Die Stadt Essen hält über die kommunale Beteiligungsfirma KSBG 15 Prozent an der Steag. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Ruhrgebietsmetropole sucht schnellstmöglich einen Käufer für ihre Anteile an der KSBG. Falls kein kommunales Unternehmen "anbeißt", also vor allem keines der ebenfalls bei der KSBG investierten Stadtwerke, soll auf dem freien Markt ein Investor gesucht werden. Die Steag kommentiert die Verkaufsabsichten nicht. Offensichtlich sei aber, so ein Unternehmenssprecher, dass die KSBG nach Investoren suche.
Neu ist das nicht. Im Jahre 2011 beteiligte sich ein Stadtwerke-Konsortium aus dem Ruhrgebiet über die KSBG mit 51 Prozent an der Steag und sicherte sich damit dort die Mehrheit. Damit ist man nun nicht mehr glücklich. "Aufgrund der bekannten massiven Änderungen im energiewirtschaftlichen Umfeld wird die Steag zukünftig hohe Investitionen überwiegend im internationalen Umfeld tätigen müssen, um ihr Geschäftsmodell nachhaltig zu transformieren", zitiert die "NRZ" aus Essen die Ratsvorlage.
Strategie von Anfang an umstritten
Seit Jahrzehnten engagiert sich die Steag international. Die "NRZ" beschreibt: "Dann ist von Kraftwerken in der Türkei und auf den Philippinen die Rede, von Aktivitäten in Kolumbien, einem Fernwärme-Projekt in Polen und der großen Hoffnung, den vulkanischen Untergrund Indonesiens per Geothermie anzuzapfen." Das war auch 2011 schon bekannt, doch nun wird den Stadtvätern die Sache offenbar etwas zu heiß, wie die Ratsvorlage ahnen läßt: "Die Kommunen beziehungsweise deren Stadtwerke sind aufgrund fehlender internationaler Erfahrung, begrenzter Finanzkraft und eigener regionaler Fokussierung für diesen Prozess nur begrenzt der richtige Partner."
2014 suchten dann die Ruhrgebiets-Stadtwerke – allen voran die aus Dortmund, Duisburg, Bochum und Essen – einen Investor für die restlichen 49 Prozent an der Steag, aber es fand sich kein Geldgeber. Also erhöhten die Städte – vertreten durch die KSBG – ihre Kreditlinien und erwarben den Rest der Steag. Nun steht eine Umschuldung an, und die Essener befürchten möglicherweise, dass ihnen ihr Engagement bei der Steag über den Kopf wachsen könnte.
Einen Irrweg beenden?
Noch im März soll der Verkauf der Steag-Anteile beschlossene Sache sein. Die Millionen, die die Essener Ratsherren möglicherweise ebenfalls freigeben, sind nur die Morgengabe: Eine Tochter, die um jeden Preis in ein anderes Haus verheiratet werden soll, muss finanziell abgesichert sein. Dass es sich um eine ungeliebte Tochter handelt, wie deutlich verlautete, dürfte den möglichen Kaufpreis zusätzlich negativ beeinflussen. Die "NRZ" schrieb von der Einsicht der Essener, "sich verlaufen zu haben" – wohl zurecht. (sig)
