Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft verzeichnet coronabedingt einen massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV. Die Geschäftsführung hofft, in den nächsten drei Jahren hier auf das Vorkrisen-Niveau zurückzukehren.

Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft verzeichnet coronabedingt einen massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV. Die Geschäftsführung hofft, in den nächsten drei Jahren hier auf das Vorkrisen-Niveau zurückzukehren.

Bild: © Leipziger Gruppe

Die Stadt Leipzig hat ein neues Hilfspaket für ihren Kommunalkonzern geschnürt. Erhielt die Leipziger Gruppe samt ihren Stadtwerken zuerst eine kurzfristige Liquiditätshilfe in Höhe von 150 Mio. Euro, soll daraus nun ein vorübergehender Kreditrahmen von bis zu 400 Mio. Euro werden.

"Dies würde die Stadtwerke in die Lage versetzen, die an den Energiemärkten fällig werdenden, extrem hohen Ausfallsicherheiten [...] zu leisten und den Handel abzusichern", heißt es in einer Presseaussendung des Leipziger Rathauses. Der Stadtrat soll am 14. September darüber entscheiden.

"Leipziger Gruppe arbeitet profitabel"

"Die Leipziger Gruppe ist wirtschaftlich stabil und arbeitet profitabel", erklärt ein Unternehmenssprecher auf ZfK-Anfrage. Die Stadt habe "höchst vorsorglich" ein Sicherheitsnetz aufgespannt, das einen weiteren planmäßigen Börsenhandel ermögliche.

Nach ZfK-Informationen stellen insbesondere Sicherheitshinterlegungen für bereits getätigte Stromverkäufe in der Zukunft eine Herausforderung dar. Die Stadtwerke erzeugen und vermarkten beispielsweise Strom, den sie in ihrem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk sowie in ihren Blockheizkraftwerken erzeugen.

Starke Schwankungen am Terminmarkt

In den vergangenen Wochen schwankten die Strompreise an den Terminmärkten stark. Kostete der Stromfuture für Deutschland für die Grundlastlieferung im nächsten Jahr (Cal-23) am 26. August noch fast 1000 Euro pro MWh, halbierte sich der Preis in den kommenden Tagen.

Am Freitag wurde das Produkt an der Energiebörse EEX für 511 Euro pro MWh gehandelt.

"Auf weitere Preisspitzen vorbereitet"

Generell gilt am Börsen-Terminmarkt: Steigt der Preis, muss der Verkäufer mehr Sicherheiten hinterlegen. Sinkt der Preis, muss der Käufer nachschießen. Sicherheiten sind so lange erforderlich, bis das Geschäft wie vereinbart abgewickelt wurde. Danach erhalten die Vertragspartner das Geld zur Gänze zurück.

Entsprechend stiegen Sicherheitsforderungen bis zum 26. August für die Leipziger Stadtwerke stark, gingen seitdem aber wieder zurück. "Dennoch sind wir gerne auf weitere unerwartete Preisspitzen vorbereitet", heißt es.

"Keine Spekulation, sondern professionelle Vorsorge"

Bei den von den Stadtwerken Leipzig getätigten Geschäften handele es sich jedenfalls nicht um Spekulationen, "sondern um professionelle Vorsorge zur Absicherung der Versorgungssicherheit in einer Großstadt", betont der Unternehmenssprecher.

Tatsächlich ist es in der Branche üblich, Energiegeschäfte mit Futures gegen Preisschwankungen abzusichern. Zudem handeln gerade große Energieversorger bevorzugt an der Börse, um das Ausfallrisiko anderer Geschäftspartner zu minimieren.

Hoher Schuldenberg

Im Leipziger Fall kommt jedoch erschwerend hinzu, dass der Stadtkonzern auf einem hohen Schuldenberg sitzt. Ende 2021 belief sich dieser auf rund 911 Mio. Euro. Dem stand ein Ergebnis von etwa 225 Mio. Euro (adjustiertes Ebitda) gegenüber. Der Verschuldungsgrad betrug entsprechend 4,1.

Bis Ende dieses Jahres steige der Verschuldungsgrad planmäßig auf bis zu 4,5, teilt das Unternehmen mit. Grund dafür sei eine in den vergangenen Jahren durch die Unternehmensgruppe eingeleitete Investitionsoffensive.

"Überschreiten erwarten wir nicht"

Heikel dabei: Würde diese Kennzahl noch weiter steigen, könnten Banken mit entsprechenden Vereinbarungen ihre Kredite kündigen. Dann bestünde die Gefahr, dass die L-Gruppe  neue Darlehen zu wesentlich schlechteren Bedingungen aufnehmen muss.

"Ein Überschreiten [...] werden wir selbstverständlich verhindern, da wir dies mit unseren kreditgebenden Banken so vereinbart haben", betont der der Stadtwerkesprecher.

Kapitaleinlage in Höhe von 25 Mio. Euro

Um die L-Gruppe weiter zu festigen, soll das neue Hilfspaket auch eine Kapitaleinlage in Höhe von 25 Mio. Euro enthalten. Mit dem Geld will die Stadt "strategisch bedeutsame, klimaschutzrelevante Investitionen" unterstützen.

Zudem sollen für die kommenden beiden Jahre jeweils 15 Mio. Euro zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie und zum Ausgleich von Tarifmindereinnahmen im Nahverkehrsbereich fließen.

Einsparpflicht für Stadtwerke

Im Gegenzug soll sich der Stadtkonzern zu internen Einsparungen in Höhe von zehn Mio. Euro sowie zu Energieeinsparungen in eigenen Liegenschaften von 15 Prozent verpflichten.

"Darüber hinaus müssen derzeit nicht unmittelbar der Versorgungssicherheit der Bürgerinnen und Bürger dienende Investitionen verschoben werden", heißt es in der Presseaussendung des Rathauses, ohne weitere Details zu nennen.

"Kriegsfolgen dürfen nicht kommunalisiert werden"

Der Leipziger Fall dürfte die Debatte um einen bundesweiten Schutzschirm für Stadtwerke weiter befeuern. Zwar erleichterte die Bundesregierung für Energieversorger, die an der Börse handeln, den Zugang zu staatlichen KfW-Krediten – gleiches gilt nicht für die meisten außerbörslichen Geschäfte. Wie die ZfK aus Branchenkreisen erfuhr, haben sich jedoch bislang kaum Stadtwerke für das KfW-Kreditprogramm angemeldet.

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) klagt in der Presseaussendung der Stadt, dass es keinen Bundesrettungsschirm für Stadtwerke gebe. "Dieses wird viele Stadtwerke und Kommunen in die Enge treiben", warnt er. "Kriegsfolgen dürfen nicht kommunalisiert werden." (aba)

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