Solarworld hatte auch auf dem Gelände des Vatikans eine Photovoltaik-Anlage installiert.

Solarworld hatte auch auf dem Gelände des Vatikans eine Photovoltaik-Anlage installiert.

Bild: © Solarworld

Bei Deutschlands letztem großen Solarzellen-Hersteller Solarworld könnten spätestens am 30. September endgültig die Lichter ausgehen. Wenn sich bis dahin nicht doch noch ein Investor findet, will Insolvenzverwalter Christoph Niering den Geschäftsbetrieb einstellen. Die Gläubigerversammlung habe diesen Entschluss Nierings bestätigt, teilte Solarworld am Donnerstag (12. Juli) in Bonn mit. Der Insolvenzverwalter sehe keine Perspektive, die Solarworld Industries GmbH in ihrer bisherigen unternehmerischen Ausrichtung zu erhalten. Das Unternehmen beschäftigt den Angaben zufolge in Arnstadt (Thüringen), Freiberg (Sachsen) und Bonn (Nordrhein-Westfalen) rund 500 Mitarbeiter.

Solarworld Industries war im vergangenen Jahr aus der Insolvenz der Solarworld AG hervorgegangen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch gut 3000 Menschen in dem Unternehmen, das einst als Vorzeigebetrieb der deutschen Energiewende galt. Solarworld leidet unter anderem unter extrem niedrigen Preisen der chinesischen Konkurrenz für Solarmodule. Solarworld Industries hatte im März einen Insolvenzantrag gestellt.

Interessenausgleich und Sozialplan

Mit den Betriebsräten habe Niering einen Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt. Die Mitarbeiter könnten zum 1. August in zwei Transfergesellschaften wechseln. Sie würden weiter qualifiziert und erhielten dann für sechs Monate eine finanzielle Unterstützung deutlich oberhalb des Arbeitslosengeldes.

Der Betriebsrat in Arnstadt und die IG Metall haben allerdings gefordert, den Interessenausgleich nachzuverhandeln. «Wir wissen, dass es keine Totalschließungen der drei Standorte geben wird, sondern dass in Freiberg (Sachsen) die Produktion weiter laufen, das Werk möglicherweise sogar verkauft werden soll», hatte Kirsten Joachim Breuer von der IG Metall Erfurt am Mittwoch gesagt.

Niering kritisiert mangelnde Unterstützung seitens der Bundesregierung

Niering kritisierte laut Mitteilung die Bundesregierung. Sie habe «allem Anschein nach die Forschung, Entwicklung und Produktion von Solarzellen in Deutschland aufgegeben». Anders könne er sich die fehlende politische Reaktion auf die Insolvenz der letzten großen deutschen Entwicklers und Herstellers von Solarzellen nicht erklären. (dpa/al)

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