Die Green-City-Gruppe mit Sitz in München hat in den vergangenen Jahren rund 100 Mio. Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien in Projekte in Europa investiert.

Die Green-City-Gruppe mit Sitz in München hat in den vergangenen Jahren rund 100 Mio. Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien in Projekte in Europa investiert.

Bild: © Ackermann/Green City AG

Der finanziell angeschlagene Münchner Projektierer Green City AG hat am Montag (24. Januar) beim Amtsgericht in München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Als Gründe werden in einer kurzen Pressemitteilung eine drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung angeführt.

Der Schritt sei erforderlich geworden, da die bereits weit fortgeschrittenen Gespräche mit Investoren nicht hätten abgeschlossen werden können. Das Gericht werde nun in Kürze über den Antrag der Gesellschaft und die Einsetzung eines vorläufigen Insolvenzverwalters entscheiden. 
 

Abstimmung über Kapitalerhöhung wurde von Tagesordnung genommen

53 Prozent der Aktien der Green City AG werden vom gemeinnützigen Verein Green City e.V. gehalten, rund 35 Prozent der Anteile sind in Streubesitz, der Rest gehört Mitarbeiter:innen. Laut gut informierten Kreisen hatte bei der am Donnerstag anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung auch eine Abstimmung über eine Kapitalerhöhung auf der Tagesordnung gestanden.

Dieser Punkt sei aber wieder von der Agenda genommen worden, weil keine Aussicht auf Zustimmung bestanden habe. Es hat den Anschein, als habe die Green City e.V. sich hier quergestellt, weil sie eine Verwässerung ihrer Anteile verhindern wollte. Bereits bei dieser Hauptversammlung hatte der Vorstand von Green City auf Nachfragen eine Insolvenz nicht ausgeschlossen.

Was wird mit dem geplanten Windpark im Ebersberger Forst?

Die Green City AG hat in der Vergangenheit mit diversen Stadtwerken bei Erneuerbarenprojekten kooperiert. Laut einem Bericht des „Münchner Merkur“ ist die Insolvenz auch ein empfindlicher Rückschlag für den geplanten Windpark im Ebersberger Forst mit fünf Anlagen, den Green City bauen wollte.

Gemeinsam mit den Stadtwerken München (SWM) betreibt Green City unter anderem außerdem das Praterkraftwerk (ein Laufwasserkraftwerk) an der Isar, an dem die SWM die Mehrheit halten.

Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sieht Zukunftsperspektive für Green City

"Wir werden uns für eine Fortsetzungslösung einsetzen, da die Gesellschaft nachweislich funktionierende EEG Anlagen hat", erklärte Daniel Bauer,  Vorsitzender des Vorstands der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK) mit Sitz in München.

Die SdK vertritt die Interessen zahlreicher Green-City-Aktionäre. Es sei unbestritten, dass zukünftig mehr Strom aus Wind und Solar gewonnen werden müsse, so Bauer weiter. "Hier  kann die Green City Gruppe ein Rolle spielen, wenn man das Ganze auf ein solides Fundament stellt und zukünftig um Speichertechnologien erweitert".

Wenn man die Gruppe hingegen zerschlage, entstehe ein großer Verlust für die Anleger. Dieser falle aber je nach Anleihe unterschiedlich hoch aus. "Bei einer Fortführungslösung halte ich es für möglich, dass über die Laufzeit zumindest ein großer Teil des Investments gerettet werden kann. Die versprochene Rendite wird man dann aber nicht so schnell erreichen." 

Verlust beträgt mehr als die Hälfte des Grundkapitals

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres hatte der Projektierer über Umsatz- und Ertragsausfälle informiert, die zu einem Verlust von mehr als Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft in 2021 geführt hätten.

Zudem hatten die Konzerngesellschaften Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG, Green City Energy Kraftwerkspark III GmbH & Co. KG sowie die Green City Solarimpuls I GmbH & Co. KG, die jeweils börslich handelbare Schuldverschreibungen emittiert haben, den Kapitalmarkt darüber informiert, dass sie sich in einer finanziellen Krise befinden.

Laut Pressemitteilung befindet sich auch die Konzerngesellschaft GCE Kraftwerkspark I GmbH in einem Restrukturierungsprozess. Der Verkauf von Assets und die Rückführung von Darlehen verzögere sich und konnte nicht im gesteckten Zeitrahmen abgeschlossen werden, heißt es. Aus diesem Grund habe diese Konzerngesellschaft ebenfalls einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. (hoe)

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