Vorstandsmitglieder von MVV bei der Bilanz-PK (von links nach rechts): Ralf Klöpfer, Georg Müller (Vorsitzender) und Verena Amann.

Vorstandsmitglieder von MVV bei der Bilanz-PK (von links nach rechts): Ralf Klöpfer, Georg Müller (Vorsitzender) und Verena Amann.

Bild: © MVV

Die MVV Energie AG betont ihren Anspruch auf die Vorreiterrolle in der Energiewende: Bereits 2035 will das Unternehmen klimapositiv sein - fünf Jahre früher als bisher geplant. Das verkündete der Energiekonzern aus Mannheim auf seiner Bilanzpressekonferenz.  

Finanziell seien dafür die besten Voraussetzungen vorhanden, erklärte MVV-Vorstandsvorsitzender Georg Müller am Donnerstag. Trotz eines herausfordernden Umfelds habe der Versorger sowohl seinen Umsatz als auch das Ergebnis im Geschäftsjahr 2023 deutlich verbessern können.

Die bereinigten Umsatzerlöse steigerte die MVV demnach um 3,3 Mrd. Euro auf 7,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 4,2 Mrd. Euro). Diese Erhöhung sei hauptsächlich auf das hohe Niveau der Großhandelspreise für Strom zurückzuführen.

"Niveausprung bei der Ergebnisentwicklung"

Mit einem bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Adjusted EBIT) in Höhe von 880 Mio. Euro (Vorjahr: 353 Mio. Euro) erwirtschaftete das Unternehmen einen Höchstwert für MVV. Das „ungewöhnlich hohe“ Jahresgebnis resultierte vor allem aus den Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf der tschechischen Aktivitäten sowie der Anteile an den Stadtwerken Ingolstadt. Das wirkte sich mit 133 Mio. Euro positiv auf das Ergebnis aus.

Für das laufende Geschäftsjahr 2024 rechnet Konzernchef Müller mit einem bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern von etwa 400 Mio. Euro. Das Ergebnisziel liege damit immer noch deutlich über dem Niveau der verganbgenen Jahre. MVV vollziehe insgesamt einen "Niveausprung bei der Ergebnisentwicklung".

Keine neuen H2-ready-Gaskraftwerke für die MVV

Wichtige Rahmenbedingungen seien durch die Energiepolitik jedoch noch nicht gesetzt, etwa in Bezug auf die Zukunft der Gasnetze. Außerdem bräuchte es schnell Klarheit bei der Planung neuer Kraftwerke, insbesondere fehle ein robuster Investitionsrahmen für den Aufbau klimaneutraler steuerbarer Kraftwerkskapazitäten.

Die Mannheimer erklärten auf Anfrage allerdings, dass sie selbst kein neues H2-ready-Gaskraftwerk planen würden und stattdessen auf den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie setzen.
 

„MVV geht deutlich über das politische Ziel von 50 Prozent Fernwärme bis 2030 hinaus.“ - Georg Müller, MVV-Vorstandschef

An der Küste planen die MVV und ihre Tochter, die Stadtwerke Kiel, aber einen KWK-Umbau zum „modernsten Gaskraftwerk Europas“. Das dortige Gaskraftwerk soll bis 2035 komplett auf Wasserstoff umgestellt werden. Die Lage sei dafür ideal, dass Wasserstoff möglicherweise über das Netz und alternativ per Boot angeliefert werden könnte.

In Mannheim und der Region will der Konzern bis 2030 die Fernwärmeerzeugung vergrünen, ebenso in Offenbach. Damit gehe man weit über die von der Ampelkoalition fixierten Ziele hinaus.

Auf der Bilanz-PK bekräftigte Müller noch einmal seine Warnung davor, auf Wasserstoff als Heizmittel außerhalb der Fernwärme zu setzen. Er bezweifle, dass dieser dafür in entsprechender Menge und zu entsprechenden Preise verfügbar werde.

