Angesichts der Dominanz globaler Internet-Konzerne mit ihren allgegenwärtigen Plattformen sollten kommunale Versorger beim digitalen Vertrieb auf ihre Präsenz, Kundennähe, Glaubwürdigkeit und Stärke vor Ort setzen, sagte VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche am Dienstag auf der VKU-Vertriebstagung 2019 in Würzburg.
Es gebe eine große Chance, dass sich Stadtwerke mit regionalen Plattformen behaupten, die nicht nur die klassischen Themen der Versorgung, sondern auch Bereiche wie Kultur und Sport umfassten. Einer breiteren Skalierbarkeit stehe in der Regel das Örtlichkeitsprinzip der Gemeindeordnungen entgegen.
Service-Plattform "KommunalDigital"
"Der Wandel vom Versorger zum Dienstleister wird sich weiter beschleunigen. Aber da müssen wir nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren", erklärte die VKU-Chefin. Stadtwerke hätten sich in ihrer langen Geschichte immer wieder verändert und neuen Herausforderungen angepasst.
Die VKU-Hauptgeschäftsführerin verwies auf den großen Erfolg der im vergangenen September gestarteten Service-Plattform "KommunalDigital", mit der den VKU-Mitgliedern der Kontakt zu Start-ups und Digitalisierungsexperten erleichtert wird. Auf der Plattform seien bereits rund 1.300 User aktiv, Tendenz stark steigend.
"Vertrauenswürdiger Umgang mit Daten"
"Die Plattform entwickelt sich rasant und und übertrifft unsere Erwartungen", erklärte Reiche. Dort vertreten seien nicht nur Start-ups, sondern auch viele Stadtwerke, die an unkonventionellen Geschäftsideen arbeiteten und stark auf Vernetzung setzen. Die Fähigkeit zu Innovationen sei keineswegs von der Größe der Unternehmen abhängig. "Die Frage ist, traue ich mir das zu und werde ich den Weg gehen", so die Verbandschefin.
In der Abgrenzung zur digitalen Wirtschaft von Amazon, Facebook & Co. stünden kommunale Unternehmen für einen "vertrauenswürdigen Umgang mit Daten". Dieser Trumpf müsse verstärkt ausgespielt werden.
Spielregeln für die Daten notwendig
Wichtig sei, dass in den Verhandlungen von EU-Kommission, Europäischem Parlament und EU-Ministerrat über die inhaltliche Neufassung der "Richtlinie zur Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors" (PSI-Richtlinie) verhindert worden sei, dass kommunale Versorger ihre Daten privaten Wettbewerbern kostenlos zur Verfügung stellen müssen. Die Einigung müsse allerdings noch in nationales Recht umgesetzt werden.
"Wir brauchen Spielregeln, die für die öffentlichen Unternehmen wie für die privaten Konzerne gleichermaßen gelten", betonte Reiche.
Die Kunden wollen es schnell und bequem
Der Kunde wolle heute schnell, bequem und ohne Medienbruch - am liebsten mit einem Rundum-Sorglos-Paket - versorgt werden, erklärte die VKU-Hauptgeschäftsführerin weiter. Hier hätten Internet-Giganten wie Amazon gängige Standards gesetzt. Bündelprodukte, die neben Strom und Gas etwa auch Internet- und Telefondienstleistungen umfassen, rückten immer stärker in den Fokus.
Auch wenn Vergleichsportale den Stadtwerken das Leben schwer machten, habe die jüngste Pleitewelle bei Energie-Discountern die wichtige Rolle der Grundversorger verdeutlicht. "Billig ist eben nicht immer verlässlich und schon gar nicht gut", so Reiche. Jüngste Studie zeigten zudem, dass die Hochzeiten des "Anbieter-Hoppings" vorbei seien und sich mehr Kunden wieder ihren Lokalversorgern zuwendeten. (hil)



