Erneute Wartungsarbeiten haben den Gasstrom über die Ostseepipeline Nord Stream 1 zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen versiegen lassen.
Nach Angaben der Betreibergesellschaft Nord Stream flossen bereits zwischen 3 und 4 Uhr morgens keine nennenswerten Mengen mehr über den Doppelstrang. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte bereits im Voraus angekündigt, die Pipeline vom 31. August bis zum 2. September wegen Wartungsarbeiten nicht zu befüllen.
Lage bei Alternativrouten
Die Mengen über die ukrainische Route gingen indessen nur unwesentlich nach oben. Zuletzt wurden am ukrainisch-slowakischen Grenzpunkt Velke Kapusany knapp 400 GWh pro Tag gemessen. Dieses Niveau ist seit Wochen üblich.
Über die Jamal-Pipeline, die durch Polen geht, fließt seit Monaten kein russisches Gas mehr.
Abwärtstrend setzt sich fort
Am Großhandel setzten die Gaspreise derweil ihren Abwärtstrend fort. Am Handelsplatz TTF wurde eine Megawattstunde für den Liefermonat September am Mittwochnachmittag für 238 Euro gehandelt. Damit ist der Preis im Vergleich zum Freitag um mehr als 30 Prozent gesunken.
Am meisten kostete der Kontrakt für den Liefermonat November (243 Euro pro MWh), das zweite Quartal 2023 unterschritt bereits die 200-Euro-Marke. Prinzipiell preisdämpfend wirken zunehmend volle Gasspeicher in Deutschland. Der durchschnittliche Füllstand betrug zuletzt 84 Prozent.
Gazprom mit Rekordgewinn
Trotz westlicher Sanktionen meldete Gazprom im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn. Es sei ein Reingewinn von 2,5 Billionen Rubel erzielt worden – das sind umgerechnet 46,5 Milliarden Euro.
Der Staatskonzern verwies auf dem Nachrichtendienst Telegram darauf, dass das Ergebnis trotz Strafmaßnahmen wegen des Ukraine-Kriegs gegen Russland und eines "ungünstigen Umfelds" erzielt worden sei. Gazprom werde nun jedem Aktionär pro Anteilsschein 51,03 Rubel zahlen. Noch im Frühjahr hatte der Energieriese die Erwartungen für 2022 gedämpft.
Spekulationen über Wiederinbetriebnahme
Es gilt als eher wahrscheinlich, dass das Gas vom 3. September an wieder fließt. Nach der letzten Abschaltung wegen Wartungsarbeiten im Juli hat Gazprom anschließend auch den Transit wieder aufgenommen.
Das unabhängige Internet-Medium "The Bell" erklärte schon damals die dahinter stehende Logik damit, dass der Kreml sich anderenfalls der eigenen Flexibilität berauben würde. Auch bei gedrosselter Lieferung könne Russland immer noch mit einer weiteren Kürzung der Lieferungen drohen. Beim Lieferstopp sei das Drohpotenzial passé.
Gazprom bestraft Engie
Ohne russisches Gas muss künftig der französische Energiekonzern Engie auskommen. Gazprom verwies in einer Mitteilung darauf, dass das westeuropäische Unternehmen importiertes Gas im Juli nicht im vollen Umfang gezahlt habe. Deshalb würden die Lieferungen von 1. September an eingestellt.
Frankreich gab sich betont gelassen und verwies darauf, dass die heimischen Speicher bereits zu 91 Prozent gefüllt sei. Anders als Deutschland verfügt das Land bereits jetzt auch über vier eigene LNG-Terminals. Zudem ist die Bedeutung von Gas gerade in der Wärmeversorgung bei weitem nicht so groß wie hierzulande. (aba/dpa)



