Die Zahl großer Energieversorger, die milliardenschwere Staatskredite, wird größer. Am Dienstag gab der Schweizer Konzern Axpo bekannt, eine Kreditlinie von bis zu vier Milliarden Franken (4,1 Mrd. Euro) von Bern erhalten zu haben. Axpo sei für die Schweiz ein systemkritisches Stromunternehmen, teilte die Regierung mit.
Das Unternehmen selbst begründete seinen Antrag damit, dass die Großhandelspreise an den Strombörsen sich im Vergleich zum September 2021 verzehnfacht und die Preisschwankungen in den letzten Tagen Rekorde erreicht hätten. Axpo ist der erste Energieversorger, der den Rettungsschirm beansprucht. Den Kreditrahmen will er aber noch nicht aktivieren.
Fortum: 2,4 Mrd. Euro als Back-up
Am Dienstag meldete auch der finnische Energiekonzern Fortum, sich mit seinem Hauptgesellschafter, dem finnischen Staat, auf eine Überbrückungsfinanzierung verständigt zu haben. Hier soll es um eine Summe von 2,4 Mrd. Euro gehen.
Damit solle der Zugang zu ausreichenden Finanzmitteln sichergestellt werden, sollten die Strompreise und damit der Bedarf an Sicherheiten auf dem nordischen Rohstoffmarkt weiter deutlich steigen, teilte der Energieversorger mit.
Uniper-Kredite in Höhe von 13 Mrd. Euro
Derzeit verfüge Fortum über ausreichende liquide Mittel, um den Bedarf an Sicherheiten zu decken, hieß es weiter. Die Überbrückungsfinanzierung werde nun eingerichtet, stelle aber nur einen letzten Ausweg dar. Die Vereinbarung könne nicht genutzt werden, um den Sicherheitsbedarf der deutschen Fortum-Tochter Uniper zu decken, betonte das Unternehmen.
Fortum hält die meisten Anteile am deutschen Gasimporteur Uniper, der durch den Ausfall russischer Gaslieferungen so in Schieflage geraten ist, dass er derzeit mit mehreren Krediten der Förderbank KfW gestützt wird. Das Volumen wurde mittlerweile auf 13 Mrd. Euro aufgestockt. Zudem plant die Bundesregierung, beim Versorger als Gesellschafter einzusteigen.
Wien Energie mit 2 Mrd. Euro
Ende August war Wien Energie, der größte Regionalversorger Österreichs, in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen die dortige Bundesregierung um kurzfristige Milliardenhilfen bat.
Als Grund nannten die Verantwortlichen enorm gestiegene Sicherheitshinterlegungen wegen Börsengeschäften. Am Ende wurden dem Konzern ein Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro zugebilligt.
Auch Leipzig mit Finanzspritze
Um deutlich weniger Geld ging es bei den Leipziger Stadtwerken. Der städtische Eigentümer stelle kurzfristig ein Gesellschaftsdarlehen von bis zu 150 Mio. Euro zur Verfügung, hieß es vergangene Woche in einer Presseaussendung.
"Das gibt den Leipziger Stadtwerken die Möglichkeit, auch bei weiterhin starken Börsenpreisbewegungen eine verlässliche Energiebeschaffung und Energieversorgung zu sichern", teilte das Rathaus mit. (aba/dpa)



