Mit dem ostfriesischen Ökoenergiehändler Proengeno GmbH & Co. KG zieht sich Ende des Monats ein weiterer kleiner Anbieter aus dem Gasvertrieb zurück. „Trotz intensivster Bemühungen ist es uns in den vergangenen Monaten nicht gelungen, an den Energiemärkten ausreichend Gasmengen zu angemessen Preisen für die nächste Heizperiode zu beschaffen“, teilt das Unternehmen aus Jemgum bei Leer auf seiner Homepage mit.
Nach gründlicher Abwägung habe man deshalb „schweren Herzens entschieden“, sich auf die Kerngeschäfte Ökostrom und Energiedienstleistung zu konzentrieren und die Ökogasbelieferung zum 30. September einzustellen. Betroffen sind laut ZfK-Informationen rund 2000 Kunden. Deren Versorgung übernimmt jetzt der Grundversorger, das ist in diesem Fall die EWE.
Proengeno (früher Strommixer) hat laut Homepage rund 10.000 Energiekunden und bezeichnet sich als „ersten unabhängigen Stromanbieter in Nordwestdeutschland“. Das Unternehmen entstand Ende der 1980er Jahre aus einer kirchlichen Arbeitsgruppe und aus dem gewerkschaftlichen Umfeld mit dem Ziel, den Erneuerbaren-Ausbau vor Ort voranzubringen. Bereits einige Jahre später wurden erste Windkraftanlagen gebaut. Neben der Produktion von grüner Energie besteht das Geschäftsmodell seit längerem auch aus dem Vertrieb von Ökostrom und Ökogas.
Geschäftsmodell bleibt intakt, Zahl der Mitarbeiter steigt
„Die 14 Arbeitsplätze in unserem Unternehmen sind durch die Einstellung der Gasversorgung nicht gefährdet. Wir haben gerade sogar zwei IT-Mitarbeiter und einen Auszubildenden eingestellt“, heißt es auf Anfrage. Sobald regeneratives Gas, beispielsweise Biogas in ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen wieder eine sichere Alternative sei, werde man aber auch diese „Unternehmenssparte wieder aufleben lassen“.
Mobile Biogas- und Kläranlage
An Innovationsgeist scheint es jedenfalls nicht zu mangeln. So wird im Pilotprojekt Ammerland aktuell unter dem Namen "Biolarum" eine mobile Biogas- und Kläranlage getestet. Diese verarbeitet laut Proengeno Gülle und erreicht damit ein bis zu 70 Prozent sauberes Wasser. Die Gülle wird dabei nicht nur vergoren, sondern kann zudem auch geklärt werden.
Fälle von Vertriebsaufgaben speziell im Gasbereich haben in jüngster Zeit zugenommen: Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Energieversorgung Elbtalaue aus dem niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg per 30. Novemer ihren Gasvertrieb aufgrund der hohen Großhandelspreise einstellt. Einige Wochen zuvor hatte bereits die kommunale Vertriebsgesellschaft Energiewerk Ortenau die Aufgabe des Strom- und Gasvertriebs zum Jahresende angekündigt. (hoe)

