Aktuell umfasst unser Direktvermarktungs-Portfolio Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 6,5 Gigawatt, 150 Megawatt davon betreiben wir in Deutschland selbst, Batteriespeicher umfassen hier insgesamt 30 Megawatt. Weltweit betreiben wir als unabhängiger Stromerzeuger Anlagen von etwa 1 Gigawatt.

Wer sind Ihre Kunden, wenn es um die Errichtung und Vermarktung von Batteriespeichern geht?
Unser Kundenkreis ist vielschichtig: vom Landwirt, der eine freie Wiesenfläche zur Verfügung hat, über Investoren und klassische Projektierer bis hin zum Stadtwerk. Stadtwerke verfügen oft über freie Flächen, die sie für den Bau von Batteriespeichern nutzen möchten. Neben den Erlösen aus der Flexibilitätsvermarktung bringt das einen weiteren Vorteil: Damit zeigen sie den Bürgerinnen und Bürgern, dass sie in Versorgungssicherheit investieren und dass die Energiewende vor Ort passiert. Zudem sind Speicher in Containerbauweise optisch unauffälliger als andere Energieanlagen.

"Voraussetzung ist eine kombinierte Vermarktung auf allen Märkten."

Welche Margen lassen sich bei der Vermarktung der Speicher erzielen?
Erfahrungsgemäß liegt das Potenzial bei durchschnittlich 150.000 Euro pro Megawatt und Jahr. Voraussetzung ist, den Speicher kombiniert auf allen Märkten zu handeln. Also für Regelenergie, am Day-Ahead- und Intraday-Markt. Grundsätzlich bieten wir drei Modelle an: eine feste jährliche Vergütung, dann reines Profit-Sharing, wobei der Gewinn am Ende des Jahres wie vertraglich vereinbart geteilt wird, sowie einen Mix aus beiden Modellen – also eine feste Vergütung plus eine Gewinnbeteiligung. Letzteres wird am häufigsten nachgefragt.

Wie läuft die Vermarktung ab?
Ab dem Moment der Vertragsschließung wird der Speicher exklusiv von uns genutzt. Dabei setzen wir auf Automatisierung und verwenden beispielsweise Algorithmen. Vermarktet wird meist erst Regelenergie, dann Day-Ahead und schließlich Intraday. Dabei stimmen wir uns natürlich eng mit dem Kunden ab, etwa dazu, wie viele Zyklen wir überhaupt fahren dürfen, um das Asset zu erhalten. In mindestens 95 Prozent der Fälle ist dabei die Herstellerangabe maßgeblich. Auch bei der Laufzeit sind wir flexibel.

Welche Art Speicher ist besonders verbreitet?
Das mit Abstand größte Wachstumsfeld sind sogenannte Stand-Alone-Speicher, die ohne EEG-Förderung und über alle Flexibilitätsmärkte einsetzbar sind. Sie lassen sich einfach und alleinstehend errichten und machen circa 80 Prozent unserer Vertriebsaktivitäten aus. Dazu kommen dann noch beispielsweise Speicher aus den Innovationsausschreibungen des Bundes, die an einen Wind- oder PV-Park gekoppelt sind.

Wie hat sich die Energiekrise auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Die Energiekrise hat der Nachfrage nach grüner Energie insgesamt, aber auch Speichern noch einmal einen riesigen Schub verliehen, da das Bedürfnis nach Energieautarkie gewachsen ist. Und wir erwarten auch in Zukunft weiteres Wachstum – schon aufgrund der Ausbaupläne der Bundesregierung für erneuerbare Energien, vor allem der Photovoltaik. Speicher können da ein Instrument sein, um diese Anlagen wirtschaftlich zu optimieren.

Noch sind aber zu wenig Speicher am Netz, warum?
Lange Zeit herrschte große regulatorische Unsicherheit durch die doppelten Netzentgelte beim Ein- und Ausspeichern. Dieses Problem ist jetzt zum Glück erstmal vom Tisch. Speicher, die bis zum Jahr 2029 in Betrieb gehen, sind automatisch von Umlagen und Netzentgelten befreit. Es muss jedoch eine Nachfolgeregelung geben. Ein Katalysator wäre außerdem, Speichern – genauso wie bereits Erneuerbare-Energien-Anlagen – ebenfalls Netzvorrang einzuräumen. Dann müssen Netzbetreiber diese unverzüglich anschließen. Momentan dauert das oftmals etwas länger.

"Der Staat hat ausreichend Hebel, um Energie günstiger zu machen."

Wie bewerten Sie das Potenzial von E-Autobatterien?
Diese technisch einzubinden wäre schnell möglich, denke ich. Allerdings müssen dafür erst noch die gesetzlichen Bedingungen geschaffen werden und der schleppende Smart-Meter-Rollout vorangetrieben werden. Das Potenzial ist dabei recht groß: Eine E-Autobatterie ist in der Regel achtmal größer als eine konventionelle Hausbatterie. In dem Markt stecken viele neue, vor allem digitale Geschäftsmodelle.

Blicken wir zum Schluss noch auf das große Ganze. Einzelne Stimmen fordern angesichts der Krise, den Kohleausstieg zu verschieben. Sinnvoll?
Den beschlossenen Ausstieg aus der Kohle zurückzunehmen, würde nur mehr Unsicherheit bringen und das Ziel der Klimaneutralität noch weiter nach hinten schieben. Die Energiewirtschaft hat sich bereits darauf eingestellt, Anfang 2030 schrittweise aus der Kohleverstromung auszusteigen, und Speicher werden dabei ein wesentlicher Baustein sein. Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, dass Deutschland auch schnell reagieren kann, zum Beispiel als es um die Mangelsituation beim Gas ging. Dazu kommt: Es kommt bei der Energiewirtschaft nicht nur auf die reine Erzeugung an, sondern auch auf die Netznutzung und den Transport. Der Staat hat ausreichend Hebel, um Energie günstiger zu machen. Daher sollten wir jetzt auch an dem eingeschlagenen Pfad der Energiewende festhalten.

Ich danke Ihnen für das Gespräch!

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