Mit einem neuen Mehrheitsgesellschafter an der Seite betreiben die Gemeindewerke Oberhaching (GWO) seit Jahresanfang das Geothermie-Heizkraftwerk in Taufkirchen, bei München. Der bisherige Partner Daldrup & Söhne AG hat seine Anteile in Höhe von knapp 74 Prozent in zwei Schritten an die Investorengruppe IKAV verkauft, rund 26 Prozent der Anteile halten weiterhin die GWO.
Zum offiziellen Stabwechsel trafen sich nun Andreas Tönnies als Vorstandsmitglied von Daldrup & Söhne und IKAV-Geschäftsführer Gregor Gruber mit Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle und GWO-Geschäftsführer Thomas Hümmer.
Geplante Übergabe
Andreas Tönnies, Vorstandsmitglied von Daldrup & Söhne begründete den Schritt damit, dass sich sein Unternehmen künftig wieder auf das Kerngeschäft Bohrdienstleistungen konzentrieren wolle, weshalb man die Energieerzeugungsanlagen in Taufkirchen und Landau in der Pfalz verkauft habe.
Dies sei schon 2008 geplant, als man die Geysir Europe GmbH – über die die Anteile an den Anlagen gehalten wurden – erworben hatte. Mit dem Bohrgeschäft blicke man in eine erfolgversprechende Zukunft, so Tönnies, da die Wärmewende „erst am Anfang einer dynamischen Entwicklung“ stehe und insbesondere in Südbayern noch zahlreiche Geothermieprojekte vorstellbar seien. Als Referenz verwies Tönnies auf die Bohrungen auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd in München-Sendling, wo im Auftrag der Stadtwerke München gleich sechs erfolgreiche Bohrungen durchgeführt worden seien.
Neuer Partner "mit Herzblut"
Bürgermeister Stefan Schelle bezeichnete den Wechsel des Anteilseigners als „ganz normalen Switch“ und freute sich, dass mit der IKAV-Gruppe ein Partner mit Herzblut an Bord gegangen sei, der langfristiges Interesse an der Beteiligung in Taufkirchen und auch an einem Ausbau der Aktivitäten Interesse habe. „Für Oberhaching ist es wichtig, dass wir langfristig und zuverlässig Wärme beziehen können. Mit diesem kompetenten Partner an der Seite ist das auch für die nächsten Jahrzehnte möglich“, so Schelle. Interesse an einem Einstieg hätten auch andere Unternehmen gezeigt, mit der IKAV als Partner habe man aber ein sehr gutes Gefühl. „Sie sehen deshalb einen sehr entspannten Bürgermeister“, so Schelle.
IKAV-Geschäftsführer Gregor Gruber stellte sein Unternehmen als Investorengruppe vor, die ihre Mittel im Auftrag von Altersvorsorgeeinrichtungen langfristig in nachhaltige Projekte auf dem Energiesektor und in andere Infrastrukturprojekte investieren wolle. In der Vergangenheit habe man dies hauptsächlich in Solar- und Windkraftanlagen in Südeuropa getan, im vergangenen Jahr seien erstmals drei Geothermie-Investments getätigt worden, weitere Engagements in Deutschland sollen folgen. Ziel sei in jedem Fall eine weitere Förderung grundlastfähiger erneuerbarer Energien.
Weitere Aktivitäten angekündigt
Auf besonderes Interesse des Bürgermeisters und des Partners GWO stieß die Ankündigung Grubers, seine Gruppe werde auch in weitere Aktivitäten am Standort Taufkirchen und in der Region investieren. Denkbar seien hier technische Verbesserungen an der Stromerzeugung in Taufkirchen, ein Wärmeverbund mit umliegenden Fernwärmenetzen oder sogar weitere Bohrungen am Standort.
Ein möglicher Partner für solche Bohrungen ist im wahrsten Sinne naheliegend: Die Daldrup & Söhne AG hat Anfang des Jahres ihr Hauptquartier in Oberhaching aufgeschlagen und firmiert jetzt unter derselben Adresse wie die Gemeindewerke Oberhaching: Bajuwarenring 17.
Spatenstich für neue Energiezentrale
Zugleich haben die Gemeindewerke Oberhaching den offiziellen Spatenstich für ihre Energiezentrale getätigt. Zusammen mit Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle und GWO-Geschäftsführer Thomas Hümmer schwang eine ganze Reihe von Projektbeteiligten den Spaten, um die neue Anlage auf den Weg zu bringen.
Schelle freute sich, dass das geothermische Fernwärmeprojekt in Oberhaching mehr und mehr seiner Vollendung entgegengehe. „Nach dem Bau von mehr als 50 Kilometern Fernwärme- und Glasfasernetz in den vergangenen Jahren ist mit der Energiezentrale nun einer der Schlussbausteine des Projekts in Arbeit. Damit sichern wir zusätzlich und langfristig die Versorgung unserer Bürger mit klimafreundlicher Wärme aus dem Erdinnern ab“, so der Rathauschef.
Redundanz- und Spitzenlastanlage
Die Anlage an der Oberhachinger Raiffeisenalle dient als Redundanz- und Spitzenlastanlage, das heißt zur Überbrückung von Stillstandszeiten, beispielsweise bei Wartungsarbeiten, und zur Sicherstellung der Heizkapazität an den kältesten Tagen des Jahres. Bewerkstelligt wird das durch drei Heizkessel mit je zehn Megawatt Leistung, starke Netzpumpen und eine Netzersatzanlage zur Sicherung der Wärmeversorgung auch bei Stromausfall im öffentlichen Netz. Ferner ist ein Pufferspeicher mit 600 Kubikmetern Heißwasser geplant, das zur Überbrückung von Lastspitzen zugespeist werden kann.
Im Gebäude ihren Platz finden wird auch eine Anlage zur Enthärtung und Entsalzung des Wassers, das im Fernwärmenetz zirkuliert. Außerdem wird in der Energiezentrale ein Verteilknoten für das Oberhachinger Glasfasernetz, ein sogenannter Point-of-Presence (POP), entstehen. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme der gesamten Anlage ist für Ende 2021 geplant. (sg)



