Ein Motiv aus der laufenden Marketingkampagne der Stadtwerke Soest für ihr neues Regionalstromprodukt.

Ein Motiv aus der laufenden Marketingkampagne der Stadtwerke Soest für ihr neues Regionalstromprodukt.

Bild: © Stadtwerke Soest

Sie sollen die Akzeptanz erneuerbarer Energien vor Ort erhöhen. Seit Anfang vergangenen Jahres kann EEG-Strom, der in Anlagen in einem Umkreis von maximal 50 Kilometern rund um den Wohnsitz eines Kunden erzeugt wird, als Regionalstrom angeboten werden. Die dafür benötigten Nachweise werden vom Umweltbundesamt (UBA) ausgestellt. Obwohl es mittlerweile ein paar Dutzend solcher Tarife am Markt gibt, spricht das UBA von einer weiterhin verhaltenen Nachfrage. Die Zahl der Registrierungen steige kontinuierlich, aber auf einem geringem Niveau, teilt die zuständige Fachbereichsleiterin Elke Mohrbach auf ZfK-Anfrage mit. Stand 21. Januar waren 94 Akteure im Regionalnachweisregister für die Rollen Dienstleister, Händler und Energieversorger eingetragen – darunter waren 67 EVU.

Verheißungsvoller Start in Soest

Die Einschätzungen aus der Branche zum Vertriebspotenzial variieren. Die Stadtwerke Soest beispielsweise verzeichnen bei ihrem erst Mitte November eingeführten Produkt bereits eine hohe dreistellige Kundenzahl und haben bereits 40 Erneuerbaren-Anlagen unter Vertrag mit einer Produktionsmenge von 4 GWh pro Jahr. Dort hat eine Analyse das Absatzpotenzial auf 20 Prozent der Bevölkerung taxiert. "Mit dem Regionalstrom machen wir die Energiewende vor Ort erlebbar und erhöhen zugleich die Bindung an den Versorger vor Ort als lokalen Motor der Energiewende", heißt es auf Anfrage aus Soest. Die erhöhte Nachfrage nach regional erzeugten erneuerbaren Energien könne deren weiteren Ausbau zusätzlich unterstützen.

Emsdetten: "Erhebliches Potenzial"

Ähnlich klingt es bei den Stadtwerken Emsdetten (SWE). "Der Markt hat noch erhebliches Potenzial. Der Trend zu Regionalprodukten, wie wir es beispielsweise aus der Lebensmittelbranche kennen, ist auch im Strommarkt zu erkennen", schreiben die SWE. Der Kommunalversorger aus dem Münsterland versorgt mittlerweile rund 100 Kunden mit regionalem Strom aus einem Windrad. Den Kunden reiche aber oft noch normaler Ökostrom, heißt es. Das Produkt "Unser Landstrom" ist eine Kooperation mit den Stadtwerken Greven, Rheine, Ochtrup, Steinfurt und Tecklenburger Land.

Thüga und Naturstrom: "Kein Massengeschäft"

Zurückhaltender fällt das Fazit der Thüga aus. Mehrere Mitgliedsunternehmen des Stadtwerkeverbunds bieten zwar Regionalstromtarife an und vier weitere planen konkret eine Markteinführung im Verlauf des Jahres. Dennoch stellt ein Thüga-Sprecher klar: "Regionalstromprodukte sind Nischenprodukte mit einer engen Kundenzielgruppe und keine Selbstläufer." Ähnlich ist der Tenor beim Ökostromanbieter Naturstrom: "Ein neues Massengeschäft mit Hunderttausenden Kunden durch Regionalnachweise erwarten wir nicht", teilt die Pressestelle mit. Denn um losgelöst von eigenen Anlagen oder Bürgerenergie-Kooperationen großflächig Regionaltarife aufzulegen, sei letztlich der Aufwand zu groß – sowohl auf Seiten der Betreiber als auch auf Seiten der Versorger.

Naturstrom bietet seit Ende 2019 fünf Regionalstromtarife in Form von Städtetarifen in den Städten Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und München an. Über die Tochter Grünstromwerk werden zusammen mit Bürgerenergiegesellschaften über 20 weitere Regionalstromtarife vertrieben. Auch die Wuppertaler Stadtwerke beantragen für ihren Grünstrom-Handelsplatz "Tal.Markt" Regionalnachweise. Der überwiegende Teil der Anlagen auf dem Tal.Markt ist noch in der EEG-Förderung. Darüber hinaus haben beispielsweise auch die Süwag oder der Energiedienst Regionalstromprodukte eingeführt. Der Direktvermarkter e2m bietet für sein erneuerbares Erzeugungsportfolio in Deutschland Kunden die entsprechenden Zertifikate an, übernimmt die Führung der Konten im RNR und wickelt die Lieferung der Dienstleistung ab.

EVM und Agger Energie planen neue Tarife

In den nächsten Monaten zeichnen sich bereits weitere Einführungen von Regionalstromprodukten in der Kommunalwirtschaft ab. So planen die Agger Energie aus Gummersbach und die EVM aus Koblenz im Laufe des ersten Halbjahrs das Angebot entsprechender Tarife. Sie setzen dabei auf die White-Label-Lösung "stromodul" von Rheinenergie und den Stadtwerken Soest. Die Rheinenergie verzeichnet nach eigenen Angaben ein sehr großes Interesse aus der Branche an diesem Produkt und rechnet im Laufe des Jahres mit weiteren Stadtwerken, die auf der Basis von stromodul Regionalstromtarife anbieten werden.

Hoher Komplexitätsgrad

Der Komplexitätsgrad bei der Zertifizierung der Produkte und bei der Registerführung ist allerdings hoch. "Die Kosten für die Registerverwaltung können unter bestimmten Bedingungen recht hoch sein. Kleinere Unternehmen können durch den Komplexitätsgrad überfordert sein und somit kann das System zur Eintrittsbarriere werden", konzidieren die Stadtwerke Soest. Um die komplexen Anforderungen der Behörden möglichst einfach handhaben zu können, habe man eben mit der Rheinenergie das "stromodul" entwickelt.

UBA verweist auf Eigenheiten deutscher Stromkennzeichnung

"Die Entwicklung von Regionalstromprodukten mag komplex sein", stellt hierzu das UBA klar. Dies scheine aber eher an der komplexen Thematik des Regionalstroms zu liegen sowie an den bereits seit Jahren bekannten Eigenheiten der deutschen Stromkennzeichnung mit ihren Stärken und Schwächen. Im Vergleich zum Herkunftsnachweisregister sei die Entwertung im Regionalnachweisregister noch einmal deutlich komplexer. "Durch die Maßgabe, für ein Stromprodukt pro Verwendungsgebiet Regionalnachweise zu entwerten, potenziert sich der mögliche Aufwand. Wir werden seitens der Registerverwaltung deshalb daran arbeiten, die Entwertung derart zu ertüchtigen, dass sie tauglich für ein Massenverfahren wird, welches die Kleinteiligkeit der Verwendungsgebiete abbildet", versichert das UBA. (hoe)

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Einen weiteren Bericht zum Thema Regionalstromtarife lesen Sie in der Februar-Ausgabe der ZfK, die am Mittwoch, 5. Februar, erschienen ist.

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