"Die urbane Wärmewende ist herausfordernd", sagt Olaf Schneider. "Unsere Lösung ist deshalb die Energie-Initiative Halle (Saale)." Es ist eine Kooperation von 26 Partnern aus Wohnungswirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Industrie, der Stadt Halle und dem örtlichen Energieversorgungsunternehmen. Diese haben sich zusammengeschlossen und ein Modell entwickelt, um gemeinsam die örtliche Wärme- und die Stromversorgung CO2-neutral zu gestalten.
KWK-Anlagen mit 240 MW
Die Energie-Initiative setzt dabei auch auf den Fernwärmeausbau. Als wichtig gelten hierfür die modernen Gas- und Dampfturbinenanlagen: "Wir haben uns dazu verpflichtet, unsere Anlagen schnellst möglichst zu modernisieren, um noch effizienter und kostengünstiger zu sein", so Schneider. Damit sind die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen im Energiepark Dieselstraße und Halle-Trotha mit einer elektrischen Leistung von insgesamt ca. 240 MW gemeint.
Nach der Modernisierung erfüllen die Anlagen höchste Flexibilitätsanforderungen. "Wir können heute innerhalb von sieben Minuten unsere Leistung hoch- und runterregeln. Das ermöglicht es uns, schnell auf den Markt reagieren zu können." In Kombination mit dem 50.000-Kubikliter Wärmespeicher ist die Wärmeversorgung von ca. 80.000 Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen, Institutionen und Unternehmen gesichert.
Rechtlicher Änderungsbedarf beim BEW
Indes freut sich der EVH-Chef über die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW). Sieht wiederum in diesem Überarbeitungsbedarf. Die Zuschüsse gehe zwar in die Richtung, weil Quartierkonzepte gefördert würden. Die Umsetzung zeige einen "eklatanten" Schwachpunkt. "So ist die Fördersumme bei maximal 15 Mio. Euro gedeckelt.
"Dieser Förderdeckel dürfte bei den Kosten für die Dekarbonisierungsmaßnahmen in Halle auch dann erreicht werden, wenn es sich um eine Deckelung je Projekt handelt", sagt Schneider. Das müsse drüber nachgedacht werden, dies anzupacken. Des Weiteren müsse die Sektorkopplung "endlich angereizt" werden. Die Möglichkeit, überschüssigen Strom sinnvoll in Wärme umzuwandeln, würde weiterhin verhindert: "Denn wir müssten darauf komplette Netzentgelte und EEG-Umlage zahlen".
In der Einführung der CO2-Bepreisung durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) sieht er hingegen nun eine Gleichbehandlung kleiner und großer Anlagen, da die Fernwärmeerzeugung in großen Anlagen – wie in Halle – schon länger dem TEHG unterlag. Wie mit den gesamten Kosten der Energiewende gilt aber auch hier, so Schneider: "Leider trifft es am Ende immer unsere Kunden."
Bürgerbeteiligung: Zweite Tranche läuft
Das Konzept der Energie-Initiative setzt ebenso auf Bürgerbeteiligung, um damit gleichzeitig die Akzeptanz für die Energiewende zu schaffen und der Nachfrage nachzukommen. Denn immer mehr Mieter kommen auf die Wohnungsunternehmen zu, die sich gerne im Bereich regenerativer Erzeugungsanlagen engagieren möchten.
"Deshalb versuchen wir diese einzubinden“, ergänzt Schneider. Mit der ersten Tranche der Bürgerbeteiligung haben die Kunden der EVH ca. 3 Mio. Euro in die Photovoltaikanlagen investiert. Die jetzige zweite läuft noch und liegt bereits nach den ersten Wochen bei einer Investitionssumme von mehr als 2 Mio. Euro. (gun)
