Der Einstieg des australischen Infrastrukturinvestors First State könnte der MVV Energie AG eine größere Perspektive für Projekte in Europa eröffnen. "Es ist gut vorstellbar, dass sich First State, die ja einen besonderen Investitionsschwerpunkt auf Infrastruktur in Europa haben, auch an konkreten Projekten beteiligt", sagte Vorstandschef Georg Müller in einem Interview mit der ZfK.
Deutschland bleibe aber der Kernmarkt des Mannheimer Versorgers. "Wenn es operativ Sinn macht, haben wir mit First State nun eine weitere Option. Aber allein dadurch, dass wir jetzt einen 45-Prozent-Gesellschafter bekommen, der in London ansässig ist, werden wir nicht zu einem internationalen Unternehmen", erklärte Müller. First State Investments übernimmt die bisherigen Aktienpakete der EnBW und Rheinenergie und hält dann 45,1 Prozent. Mehrheitseigentümer bleibt die Stadt Mannheim mit 50,1 Prozent der Anteile.
Keine Zielkonflikte mit der Stadt Mannheim
Mögliche Zielkonflikte mit First State als Finanzinvestor und der Stadt Mannheim als kommunaler Mehrheitseigentümer sieht der MVV-Vorstandsvorsitzende nicht. First State sei kein Investor, "der auf eine möglichst schnelle und hohe Rendite schielt, um auf der Basis wieder aussteigen zu können". Die Australier seien "langfristig orientiert, weil sie insbesondere Gelder von Pensionskassen, von Lebensversicherungen verwalten und deshalb stabile Ausschüttungen erwarten." Das decke sich mit der Erwartungshaltung der Stadt Mannheim.
Der MVV-Chef appellierte an die Bundesregierung, die aktuelle Agenda der Energiepolitik nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn die Corona-Pandemie derzeit viel Aufmerksamkeit und Kapazität binde. "Aber gerade deshalb müssen wir darauf achten, dass Corona keine Ausrede wird, insbesondere dann, wenn die Politik inhaltlich nicht weiterkommt", warnte Müller.
Abstandsproblematik bei Windrädern vor Ort entscheiden
Das Kohleausstiegsgesetz müsse zügig verabschiedet werden. "Wir brauchen jetzt diesen Rahmen für den Ausstieg aus der Kohle bis 2038, der die klimapolitisch orientierte Balance bei der Stilllegung von Braun- und Steinkohle und die Zukunft der Wärmeversorgung beinhaltet, also die effiziente Wärme-Kraft-Kopplung und Möglichkeiten für grüne Wärme", erklärte Müller. Über die Abstände bei Windrädern müsse künftig "im Genehmigungsverfahren auf der Grundlage der örtlichen Gegebenheiten entschieden werden". (hil)
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Das ausführliche Interview mit MVV-Energie-Vorstandschef Georg Müller u.a. mit Einschätzungen zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Energiebranche lesen Sie in der Mai-Ausgabe der ZfK, die am 29. April erscheint. Informationen zu einem Abonnement finden Sie hier.
