Der Essener Energiekonzern RWE will die zum 1. Oktober startende Gas-Umlage nicht in Anspruch nehmen. "RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen. Wir erwägen daher, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, unsere Verluste aus der Gasersatzbeschaffung für diese Umlage geltend zu machen. Wir würden diese dann, genauso wie die Verluste von 750 Millionen Euro infolge der Sanktionierung russischer Kohlelieferungen, selber tragen“, erklärte Konzernchef Markus Krebber anlässlich der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses am Donnerstag.
Zur genauen Höhe der Verluste wollte sich Krebber auf Nachfrage in der Telefonkonferenz mit Journalisten allerdings nicht äußern. Das werde davon abhängen, welche Gasmengen noch aus Russland kämen. Krebber betont aber an anderer Stelle seiner Rede, dass RWE von den russischen Gaskürzungen weniger betroffen sei. "Zwar erhalten wir ebenfalls geringere Liefermengen. Wir beziehen aber vergleichsweise wenig Gas aus Russland", sagte er. Für andere Unternehmen sei die Lage deutlich schwieriger.
Rechtliche und regulatorische Hürden bei Laufzeitverlängerung
Zu einer möglichen Laufzeitverlängerung der drei noch am Netz befindlichen Kernkraftwerke äußerte sich der RWE-Vorstandschef äußerst zurückhaltend. „Wir warten die Entscheidung, die politisch getroffen werden muss, einfach ab“, sagte Krebber. Die Kapazität der zur Verfügung stehenden Anlagen sei überschaubar. Darüber hinaus gebe es „rechtliche und regulatorische Hürden“, erklärte Krebber weiter. Zunächst müsse ohnehin das Ergebnis des zweiten Stresstests zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität abgewartet werden.
RWE ist Betreiber des planmäßig noch bis zum Jahresende Strom liefernden Kernkraftwerks Emsland (1.406 MW) in Lingen. Am Mittwoch hatte sich Eon gleichfalls zurückhaltend zur Frage eines Weiterbetriebs des KKW Isar 2 geäußert, jedoch Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Deutlich bessere Auslastung der Erzeugungskapazitäten
In seinen Kerngeschäften konnte RWE im ersten Halbjahr gute Ergebnisse verbuchen. So kletterte der bereinigte Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 80 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um rund 92 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro zu. Die Prognosen von Ende Juli wurde bestätigt. Demnach soll der bereinigte Nettogewinn im Gesamtjahr zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro betragen. Zudem wollen die Essener im laufenden Jahr mehr als fünf Milliarden Euro in den Ausbau des grünen Portfolios investieren. Dies seien 30 Prozent mehr als ursprünglich geplant.
Vorstandschef Krebber verwies auf eine deutlich bessere Auslastung der Erzeugungskapazitäten des Konzerns. So seien bei den Erneuerbaren die Wind- und Sonnenverhältnisse besser als im vergangenen Jahr gewesen. Zudem würden die Anlagen des Segments Wasser/Biomasse/Gas mehr gebraucht, weil in Europa „ungewöhnlich viel Kraftwerkskapazität nicht zur Verfügung“ stehe. Nach wie vor liefere auch der Energiehandel starke Ergebnisse.
Kohlekraftwerke kehren an den Markt zurück
Darüber hinaus würden zur Absicherung des Stromsektors für den Winter nach Entscheidungen der Politik in den Niederlanden und in Deutschland wieder Kohlekraftwerkskapazitäten an den Markt zurückgebracht. Und schließlich wirkten sich die höheren Marktpreise aus. „Diese gilt für die Stromproduktion, die nicht langfristig verkauft wird. Das kommt vor allem auch den Ergebnisbeiträgen der Erneuerbaren zugute“, so Krebber. (hil)

