Die Coronapandemie hat im vergangenen Jahr deutliche Spuren in der Bilanz der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH und ihrer Tochtergesellschaften hinterlassen. Der Konzernverlust stieg auf 7,3 Mio. Euro (2019: 4,4 Mio. Euro). Die Umsatzerlöse der SG-Gruppe gingen auf 61,6 Mio. Euro (2019: 66,2 Mio. Euro) zurück, heißt es in einer Pressemitteilung.
Für das laufende Geschäftsjahr 2021 erwartet das Unternehmen sogar ein noch höheres Defizit zwischen 8 und 9 Mio. Euro. So werden unter anderem Erlösrückgänge im Bereich Netzentgelte sowie weiterhin hohe Verluste in den Bereichen Zoo, Sportstätten und Bäder sowie Veranstaltungsmanagement und Unterhaltung erwartet. Gleichzeitig stehen größere Investitionen an, um das Kerngeschäft weiter zu sichern.
"Kürzung des Leistungsangebotes oder regelmäßige städtische Finanzhilfe unumgänglich"
„Die Verluste sind nur zu einem kleinen Teil coronabedingt, größtenteils handelt es sich um ein strukturelles Defizit“, stellte der erst im April dieses Jahres neu installierte Geschäftsführer Harald Förster klar. Man müsse innerhalb des Konzerns erhebliche strukturelle Änderungen vornehmen, um die SG-Gruppe wirtschaftlich und finanziell wieder zu stabilisieren.
Die sich ändernden energiepolitischen Rahmenbedingungen und die eigenen Kostenstrukturen sowie eine zu geringe Kapitalausstattung machten dem Unternehmen zu schaffen. „Hierzu führen wir intensive Gespräche mit der Gesellschafterin. Neben einer kritischen Überprüfung unserer eigenen Struktur wird jedoch die Reduzierung des aktuellen Leistungsangebotes oder regelmäßige städtische Finanzhilfe unumgänglich sein“, kündigte Förster an.
Im Zentrum der künftigen Strategieentwicklung steht laut Pressemitteilung der Aufbau einer tragfähigen Finanzierung gemeinsam mit der Alleingesellschafterin, der Stadt Gelsenkirchen. „Für die Umsetzung des Restrukturierungskurses benötigen wir die Unterstützung der Stadt. Schließlich profitieren letztendlich alle Seiten davon, wenn die SG-Gruppe handlungsfähig bleibt und ihren Beitrag für den Standort Gelsenkirchen auch in Zukunft leisten kann. Und das wird sie, davon bin ich überzeugt“, so Förster.
Erlöse aus Netzverpachtung als Haupteinnahmequelle
Rein von den Geschäftsfeldern her sind die Stadtwerke Gelsenkirchen ein Sonderfall. Die Strom- und Gasnetze der Ruhrgebietsstadt gehören ihr zwar, sind aber seit 1999 an die Emscher Lippe Energie verpachtet. Haupteinnahmequelle der SG-Gruppe sind die Pachterlöse aus dem Netzbereich. Diese konnten zwar im vergangenen Jahr aufgrund der vollen Inanspruchnahme der variablen Pacht noch einmal deutlich gesteigert werden auf 10,9 Mio. Euro (2019: 8,7 Mio. Euro). Bereits im nächsten Jahr zeichnen sich aber wieder deutliche Erlösrückgänge im Netzbereich ab.
Über die Pachterlöse werden eine Vielzahl an defizitären Einrichtungen aus dem Bereich der Daseinsvorsorge querfinanziert, wie Bäder, Sportanlagen oder ein Zoo, die besonders unter den Einschränkungen der Coronakrise zu leiden haben. Hinzukommen Sparten wie Veranstaltungsmanagement, Kultur, Unterhaltung, Logistik und kommunale Dienste.
Hohe Investitionen in das Zukunfts-Geschäftsfeld Glasfaser
Hohe Investitionen erfordert zudem der zukunftsträchtige Breitbandausbau. Dort hat sich das Ergebnis der Glasfasertochter Gelsen-Net zwar besser entwickelt als erwartet. Diese schloss 2020 "nur" mit einem Jahresverlust von 922.000 Euro ab. Das ist laut dem Unternehmen die Hälfte des ursprünglich erwarteten Fehllbetrags. Das Tochterunternehmen konzentrierte sich 2020 vor allem auf die Planung und Realisierung von breitbandigen Glasfaser-Projekten als auch auf die strategischen Positionierung als regionaler IT-Systemdienstleister mit individuellen Lösungskonzepten.
Zum Jahresende waren mehr als 15.000 Wohneinheiten und über 1.000 Geschäftskunden an das Glasfasernetz der Gelsen-Net direkt bis in die Wohnung angeschlossen, Ende 2021 sollen es bereits über 21.000 Wohneinheiten sein. Die im Jahr 2019 gewonnene Ausschreibung des Breitband-Förderprojekts im Kreis Recklinghausen für die Städte Castrop-Rauxel, Herten und Recklinghausen wurde in 2020 weiter umgesetzt und ist laut eigenen Angaben das größte Ausbauprojekt der Firmengeschichte. Bei dem mit 8,8 Mio. Euro geförderten Breitbandausbau sollen rund 1.300 Haushalte, 163 Unternehmen und 90 Schulen, ans schnelle Glasfasernetz angebunden werden. (hoe)


