Nach der Ankündigung, die Kraftwerksparte an die Börse bringen zu wollen, hat Siemens solide Quartalszahlen präsentiert. Der Umsatz des Technologiekonzerns legte im zweiten Quartal um vier Prozent auf knapp 21 Mrd. Euro zu, die Auftragslage zog weiter an und stieg um rund sechs Prozent auf 23,6 Mrd. Euro, wie Siemens am Mittwoch in München mitteilte.
Das operative Ergebnis lag mit rund 2,4 Mrd. Euro um sieben Prozent über dem Vorjahresquartal. Trotz solidem Ergebnis soll der Konzern flexibler und schlanker werden. Dazu gehört auch die Abspaltung von "Gas und Power" und damit inbegriffen die Auslagerung der schwächelnden Kraftwerkssparte.
Fossile und Erneuerbare unter einem Dach
Siemens will die Sparte in ein neu zu gründendes Energieunternehmen auslagern. Dorthin sollen bis 2020 rund ein Drittel des derzeitigen Gesamtumsatzes und rund 80.000 Beschäftigte übertragen werden. Das neue Unternehmen soll auch die 59 Prozent Anteile an Siemens Gamesa übernehmen, die der Konzern bislang selbst gehalten hatte. Siemens bündelt also das Geschäft mit konventionellen sowie erneuerbaren Energien, für das Gamesa zuständig ist, unter einem Dach.
Damit treibt Siemens seine Ausrichtung auf digitale Technologien voran. Unter dem Titel "Vision 2020+" hatte Kaeser diesen Prozess im August vergangenen Jahres eingeleitet. Der Konzern stellte seine Struktur um. Seit April besteht sein Kern aus drei operativen Einheiten: Gas und Power, smarte Infrastrukturen und digitale Industrien. Mit der Abspaltung reduziert sich dieser Kern auf die zwei letzteren Einheiten.
Jetzt liegt es am Irak und an Brasilien
Überkapazitäten an Gasturbinen und der Trend hin zu alternativen Energieträgern machten es der Kraftwerksparte zuletzt vor allem in Europa schwer. Doch die Nachfrage in anderen Teilen der Welt ist weiter hoch: Derzeit ringt die Sparte um milliardenschwere Großaufträge für das Stromnetz im Irak. In Brasilien konnte sich Siemens einen Auftrag in einem Flüssiggasprojekt sichern, und in China hilft Siemens der Konkurrenz, eigene Gasturbinen zu entwickeln, um sich darüber einen Zugang zum riesigen Markt in Fernost zu erschließen.
Geld hat die Branche im jüngst abgelaufenen Quartal vor allem mit langfristigen Service-Aufträgen verdient. Mit Öl, Gas und erneuerbaren Energien, künftig unter einem Dach, will Kaeser Optionen für Investoren schaffen und sich auf die unterschiedlichen Nachfragen aus allen Teilen der Welt einstellen. Doch die Umsätze waren auch im zweiten Quartal weiter rückläufig.
Einsparziele verdoppelt
Was die fundamentale Umstrukturierung für die Beschäftigten bedeutet, bleibt offen. Im Herbst vergangenen Jahres einigte sich der Konzern mit der Arbeitnehmerseite auf den Abbau Tausender Stellen in der Kraftwerkssparte und die Neuaufstellung der deutschen Standorte. Diese Vereinbarung habe auch mit der Ausgliederung Bestand, betonte Kaeser. Wo jedoch das neue Unternehmen seinen operativen Sitz habe, sei noch unklar.
Betroffen von den Veränderungen seien bundesweit fast 20 Standorte mit zusammen deutlich über 20.000 Beschäftigten, teilte die IG Metall nach der Ankündigung mit. "Quantitativ betroffen sind in Deutschland primär Berlin, Duisburg, Erfurt, Erlangen, Görlitz, Mülheim, Nürnberg und Offenbach." Bekannt ist, dass das neue Unternehmen mehr sparen soll als bislang geplant. So verdoppelte Siemens das Einsparziel auf eine Milliarde Euro bis 2023.
Tausende Stellen sollen abgebaut werden
Konzernweit will Kaeser bis 2023 rund 10.400 Stellen abbauen. Es sei zu früh, um zu sagen, welche Regionen dieser Abbau besonders betrifft, hieß es von Siemens. (dpa/ls)
