Der Dresdner Standort (Fab 1) des weltweit tätigen US-Halbleiterkonzern GlobalFoundries (GF) soll bis Ende 2027 vollständig energieautark und unabhängig vom öffentlichen Stromnetz sein. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren hierzu haben begonnen. Kooperationspartner ist der Kommunalversorger Sachsenenergie.
Dieser plant am größten GF-Werk in Europa mit rund 3200 Mitarbeiter:innen eine neue Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage mit Erdgas als Primärenergieträger und übernimmt im Rahmen des mehrjährigen Projekts auch Planung und Betriebsführung. Das neue Energieversorgungszentrum (EVC) ermöglicht auch die Nutzung alternativer Energieträger wie Wasserstoff.
Jährlicher Strombedarf des Standorts entspricht dem von 125.000 Haushalten
Der Energiebedarf von GF Fab in Dresden liegt aufs Jahr gesehen bei rund einer Terawattstunde. Allein der Stromverbrauch entspricht in etwa 500 Gigawattstunden. Zum Vergleich: Das entspricht dem Strombedarf von ca. 125.000 Haushalten in Deutschland, weitere 500 GWh entfallen auf Heizung und Kühlung.
Die Modernisierung soll die Treibhausgase um mindestens 100.000 Tonnen pro Jahr reduzieren, den Wasserverbrauch und die Abwassereinleitung um 80 Prozent.
Zu der deutlichen Energieeinsparung trägt auch die nahezu 100-prozentige Nutzung von Abwärme der Erdgasmotoren durch Umwandlung in Heiz- und Kühlenergie und ergänzend mit Hilfe des Organic Rankine Cycle (ORC) Verfahrens bei, heißt es in einer Pressemitteilung.
Großer Eisspeicher wird weiter ausgebaut
Die Chips werden in hochkomplexen Prozessen in einem partikelfreien Reinraum auf Halbleiterwafern hergestellt. Dazu werden vollklimatisierte Räume benötigt, da schon minimale Schwankungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur die Produktion beeinträchtigen.
Zur Unterstützung der Kühlung der in der Produktion anfallenden Abwärme nutzt GF einen großen Eisspeicher. Er dient zur Abdeckung von Lastspitzen und zur Speicherung von Energie. Im Zuge der Modernisierung wird er weiter ausgebaut.
Deutliche CO2- und Kostenreduktion angestrebt
Nach Fertigstellung soll das EVC laut Angaben des Unternehmens eines der modernsten seiner Art in Europa sein. Ziel des mehrjährigen Großprojekts ist es, Kosten und Umweltauswirkungen zu reduzieren und gleichzeitig die betriebliche Ausfallsicherheit des Fab 1 zu verbessern.
Nach Abschluss des Vorhabens soll EVC 30 Prozent weniger Erdgas als der derzeitige Betrieb benötigen. Dadurch sollen Treibhausgasemissionen um etwa 25 Prozent verringert werden. Im Laufe eines Jahres soll das EVC dann einen durchschnittlichen Gesamtwirkungsgrad von über 90 Prozent erreichen.
"Eines der wichtigsten Projekte für GlobalFoundries Dresden"
Um eine 100-prozentige Ausfallsicherheit zu erreichen sind die Systeme modular und redundant aufgebaut. Außerdem wird das Rückkühlsystem für die neue Stromversorgung auf ein geschlossenes System umgestellt. Dies reduziert die benötigte Wassermenge und ermöglicht eine deutliche Verringerung des Abwassers aus dem EVC.
„Im Zuge der Kapazitätserweiterung von Fab 1 ist die Modernisierung unserer Energieversorgung eines der wichtigsten Projekte für GF Dresden“, sagt Manfred Horstmann, Vice President und General Manager von GlobalFoundries Dresden.
„Mit der Modernisierung und dem weiteren Ausbau machen wir gemeinsam den Halbleiterstandort Dresden zukunftsfähig, grüner, und Stärken die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes im Herzen Sachsens“, ergänzt Frank Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Sachsenenergie. Die beiden Unternehmen sind langjährige Kooperationspartner. (hoe)

