(v.l.n.r.): Die Diskutantinnen Stephanie zur Loye (Fairplaid GmbH); Birgit Nimke-Sliwinski (BSR); Ann-Kathrin Murphy (Stadtwerke Tauberfranken); Dorothea Voss (Emschergenossenschaft und Lippeverband)

(v.l.n.r.): Die Diskutantinnen Stephanie zur Loye (Fairplaid GmbH); Birgit Nimke-Sliwinski (BSR); Ann-Kathrin Murphy (Stadtwerke Tauberfranken); Dorothea Voss (Emschergenossenschaft und Lippeverband)

Bild: © ZfK

Kann man Nachhaltigkeit auch als Chance verstehen? Die Antwort ist "definitiv", wenn es nach den Diskutantinnen auf der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz am Donnerstag geht. "Wenn man als Stadtwerk rechtzeitig in die Pläne der Stadt involviert wird, kann man die Geschäftsmodelle darauf passend ausrichten", schilderte Ann-Kathrin Murphy.

Die Leiterin Klimaschutzmanagement beim Stadtwerk Tauberfranken betonte zudem, dass Nachhaltigkeit keine Säule der Unternehmensstrategie sei. "Es ist die Strategie bei uns. Wir haben hierfür eine eigene Roadmap aufgebaut." Diese diene auch dazu, mehr Transparenz zu schaffen und die Bürger:innen mitzunehmen.

Dorothea Voss stimmte Murphy zu: "Nachhaltigkeit rahmt alles ein und sie muss auf drei Säulen stehen: Wirtschaftlichkeit, Soziales und Arbeit."

Das Thema sei auch für die Personalpolitik essenziell, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sprach die Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit der Emschergenossenschaft/Lippeverband (EGLV) aus eigener Erfahrung: "Wir stehen im Wettbewerb mit anderen und konkurrieren um Menschen. Es liegt an uns, eine dementsprechende Arbeitswelt zu schaffen."

Zum Beispiel zeige die EGLV neuen Kolleg:innen sogleich die erneuerbaren Anlagen und vermittle ihnen, was Nachhaltigkeit praktisch bedeute. Außerdem hat das Unternehmen Nachhaltigkeitstage eingeführt. "Bei diesen lernen die Mitarbeiter:innen gegenseitig ihre Bereiche und erneuerbaren Anlagen kennen." Dies veranschauliche die Energiewende.

Eine eigene Stelle schaffen?

Aber wie kann man Nachhaltigkeit in der Unternehmenskultur verankern und in die Unternehmensstrategie integrieren? Sowohl Murphy als auch Birgit Nimke-Sliwinski unterstützten die Idee dafür, eine eigene Stelle im Unternehmen zu schaffen, die sich der Nachhaltigkeit verschreibt.

Nimke-Sliwinski ist Leiterin der Abteilung ReUse & Zero Waste-Management bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR). "Meine Stelle ist ein gutes Beispiel dafür, um das Silodenken in einem Unternehmen aufzubrechen und neue Verbindungen und Kooperationen zu schaffen", zeigte sie sich überzeugt.

Die BSR hat mittlerweile verschiedene Projekte am Laufen. Eines davon ist ein "Locker-System". Mit diesen Schließfächern können Gegenstände getauscht oder verschenkt werden, anstatt sie wegzuwerfen.

Fuhrpark wird mit den Bürger:innen geteilt

Wichtig sei aber auch Sichtbarkeit. "Unser Fuhrpark steht beispielsweise auch der Bevölkerung offen und zur Verfügung, um den Sharing-Gedanken vorzuleben", erläuterte Murphy. Ein weiteres praktisches Beispiel brachte Stephanie zur Loye mit ein. Sie ist Projektmanagerin bei der Fairplaid GmbH, welche Crowdfunding-Projekte ermöglicht.

"Als die Energiekrise startete, kamen viele Vereine auf uns zu, welche sich die Stromkosten nicht leisten konnten." Die Lösung: Die alten Leuchtmittel auf LED umrüsten. "Gerade in der Anfangszeit haben wir viele Projekte dieser Art finanziert." Die Menschen erleben, welche Vorteile Nachhaltigkeit haben kann. (gun)

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