Die Stadt- und Gemeindewerke Leck, Niebüll und Bredstedt fusionierten zu den Stadtwerken Nordfriesland. Deren Geschäftsführer Jan Schulz zieht im ZfK-Interview eine Zwischenbilanz.

Die Stadt- und Gemeindewerke Leck, Niebüll und Bredstedt fusionierten zu den Stadtwerken Nordfriesland. Deren Geschäftsführer Jan Schulz zieht im ZfK-Interview eine Zwischenbilanz.

Bild: © Stadtwerke Nordfriesland

Herr Schulz, wie wird die Zusammenarbeit bisher bewertet?

Sehr gut! Die Fusion wurde erfolgreich umgesetzt. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass wir bis Ende 2020 mit Nacharbeiten beschäftigt sind. Insbesondere bei der Zusammenführung der Finanzbuchhaltung oder im Bereich der Marktkommunikation sind wir davon ausgegangen, dass wir nachjustieren müssten. Tatsächlich arbeiten wir jedoch seit Mai 2020 weitgehend reibungsfrei und konnten bereits erste Synergien heben.

Welche Synergien die Stadtwerke Nordfriesland gehoben haben und welche Hinweise sie anderen Stadtwerken bei Fusionen mitgeben, kann in derZfK-Oktoberausgabe auf Seite 27nachgelesen werden. Sie ist ab dem 12. Oktober erhältlich.

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit es weiterhin sehr gut funktioniert?

Klarheit und damit einhergehend Planungssicherheit. In unserer Region ist es sehr wichtig, zu wissen, wie wir mit den auslaufenden EEG-Anlagen umgehen können. Ein klarer gesetzlicher Rahmen würde uns ermöglichen, daraus nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Derzeit fehlt es jedoch leider an diesem klaren Rahmen. Aber nicht nur hier benötigen wir Planungssicherheit.

Auch bei der Anreizregulierung ist es erforderlich, dass wir vorausschauend investieren können. Um die Energiewende zu stemmen, benötigt es Investitionen in die Netze. Diese Investitionen würden wir auch durchaus tätigen, jedoch macht uns die derzeitige Anreizregulierung mit der sinkenden Eigenkapitalverzinsung einen Strich durch die Rechnung. Es wird dadurch künftig schwieriger, mit den Netzen Geld zu verdienen. Sollte sich in diesem Bereich kurzfristig nichts ändern, droht ein wichtiges Standbein für die Kommunalwirtschaft wegzubrechen.

Bezüglich der Planungssicherheit: Wie wirkt sich Corona bei Ihnen aus und was sind die Lehren?

Wir haben viel gelernt! Unsere Planung sah vor, den Vertriebserfolg aus 2019 zu übertreffen. Corona hat aber gezeigt, dass das Vertriebsmodell auf Basis persönlicher Nähe fragil ist. Künftig müssen wir zusätzlich eine digitalere Kundenansprache nutzen, um unsere Vertriebsziele zu erreichen.

Im Bereich der Arbeitsorganisation haben wir direkt im März auf Homeoffice gesetzt – ich bin nach wie vor überrascht, wie gut das funktioniert. Da werden wir sicherlich einiges für die Zukunft mitnehmen. In den Bereichen, in denen keine persönliche Anwesenheit erforderlich ist, könnte es sogar Standard werden. Jedoch merken wir auch, dass der persönliche Austausch zwischen den Mitarbeitern weiterhin sehr beliebt ist.

Wie hat ihr Erlebnisbad Leck Corona bisher überstanden?

Ein wirtschaftlicher Badbetrieb ist im Erlebnisbad fast unmöglich. Das ist leider auch in Nordfriesland so. Corona hat die Lage nochmal verschärft. Zwar konnten durch unterschiedliche Maßnahmen, beispielsweise Kurzarbeit, die Kosten reduziert werden. Diese heben den Erlöseinbruch aber nicht auf. Die Öffnung unter den Voraussetzungen der Hygienekonzepte fordert normalen Personal- und Energieeinsatz und das bei reduzierter Besucherzahl. Die wirtschaftlichen Folgen sind evident.

Die Fragen stellte Adrian Gun.

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