Acht Zuschläge hat die MVV-Tochtergesellschaft Juwi allein in den ersten Ausschreibungen des laufenden Jahres erhalten – vier an Windenergieprojekte mit insgesamt mehr als 40 MW Leistung sowie vier an Photovoltaik-Freiflächenprojekte mit einer Gesamtkapazität von 89 MW. Bei den ersten drei Ausschreibungen im vergangenen Jahr hingegen waren die MVV-Töchter Juwi und Windwärts leer ausgegangen. In diesen habe die zu weitgehende Privilegierung der Bürgerenergiegenossenschaften zu einer politisch ungewollten Verzerrung des Marktes geführt, sagt MVV-Chef Georg Müller. Um diese zu korrigieren und den Erneuerbaren-Ausbau zu beschleunigen, hat er nun an die Bundesregierung appelliert, wirksame Korrekturen im Ausschreibungsdesign und Sonderausschreibungen bei der Windkraft an Land umzusetzen.
Wettbewerblicher Ausbau als Ziel
Konkret fordert der Vorstandsvorsitzende des Mannheimer Energiekonzerns in 2019 und 2020 Sonderausschreibungen von zusätzlich je 4000 MW für Wind onshore und Photovoltaik. "Damit wird der Umbau unseres Energiesystems, wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben, beschleunigt", so Müller. Das entspreche auch der strategischen Grundausrichtung der MVV. Ziel sei ein wettbewerblicher Ausbau der erneuerbaren Energien und die dauerhafte Senkung der Kosten. Zudem müssten Marktverzerrungen, wie die genannten weitgehenden Privilegierungen für Bürgerenergiegesellschaften, dauerhaft beseitigt werden.
Fernwärmeinfrastruktur ausbauen
Grundsätzlich hätten die Koalitionspartner mit ihrem Bekenntnis zu den Klimazielen 2030 und 2050 sowie zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung positive Signale für den weiteren Umbau des Energiesystems gesetzt. Im nächsten Schritt müssten nun konkrete Entscheidungen getroffen und Gesetze verabschiedet werden, appellierte Müller. Er begrüßte zudem das Bekenntnis der Großen Koalition zur tragenden Rolle der KWK und der Fernwärme bei der Energiewende. Wichtig sei nun aber eine Weiterentwicklung des KWK-Gesetzes. Ziel müsse es sein, die KWK-Anlagen und die Fernwärmeinfrastruktur auszubauen und effizienter zu machen. "Dieses Signal der Bundesregierung ist für unser Berichtssegment Versorgungssicherheit von hoher Relevanz", so der Vorstandsvorsitzende.
Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr deutlich gesteigert
Operativ ist das börsennotierte Unternehmen, das mehrheitlich der Stadt Mannheim gehört, weiter auf Kurs. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018 - sprich im Zeitraum vom 1. Oktober 2017 bis 31. März 2018 - hat MVV Energie das operative Ergebnis (Adjusted Ebit) auf 223 MIo. Euro gesteigert. Das entspricht einem Zuwachs von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Adjusted Ebitda) legte um zwölf Prozent zu auf 335 Mio. Euro. Beim bereinigten Periodenüberschuss resultierte ein Plus von 6 Mio. auf 119 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie liegt damit bei 1,81 Euro (Vorjahr: 1,71 Euro).
Höhere Erlöse aus Windkraftanlagen
Zugute kam MVV Energie dabei nach eigenen Angaben das breit ausbalancierte Portfolio. Den niedrigeren Wärme- und Gasabsatz sowie die sinkenden Strom- und Gashandelsmengen aufgrund des im Vorjahresvergleich milderen Winters habe man dabei kompensieren können. Profitiert hat das Unternehmen dabei von höheren Erlösen aus eigenen Windkraftanlagen und dem Projektentwicklungsgeschäft im Bereich erneuerbare Energien sowie von der positiven Entwicklung im Umweltgeschäft. Langfristig ergebnisbelastend wirkten sich hingegen die im Rahmen der Anreizregulierung weiter sinkenden Netzentgelte aus.
155 Mio. Euro investiert
MVV Energie bekräftigte den positiven Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr 2018. Es wird weiterhin damit gerechnet, dass das operative Ergebnis leicht über dem Vorjahreswert von 224 Mio. Euro liegen wird. Das Umsatzerlöse werden mit prognostizierten rund vier Mrd. Euro in etwa auf dem Niveau des Vorjahres erwartet. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres wurden 155 Mio. Euro investiert, davon 65 Mio. Euro in Wachstumsinvestitionen und 90 Mio. Euro in die Pflege bestehender Anlagen und Netze. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet MVV mit Investitionen in Höhe von rund 300 Mio. Euro. (hoe)
