Bis 2021werden die Stadtwerke München rund 80 Prozent des Münchner Strombedarfs aus eigenen Erneuerbaren-Anlagen abdecken können. Das entspricht 6 Mrd. kWh Ökostrom. Davon wird nur knapp ein Zwölftel in der Stadt produziert. Deshalb sieht sich das Unternehmen aus Teilen der Lokalpolitik immer wieder mit der Forderung nach einer Anpassung der Ausbaustrategie und der Umschichtung signifikanter Investitionssummen in lokale Projekte konfrontiert.
Hamburg-Institut: "Regionalität ist kein Selbstzweck"
Den Fragen nach Alternativen zu der bisherigen Vorgehensweise und danach, inwiefern lokale und regionale Erneuerbaren-Potenziale zu den fehlenden 20 Prozent bis zur Zielerreichung maßgeblich beitragen können, ist das Beratungsunternehmen Hamburg Institut im Auftrag der SWM nachgegangen. Das Fazit: "Die aus klimapolitischer Sicht sehr wichtige Schnelligkeit der Annäherung an die Ziele der Ausbauoffensive war nur mit einem hohen Anteil an überregionalen und Auslandsinvestitionen erreichbar", resümierte Christian Maaß, Geschäftsführer des Hamburg Instituts bei einer virtuellen Pressekonferenz mit SWM-Chef Florian Bieberbach.
In München und auch in Bayern wäre ein vergleichbar schneller Ausbau an SWM-Stromerzeugungskapazitäten mangels umsetzbaren Potenzials nicht möglich gewesen. "Regionalität und Kleinteiligkeit der Energiewende sind kein Selbstzweck", so Maaß weiter. Große Projekte führten zudem zu großen Treibhausgas-Einsparungen. Gleichzeitig müssten die Projekte rentabel sein, da sonst keine Finanzmittel für den weiteren Ausbau erwirtschaftet werden könnten.
Gebundenes Kapital liegt bei rund 2 Mrd. Euro
3,4 Mrd. Euro haben die SWM bis Ende 2019 investiert, vor allem in Offshore- und Onshorewindprojekte in Europa. Die Rückflüsse aus dem Betrieb der laufenden Projekte übersteigen seit einigen Jahren die Höhe der Investitionen in neue Projekte, teilte der Kommunalversorger mit. Das weitere Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien via Ausbauoffensive könne deshalb selbst finanziert werden. Darüber hinaus ermögliche es auch finanzielle Rückflüsse für das Unternehmen. Im Saldo seien derzeit rund 2 Mrd. Euro an Kapital im Bereich der Erneuerbaren gebunden.
Das lokale Potenzial der Wärme
Der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung, Florian Bieberbach, wertete die Bilanz als Bestätigung des bisherigen Kurses. „Beim Ökostrom konzentrieren wir uns auf die Standorte mit den besten Bedingungen. Aber bei der Wärme setzen wir auf das lokale Potenzial“, fasste er zusammen. In den nächsten Jahren soll deshalb über eine Mrd. Euro vor Ort in den Ausbau der Geothermie und die Umstellung des Fernwärmesystems investiert werden.
Lokales Ausbaupotenzial vor allem im PV-Bereich
Quantativ relevantes Ausbaupotenzial in München und Region sieht das Hamburg Institut künftig nur bei der Photovoltaik. Aber nur bei einer sehr ambitionierten Weiterentwicklung der politisch-rechtlichen Voraussetzungen und weiteren technologischen Fortschritten wären höhere Anteile an der Stromversorgung denkbar.
Die Experten führen Berlin als Beispiel an: aktuelle Studien gehen davon aus, dass in Berlin ein langfristiges Wachstum der PVStromproduktion auf bis zu 25 Prozent des Strombedarfs der Stadt erreicht werden kann. "Insgesamt erscheint eine langfristige Erhöhung des PV-Anteils in Richtung 25 Prozent, wie Berlin sich das vorgenommen hat, nur im Zusammenwirken der politischen Akteure in Bund, Land und München möglich", so Maaß.
Hohe Nachfrage nach Komplettpaket M-Solar-Plus
Auch SWM-Chef Bieberbach hält es perspektivisch für sinnvoll, sich in München vor allem auf den Ausbau der PV-Dachanlagen zu konzentrieren sowie auf neue PV-Freiflächenanlagen im Umland zu konzentrieren. Die Stadtwerke München sehen sich dabei vor allem als „Ermöglicher“, der entsprechende Lösungen zur Realisierung einer PV-Dachanlage anbietet. Das Komplettangebot M-Solar-Plus mit Beratung, Anlage und Monatage, Anschluss sowie Service wurde beispielsweise seit 2016 rund 450 Mal verkauft. Auch die ersten M-Solarbausteine, die Mietern eine Beteiligung an einer Dachanlage ermöglichen, waren in wenigen Tagen ausverkauft.
SWM bleiben in Europa aktiv
Der Koalitionsvertrag der neuen Münchner Stadtregierung sieht einen jährlichen Zubau von 15 MWp vor. "Dieses ist im Lichte der Studie betrachtet durchaus anspruchsvoll. Wir werden nur etwas erreichen, wenn die unterschiedlichen Akteure an einem Strang ziehen", bekräftigte Bieberbach. Das Hamburg Institut plädiert auch künftig für ein Nebeneinander regionaler und europaweiter Investitionen im Rahmen der Ausbauoffensive.
Bis 2025 soll München die Ökostromproduktion der SWM den kompletten Strombedarf in München abdecken. Dazu müssen die Erzeugungskapazitäten um weitere 1,2 Mrd. kWh pro Jahr gesteigert werden. „Dahinter stehen schon noch einige Großprojekte, das wird alles andere als ein Spaziergang“, sagte Bieberbach. Man werde hier weiter in europäischen Ländern aktiv bleiben. Neben Norwegen und Polen könnte perspektivisch auch ein Offshorewindprojekt in Großbritannien hinzukommen.
Auch steigenden Energiebedarf erneuerbar decken
Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums, der steigenden Zahl der Elektrofahrzeuge inklusive der Elektrifizierung der Busflotte, sowie dem steigenden Strombedarf im Wärmesektor rechnen die SWM damit, dass der Strombedarf ab 2026 von 7,2 auf dann mindestens 8,4 Mrd. kWh pro Jahr ansteigen wird. Auch dieser absehbare Mehrbedarf soll erneuerbar gedeckt werden. „Unser Engagement hört 2025 nicht auf. Es müssen noch mehr Erzeugungskapazitäten zugebaut werden, um die Vorgabe weiter halten zu können“, teilen die SWM mit. (hoe)



