Die Stadtwerke München (SWM) dürfen künftig pro Jahr nur noch maximal 350.000 von 800.000 möglichen Tonnen Steinkohle im Kohleblock des Heizkraftwerks-Nord verbrennen. Die KWK-Anlage soll bereits ab Mai kommenden Jahres im Schwachlastbetrieb gefahren werden. Das hat laut einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" der Wirtschaftsausschuss der Stadt München in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag einstimmig beschlossen. Während der Heizperiode können damit künftig noch 60 Prozent der Leistung genutzt werden, in den restlichen Monaten sinkt die Auslastung auf 24 Prozent. Im Sommer soll der Kohleblock für rund zwölf Wochen sogar vollständig abgeschaltet werden. Der Plan entspricht weitgehend dem von den SWM bereits im Juli vorgestellten Konzept zu einem CO2-reduzierten Weiterbetrieb der Anlage bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie von der Bundesnetzagentur (BNetzA) nicht mehr als systemrelevant eingestuft wird.
Der Kohlelblock gilt als sehr rostanfällig. Die Menge von 350.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr wurde als Grenzwert definiert, bei dem kein dauerhafter Schaden am Kraftwerk entstehen kann. Einige zentrale Fragen bleiben aber weiterhin offen. Zum einen geht es um die Frage, wie die Stadtwerke angesichts des künftigen reduzierten Betriebs der Anlage drohende Lücken bei der Fernwärmeversorgung auffangen können. Offen ist auch, wann die Anlage endgültig abgeschaltet werden könnte, bisher war immer das Jahr 2028 in der Diskussion. Unklar ist weiterhin, was die Umstellung bei der Fahrweise die SWM künftig kosten wird. Bei einem reduzierten Weiterbetrieb bis 2028 hatte das Unternehmen im Juli noch Mindereinnahmen in Höhe von ingesamt 343 Mio. Euro prognostiziert. Mit all diesen Themen wird sich voraussichtlich die Vollversammlung des Stadtrates am 27. November beschäftigen.
BNetzA stuft Anlage als systemrelevant ein
Die Bundesnetzagentur hatte die Anlage erst vor wenigen Wochen auf Antrag des Übertragungsnetzbetreibers Tennet als systemrelevant eingestuft. Eine Stillegung würde momentan die Systemsicherheit gefährden, hieß es. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten des TÜV Süd kam zu dem selben Ergebnis, verwies aber im Falle eines vorzeitigen Abschaltens auch auf eine drohende Deckungslücke bei der Wärmeversorgung. Mit dem Beschluss vom vergangenen Dienstag versucht der Wirtschaftsausschuss den Bürgerentscheid vom November 2017 nach eigenen Angaben so weit wie möglich umzusetzen, vor allem mit Blick auf die maximal mögliche CO2-Reduzierung. Die Initiatoren hatten eine Stillegung des Bürgerentscheids bis Ende 2022 gefordert, dies ist allein aufgrund der Festlegung der BNetzA bis mindestens Ende 2024 unmöglich. (hoe)



