"Über Corona wird derzeit viel geredet, vielleicht zu viel", sagt der N-Ergie-Vorstandsvorsitzender Josef Hasler. Doch auch bei der Bilanzpressekonferenz des regionalen Energieversorgers lässt sich das Thema nicht umschiffen. Die Auswirkungen der Pandemie belasteten das Ergebnis mit bis zu 17-19 Mio. Euro zusätzlich, so Hasler.
Mit einem Ergebnis der Geschäftstätigkeit von 129,1 Mio. Euro (Vorjahr: 135,1 Mio. Euro) blickt das Unternehmen trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen auf ein gutes Geschäftsjahr zurück. Der Umsatz konnte dabei mit 2,3 Mrd. Euro weitgehend stabil gehalten werden.
Gewinnabführung von 104,0 Mio. Euro
Besonders ins Gewicht fielen Absatzrückgänge in den Bereichen Strom- und Gas bei Großkunden. So reduzierte sich der Stromabsatz um 4,1 Prozent auf 15,95 Mrd. kWh. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Erdgasabsatz um 4,6 Prozent auf 15,17 Mrd. kWh. Insgesamt konnte eine Ergebnisabführung von 104,0 Mio. Euro (Vorjahr: 101,8 Mio. Euro) geleistet werden.
An die Städtische Werke Nürnberg wurden 72,4 Mio. Euro (Vorjahr.: 69,7 Mio. Euro) ausgeschüttet. Die Thüga Aktiengesellschaft erhielt eine Ausgleichszahlung in Höhe von 31,6 Mio. Euro (Vorjahr.: 32,1 Mio. Euro). Es wurden 18,0 Mio. Euro (Vorjahr.: 25,0 Mio. Euro) als Gewinnrücklage dem Eigenkapital zugeführt.
Umstellung auf Ökostrom
Zum Jahresbeginn hat N-Ergie den gesamten Strom für Privathaushalte im Bestandsnetz auf hundert Prozent Ökostrom umgestellt. Dazu hat der Versorger Zertifikate für 1,1 Mrd. kWh aus ausschließlich deutschen Anlagen gekauft. Die Mehrkosten für die Maßnahme beziffert Josef Hasler auf etwa eine Mio. Euro.
"Der Gefahr des Greenwashings setzt man sich beim Ökostrom immer aus", so Hasler weiter. "Wir beziehen Ökostrom deshalb nur aus Anlagen in Deutschland. Sehr viele Kunden haben das uns gegenüber positiv bewertet."
Gute Perspektiven für Gaskraftwerke
Eine Perspektive noch für Jahrzehnte sieht man bei N-Ergie auch bei den Gaskraftwerken. Irsching 5 ist nach sieben Jahren des Stillstands wieder in den Erzeugungsmarkt eingestiegen. "Wir verdienen damit Geld", betont Hasler. Gaskraftwerke sorgten für Grundlast und Kapazitäten. Vor dem Hintergrund steigender CO2-Preise seien sie noch lange Zeit rentabel, vor allem im Vergleich zu Kohlekraftwerken.
Auch deshalb hat der Versorger in das Heizkraftwerk Sandreuth investiert. 30. Mio. Euro fließen in die Modernisierung der Gasturbinen. Künftig gebe es dort Potenzial, um grünen Wasserstoff einzusetzen. Der neue Vertriebsvorstand Maik Render, zuvor Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg, bekräftigte: "Wir wollen die Wärme 'grüner' machen. Kraft-Wärme-Kopplung auf Gas-Basis ist die beste Technologie, um Lücken in der Einspeisung von erneuerbaren Energien auszugleichen."
Erneuerbare Energien: 20 bis 50 MW zusätzlich pro Jahr
Für das Jahr 2021 sind die wirtschaftlichen Belastungen noch nicht quantifizierbar, heißt es. Aus heutiger Sicht würden die Lockdown-Maßnahmen Einfluss auf den Energieverbrauch und die Zahlungsfähigkeit der Kunden haben. 2021 erwartet das Unternehmen daher ein deutlich geringeres Ergebnis der Geschäftstätigkeit als 2020.
Nichtsdestotrotz will die N-Ergie weiterhin die Energiewende vorantreiben. Rund 58.000 Wind-, Photovoltaik- und Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von 2700 MW speisen derzeit in das unternehmenseigene Netz ein – Tendenz stark steigend. Jährlich sollen die regenerativen Kapazitäten zudem um 20 bis 50 MW erweitert werden. (jk)



