RWE-Vorstandsvorsitzender Rolf Martin Schmitz bei der Präsentation der Neuaufstellung des Konzerns.

RWE-Vorstandsvorsitzender Rolf Martin Schmitz bei der Präsentation der Neuaufstellung des Konzerns.

Bild: © Marcel Kusch/dpa

Der Essener Energiekonzern RWE will als Produzent von grünem Strom künftig größer denken als bisher: "Wir wollen die Energiewende voranbringen. Dabei orientieren wir uns nicht an Landesgrenzen", sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz bei der Präsentation zur Neuaufstellung des Konzerns am Montag in Essen. Als internationales Unternehmen müsse sich RWE im globalen Wettbewerb behaupten.

In Deutschland sieht Schmitz derzeit nur geringe Investitionsmöglichkeiten beim Ökostrom. "Im Moment ist das Umfeld schwierig." Vor allem bei der Windkraft an Land dauere alles viel zu lange. "Das ist kein Geschäft in Deutschland für uns." Schmitz stellte das neue RWE-Konzept an historischer Stelle vor. Die Unternehmenszentrale der neuen RWE wird derzeit auf dem Gelände gebaut, auf dem das 1898 gegründete "Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk" sein erstes Kraftwerk errichtet hatte.

RWE bei Offshore-Wind weltweit auf Platz zwei

Deutschlands größter Braunkohleverstromer wird durch die Übernahme der erneuerbaren Energien des bisherigen Konkurrenten Eon und der Anlagen seiner zerschlagenen Tochter Innogy zu einem der international führenden Unternehmen beim Ökostrom - bei Strom aus Windkraftanlagen auf See rangiert RWE nach eigenen Angaben sogar weltweit auf Platz zwei.

Pro Jahr 1,5 Mrd. Euro für Erneuerbare

Die aktuelle Konzentration auf Projekte im Ausland wird auch an den Zahlen zur Erzeugungskapazität deutlich, die Schmitz präsentierte. Von den 9 GW, die derzeit am Netz sind, entfallen nur 1,5 GW auf Deutschland. Die großen in Bau befindlichen Wind- und Solarparks sind in den USA und Australien. Auch im asiatisch-pazifischen Raum will RWE aktiver werden. Pro Jahr sollen 1,5 Mrd. Euro in die Erneuerbaren investiert werden.

Geld für die Investitionen soll auch aus der Beteiligung von 16,7 Prozent am bisherigen Rivalen Eon kommen, wie Finanzchef Markus Krebber sagte. Den Aktionären, darunter sind zahlreiche Kommunen, stellte er eine langfristig leicht steigende Dividende in Aussicht.

Klimaneutral bis 2040

In Deutschland produziert RWE derzeit aber noch viel Strom aus der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Der Energiekonzern RWE will bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden. Neben Strom aus Wind und Sonne will der Energieriese künftig auf Biomasse und auf "grünes" Gas setzen.

Bei den gesetzlichen Regelungen für den Kohleausstieg fordert Schmitz mehr Tempo. "Mich befremdet es auch etwas, dass es länger braucht, es umzusetzen als es zu erfinden", sagte der RWE-Chef. "Das sollte vielleicht die Bundesregierung mehr beunruhigen als uns." Je eher man in den Ausstieg einsteige, desto früher gingen auch die Emissionen zurück. Deshalb sei der Gesetzgeber "stärker am Zug als wir".

RWE wird 3 GW bis 2022 abschalten

Gespräche über die Abschaltung von RWE-Braunkohlekraftwerken würden mit dem Bundeswirtschaftsministerium derzeit alle 14 Tage geführt. RWE werde die Hauptlast der 3 GW Braunkohlekapazitäten, die bis 2022 abgeschaltet werden sollen, tragen müssen, betonte Schmitz.

Der RWE-Chef hatte wiederholt Entschädigungen von bis zu 1,5 Mrd. Euro pro GW abgeschalteter Leistung und der daran hängenden Tagebaukapazitäten gefordert. Dennoch bezeichnet er den in der sogenannten Kohlekommission gefundenen Kompromiss des Kohleausstiegs 2038 für befriedigend, auch wenn er den Konzern hart treffe.

Der Wandel von RWE zum Ökostrom-Anbieter ist Folge eines weitreichenden Tauschgeschäfts mit Eon. Die beiden Energieriesen haben Innogy unter sich aufgeteilt. Eon übernimmt das Netz- und das Endkundengeschäft und reicht die eigenen Erneuerbaren und die von Innogy an RWE weiter. Die Wettbewerbshüter der EU hatten den Deal mit einem Gesamtwert von mehr als 40 Mrd. Euro vor kurzem genehmigt.

Börse belohnt die Entwicklung

An der Börse kommt die neue RWE bislang gut an. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast um die Hälfte zugelegt und gehört damit zu den Top Drei im Leitindex Dax. Damit schneidet RWE deutlich besser ab als Eon. Der Aktienkurs des bisherigen Konkurrenten, der durch den Deal mit RWE keine eigene Stromproduktion mehr hat, kommt seit Monaten nicht von der Stelle. (dpa/pm)

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