Konzernchef Müller steht hinter steigendem CO2-Preis

„Bei der Fernwärme ist wichtig, dass wir konkurrenzfähige Preise anbieten können“, sagte Müller. „Bei der Fernwärme können wir jetzt bereits mit Wärmepumpen mithalten, aber es wird wichtig sein, die CO2-Bepreisung entsprechend hoch zu setzen.“

Die CO2-Bepreisung betrachtet Müller dabei als zentrales Leitinstrument, das flankiert werden müsse durch ordnungsrechtliche Instrumente und Förderprogramme, auch um die soziale Balance zu wahren.

Verdreifachung bei den Erneuerbaren

Für die Stromwende legt MVV ein noch ambitionierteres Tempo vor: Bis 2030 will das Unternehmen seine eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien mehr als verdreifachen – von aktuell 633 Megawatt auf 2.000 Megawatt im Jahr 2030.

Um das eigene grüne Erzeugungsportfolio deutlich auszuweiten, werden inländische Wind- und Photovoltaik-Projekte, welche die MVV-Tochtergesellschaft Juwi entwickelt, verstärkt im Konzern gehalten.

Im Geschäftsjahr 2023 hat MVV in diesem Zuge bereits mehrere Freiflächen-PV-Parks übernommen sowie die Weichen für weitere Windpark-Übernahmen gestellt.

Carbon Capture ist fester Bestandteil der Strategie

Zudem wird MVV durch BECCUS (Bioenergy Carbon Capture Usage and Storage) der Atmosphäre aktiv CO2 entziehen, es dauerhaft binden, nutzen oder speichern. Hier habe das Unternehmen im Geschäftsjahr 2023 bereits erste wichtige Meilensteine erreicht: In Mannheim läuft im Pilotprojekt CCS; in Dresden betreibt das Unternehmen mit einer Bioabfallvergärungsanlage bereits die erste konzerneigene „klimapositive“ Anlage.

MVV will diese Technik auf der Basis gewonnener Betriebserfahrungen sukzessive in ihrem weiteren Anlagenpark anwenden. So werde MVV nicht nur eigene unvermeidbare Restemissionen etwa aus der thermischen Müllverbrennung ausgleichen, sondern – über die zusätzlich entzogenen Mengen – bereits bis 2035 negative Gesamtemissionen erreichen und damit klimapositiv.

Verkauf von klimaschädlichen Assets

Der Verkauf der Assets in Tschechien und Ingolstadt hilft der MVV auch die Klimaziele zu erreichen: „Wir haben ambitionierte Ziele innerhalb unserer Gruppe, weshalb wir regelmäßig auch unser Beteiligungsportfolio nach Faktoren wie Strategie-Kompatibilität, Wirtschaftlichkeit und dem Beitrag zu unseren Dekarbonisierungszielen überprüfen und bewerten“, erklärte Müller. Die Erlöse aus diesen Verkäufen stützten zudem die Investitionsfähigkeit in den nächsten Jahren.

Mehr Geld für Aktionäre zum Jubiläum

Bezüglich der Dividende folge die MVV Energie abermals ihrem Grundsatz, ihre Dividendenpolitik an Kontinuität und an der Entwicklung der operativen Ergebnisse auszurichten.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung im März 2024 eine Erhöhung der ordentlichen Dividende um 0,10 Euro je Aktie auf 1,15 Euro je Aktie vor.

„Angesichts des hohen Investitionsbedarfs sind unsere Ausschüttungen angemessen.“ - Georg Müller

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums, das MVV im Jahr 2023 beging, sowie angesichts der außerordentlichen Ergebnisentwicklung empfehle die MVV zudem die Ausschüttung einer einmaligen Sonderdividende in Höhe von 0,30 Euro je Aktie.

Ihr Jubiläum habe MVV außerdem zum Anlass genommen, die „MVV Stiftung Zukunft“ zu gründen, da der aktuelle Transformationsprozess der Energiewende die Gesellschaft auch vor Fragen stellt, die nicht nur unternehmerisch beantwortet werden könnten. (pfa)

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