Die Wärmeversorgung in Schwäbisch Hall wird über vier Blockheizkraftwerke sichergestellt, die in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. Das Bild zeigt den Motor des Heizkraftwerks Teurershof.

Die Wärmeversorgung in Schwäbisch Hall wird über vier Blockheizkraftwerke sichergestellt, die in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. Das Bild zeigt den Motor des Heizkraftwerks Teurershof.

Bild: © Stadtwerke Schwäbisch Hall

Aufgrund der rekordhohen Energiepreise arbeiten die Stadtwerke Schwäbisch Hall seit geraumer Zeit an einer Exitstrategie aus fossilen Energien. Im Fokus steht dabei der Wärmebereich. „Bisher hat die Energiewende in Zeitlupe stattgefunden, künftig wird sie im Zeitraffer ablaufen“, sagt Geschäftsführer Ronald Pfitzer mit Blick auf das Osterpaket und die Ausbauambitionen der Ampelkoalition in Berlin.

Über das grundsätzliche Ziel sei man sei man sich in Schwäbisch Hall einig, nun gehe es um die konkrete Umsetzung. Es werde sich um eine sehr individuelle, auf die lokalen Gegebenheiten "bestmöglich angepasste Lösung" handeln.

„Biomasse, insbesondere Holzhackschnitzel, werden dabei eine zentrale Rolle spielen, ebenso PV und auch Solarthermie, die wir noch stärker einbinden wollen als in der Vergangenheit“, so Pfitzer weiter. Gleichzeitig führe der Weg aus den fossilen Verbrennung auch sehr stark über die Elektrifizierung, deshalb spielten auch Batteriespeicher und Wärmepumpen in der Strategie eine wichtige Rolle.

Mittelfristige ist auch Wasserstoff in der Wärmeerzeugung ein Thema

„Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, auch jenseits der Kraft-Wärme-Kopplung, wird künftig eine große Rolle spielen“. Ein mittelfristiges Thema sei auch die Nutzung von Wasserstoff in den eigenen Blockheizkraftwerken zur Erzeugung von Wärme.

Die Wärmeversorgung in Schwäbisch Hall wird über vier Kraftwerksstandorte gesichert, die großen BHKW laufen dabei auf Gasbasis, die kleineren Motoren mit einer Mischung aus bilanziellem Biomethan und fossilem Erdgas. “Wir sind froh, dass wir im Bereich der lokalen Wärme über die Kraft-Wärme-Kopplung sehr gut aufgestellt sind“, versichert Pfitzer. Perspektivisch sei eine ganzheitliche Umstellung auf Biomethan, Biogas und auch Wasserstoff geplant.

„Das muss eine Gesamtbetrachtung sein. Es geht um ein engeres Zusammenwirken der Sektoren Wärme und Strom, also Batterie- und Wärmespeicher, PV und Solarthermie. Wir betrachten das genau und schauen, wo wir was optimal einsetzen können.“ Das werde eine sehr individuelle, auf Schwäbisch Hall zugeschnittene Lösung werden. Einen zeitlichen Rahmen gebe es noch nicht, dieser hänge von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

Crowdfunding und Beteiligung über Nachrangdarlehen geplant

Außerdem will der Kommunalversorger aus dem baden-württembergischen Hohenlohe in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Bau neuer Wind- und Solarparks in der Region investieren. „Hier wollen wir auch andere Projektpartner und Energiegenossenschaften einbinden“. Das erforderliche Eigenkapital zur Finanzierung soll auch über Crowdfunding und Bürgerbeteiligungen über Nachrangdarlehen erbracht werden und dies bereits in den nächsten Monaten. In welchem Umfang steht noch nicht fest.

Nach einem Verlust im Geschäftsjahr 2021 sieht der Wirtschaftsplan in diesem Jahr eine schwarze Null vor. Im vergangenen Jahr hatte man aufgrund der Preissystematik die höheren Energiebeschaffungskosten im Fernwärmebereich nicht an die Kunden weitergeben können. Voraussetzung für ein ausgeglichenes Ergebnis wäre, dass die Mehrkosten ab ersten Oktober dieses Jahres weitergegeben werden können.

Durststrecke bei den Energiemarktdienstleistungen dauert an

Auch im wichtigen Geschäftsfeld der Energiemarktdienstleistungen, hier geht es vor allem um die Marke Sherpa-X, worunter auch die Produkte der Somentec Software GmbH zählen, waren die Erlöse im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Grund sind Insolvenzen und Kundenkündigungen von Dienstleistungsnehmern.

Viele freie Energieanbieter und auch Energiediscounter greifen auf Dienstleistungen der Schwäbisch Haller Stadtwerke zurück. Dazu zählen der Lieferantenwechsel, die Abrechnung und das Forderungsmanagement. Weil diese die Neukundengewinnung und die Beschaffung mit Blick auf die aktuelle Situation am Energiemarkt angepasst haben, gibt es in Summe massiv weniger Kundenwechsel und weniger Bedarf an Dienstleistungen der Stadtwerke Schwäbisch Hall.

„In diesem Bereich tut sich zurzeit nicht viel, es gibt aufgrund der Preissituation kaum neue Anbieter im Markt und die bestehenden Anbieter nehmen derzeit kaum Kunden die Belieferung. Die Durststrecke dauert hier aktuell an“.

Somentec-Cloudprodukt als neuer Hoffnungsträger

Dienstleistungen, wie Abrechnung und Forderungsmanagement, würden derzeit eher von solchen klassischen Energieversorgern und auch aus der Netzwirtschaft gefragt, die aktuell unter dem Fachkräftemangel leiden.

Ein neuer Hoffnungsträger in diesem Bereich ist ein Cloudprodukt der IT-Tochter Somentec für den Abrechnungsbereich, das eine völlig neues Bedienkonzept aus der Cloud bietet. Die Energiemarkt-Dienstleistungen bleiben für den Kommunalversorger neben den Erneuerbaren und Quartierskonzepten ein wichtiges Wachstumsfeld. „Wir können aber nicht nur durch neue Geschäftsfelder Umsatz und Gewinn steigern, wichtig sind auch die Digitalisierung und Automatisierung sowie Prozessverbesserungen.“ (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper