Die Pläne des Aufsichtsrates, einen Hauptgeschäftsführer an die Spitze der Stadtwerke Neumünster (SWN) zu berufen, sorgen weiterhin für viel Verunsicherung in der Belegschaft, aber auch bei den Banken und den Lieferanten. In einem Schreiben sollen nun die beiden SWN-Geschäftsführer Thomas Junker und Tino Schmelzle vom Aufsichtsrat und von Oberbürgermeister Olaf Tauras gefordert haben, den Hick-Hack zu beenden und ihnen endlich das Vertrauen auszusprechen, schreibt die Lokalzeitung "Holsteinischer Courier".
"Mit unserem Einsatz das Vertrauen hergestellt"
"Wir haben mit unserem persönlichen Einsatz, unserem Namen und unserem Ruf das für die Gesundung des Unternehmens erforderliche Vertrauen hergestellt. Was bedeutet es für das Vertrauen, wenn wir von außen betrachtet aus heiterem Himmel einen Aufseher vor die Nase gesetzt bekommen?", wird das Führungsduo in dem Artikel zitiert. Laut ZfK-Informationen wird im Aufsichtsrat ernsthaft geprüft, den früheren SWN-Chef Bernd Michaelis als Hauptgeschäftsführer zu ernennen. Dieser wäre in der Hierarchie noch über der jetzigen Führungsspitze angesiedelt. Eine Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet.
Schmelzle und Junker kritisieren, dass sie nie über die Gründe für die Berufung eines Hauptgeschäftsführers informiert worden seien. Ihre Befürchtung: Die Ernennung eines dritten Chefs würde die aktuelle Leitung des Konzerns handlungsunfähig machen, zu Konflikten in der Geschäftsführung führen und die Restrukturierung des SWN-Konzerns erschweren. Nach einem Millionenverlust im Geschäftsjahr 2017 werden auch im laufenden Jahr tiefrote Zahlen erwartet. Das Restrukturierungsprogramm zeigt laut den SWN-Geschäftsführern aber bereits erste Erfolge, für das Geschäftsjahr 2019 wird mit einem Turnaround gerechnet.
Immer wieder dringen Interna nach draußen
So sieht es auch der in der vergangenen Woche verabschiedete Wirtschaftsplan für 2019 vor, dem der Aufsichtsrat zugestimmt hatte. Da immer wieder Interna aus nicht-öffentlichen Sitzungen des Kontrollgremiums an die Öffentlichkeit gelangen, prüft die Stadt Neumünster mittlerweile einen Strafantrag gegen Unbekannt, die SWN-Geschäftsführung erwägt das offenbar auch. Auch die Banken sind verunsichert über die jüngsten Personalspekulationen bei dem Kommunalversorger. So soll das für die SWN wichtigste Kreditinstitut bereits eine Stellungnahme des Versorgers zu den jüngsten Entwicklungen verlangt haben. Im Frühjahr stehen Verhandlungen für eine Anschlussfinanzierung an.
Hohe Verluste aus riskanter Beschaffungsstrategie
Die SWN hatten im dritten Quartal ihre Verlustprognose nochmals deutlich angehoben, dies hat offenbar an der ein oder anderen Stelle Zweifel am nachhaltigen Erfolg der Krisenbewältigung und der Sanierung aufkommen lassen. Die höheren Verluste resultieren vor allem aus Anpassungen an einer sehr riskanten Beschaffungsstrategie. Diese hatte die SWN in Zeiten fallender Preise lange Zeit erfolgreich verfolgt. Die offenen Positionen existierten offenbar bereits beim Amtsantritt von Junker und Schmelzle Anfang 2017, das Führungsduo hatte dem Unternehmen im Herbst 2017 dann eine risikoärmere Stromeinkaufsstrategie verordnet. Die zusätzlichen Verluste im dritten Quartal diesen Jahres hängen großteils mit Drohverlustrückstellungen in Höhe von über zwei Mio. Euro für Lieferverträge der Jahre 2019 und 2020 zusammen. Damit wurden quasi sämtliche zu erwartende Verluste aus der früheren Einkaufsstrategie in der Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsjahres 2018 zusammengezogen und die Bilanzen der Geschäftsjahre 2019 und 2020 entsprechend entlastet. (hoe)
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Welche Einkaufsstrategie die SWN heute fahren und welche weiteren Lehren sie in punkto Beschaffung gezogen haben, lesen Sie in der Dezemberausgabe der ZfK.
