Immense Nachbeschaffungskosten und hohe Verluste, ungeklärte Eigentümerverhältnisse und mögliche Verstaatlichung: Zu beneiden ist Egbert Laege, Chef von Sefe, dem zweitgrößten Gasimporteur Deutschlands, zurzeit wohl kaum.
"Ich bin im Sturm gerufen worden", sagte er auf der Handelsblatt-Jahrestagung Gas. "Daraus ist ein Orkan geworden."
Das Problem des Eigentümers
Noch vor wenigen Monaten hieß Sefe Gazprom Germania und galt als verlängerter Arm des russischen Energieriesen Gazprom in Deutschland. Als dieser seine deutsche Tochter Ende März abstoßen wollte, intervenierte die Bundesregierung und stellte die Gruppe unter Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur. Kurz darauf kam Laege, zuerst als Generalbevollmächtiger. Inzwischen ist er auch Geschäftsführer.
"Wir sind jetzt dabei, unser Unternehmen für die Zukunft stabil aufzustellen", sagte Laege. Eines der größten Probleme dabei: die Eigentümerstruktur. Denn formal dürfte das Unternehmen noch immer dem Gazprom-Konzern gehören. Oder doch jenen zwei russischen Unternehmen, die Ende März als Käufer bereitgestanden haben sollen?
KfW-Kredite und Gasumlage
Das Unternehmen werde über Direktiven der Bundesnetzagentur gesteuert, stellte der Manager klar. Aber ja, formal habe Sefe noch immer einen "russischen Eigentümer". Seine Botschaft: "[Klare Eigentümerverhältnisse sind] sicherlich ein wichtiger Schritt, um die volle Marktfähigkeit zu haben."
Derzeit halten Kredite der staatlichen Förderbank KfW sowie die Aussicht auf Geld aus der umstrittenen Gasbeschaffungsumlage Sefe über Wasser. Aus seiner Sicht seien beide Instrumente zielführend, sagte Laege.
Börse statt Russengas
Mit den jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln, sprich ohne Gasbeschaffungsumlage und weitere KfW-Krediten, könne sein Unternehmen die anfallenden Nachbeschaffungskosten für ausfallendes russisches Gas "nicht vollständig stemmen". Gazprom hatte seine Lieferbeziehungen zu Sefe im Zuge russischer Sanktionen gegen das Unternehmen abrupt abgebrochen.
Einblick gab Laege auch in die Sefe-Beschaffungsstrategie. Die ausbleibenden Mengen aus Russland habe das Unternehmen "im Wesentlichen" über Börsengeschäfte kompensiert, erklärte er. Das Problem hierbei: Sefe musste nicht nur zu deutlich gestiegenen Preisen Gas beschaffen, sondern auch bei Termingeschäften enorme Summen als Sicherheiten hinterlegen.
Diversifizierte Beschaffungsstruktur
Perspektivisch wolle Sefe eine "diversifizierte Struktur" zwischen europäischem Pipelinegas und Flüssigerdgas von verschiedenen Anbietern aus Übersee haben, sagte Laege. Was Langfristverträge mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahre mit Flüssigerdgasproduzenten betreffe, sei Sefe bereit und auch bereits in Verhandlungen, führte der Manager aus.
Abgeschlossen hat Laege dagegen mit Russland. Er halte es für "unrealistisch", dass Sefe noch einmal Gas aus Russland beziehen werde, schloss er. (aba)



