Die Stadtwerke Osnabrück wollen sich nun auf Kunden und Projekte in der eigenen Region konzentrieren.

Die Stadtwerke Osnabrück wollen sich nun auf Kunden und Projekte in der eigenen Region konzentrieren.

Bild: © Andreas Baumer/ZfK

Wie erwartet haben die Stadtwerke Osnabrück auch im vergangenen Geschäftsjahr rote Zahlen geschrieben. Der Verlust fiel mit 4,5 Mio. Euro jedoch deutlich niedriger aus als das Rekordminus von 16,9 Mio. Euro, das das vollständig kommunale Unternehmen im Vorjahr angehäuft hatte. Der Energiebereich schrieb sogar wieder schwarze Zahlen.

Wesentlich entspannter als vor einem Jahr zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. Die Entscheidungen des vergangenen Jahres hätten sich bestätigt, sagte die CDU-Politikerin. Die "Kehrtwende" sei gelungen.

Grützmacher übergibt Mitte August

Pötter war nur wenige Monate im Amt, als die Stadtwerke Osnabrück für 2021 überraschend hohe Verluste bekanntgaben und in der Folge in die größte Krise ihrer jüngeren Firmengeschichte schlitterten.

Noch im Frühjahr 2022 verabschiedete sich Vorstandschef Christoph Hüls. (Die ZfK berichtete.) Der krisenerprobte Stadtwerkekenner Stefan Grützmacher sprang vorübergehend als "Feuerwehrmann" ein. Von Mitte August an sollen Daniel Waschow und Dirk Eichholz den Vorstand übernehmen. Grützmacher bleibt dann noch zwei Wochen als Berater an Bord.

"Ganz andere Transparenz"

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stadtwerken habe sich durch den Vorstandswechsel im vergangenen Jahr "extrem verändert", erzählte Pötter. Es gebe eine "ganz andere Kommunikation" und eine "ganz andere Transparenz".

Die Stadt werde ständig informiert, wie weit der Sanierungsprozess des Unternehmens vorangeschritten sei und welche Auswirkungen dies auf das Jahresergebnis habe. "Das habe ich früher anders erlebt."

"Nicht so viel falsch gemacht"

Grützmacher selbst bezeichnete die Ergebnisverbesserung im Vergleich zum Vorjahr als "wichtigen Schritt". Man habe 2022 "nicht so viel falsch gemacht" wie im Vorjahr, sagte er. Das gelte insbesondere für den Bereich der Energiebeschaffung und -vertrieb. Da habe das Unternehmen 2021 "komplett danebengelegen".

Unter anderem in der Direktvermarktung, also in der Vermarktung von Grünstrom, hatten die Stadtwerke nach eigenen Angaben schmerzhafte Einbußen hinnehmen müssen. Aus diesem Geschäftsfeld steigt der Versorger nun schrittweise aus. Auch aus dem bundesweiten Energievertrieb ziehen sich die Stadtwerke zurück.

Gehaltseinbußen bringen Millioneneinsparung

Der Bäderbereich beendete das vergangene Geschäftsjahr mit einem Defizit von 3,7 Mio. Euro. Dies glich die Stadt teilweise aus. Für den öffentlichen Nahverkehr erhielt das Kommunalunternehmen zudem knapp sechs Mio. Euro aus dem Corona-Schutzschirm.

Zu Gehaltseinbußen zwischen zwei und vier Prozent erklärten sich die Mitarbeiter der Stadtwerke Osnabrück bereit. (Die ZfK berichtete.) Dadurch spare das Kommunalunternehmen 1,5 bis zwei Mio. Euro pro Jahr, sagte Grützmacher.

Schwarze Null geplant

Die Stadtwerke seien noch nicht da, "wo wir hinkommen wollen und müssen", resümierte der Manager. "Wir müssen auch sehen, ob wir es schaffen."

Für das laufende Geschäftsjahr planen die Stadtwerke wieder mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Mit einberechnet sind dafür jedoch entsprechende städtische Zuschüsse für den Bäder- und Nahverkehrsbereich. "Die Frage ist, wie viel davon wir aus operativer Kraft erreichen werden", sagte Grützmacher. Das erste Quartal dieses Jahres sei jedenfalls im Energiebereich "sehr erfolgreich" gelaufen, führte er aus.

Zukunft des Nahverkehrs

Offen ist, wie weit Osnabrück seinen Stadtwerken künftig beim Aufrechterhalten des öffentlichen Nahverkehrs entgegenkommen will. Nicht zuletzt Grützmacher selbst hatte früh betont, dass es hier keine Denkverbote geben dürfe. Die Stadtwerke würden die defizitären Bereiche Mobilität und Bäder in dieser hohen Angebots- und Leistungsqualität nicht mehr aus eigener Kraft gegenfinanzieren können, warnte der Interimschef. (Die ZfK berichtete.)

Die Kommune habe begriffen, dass es nicht so weitergehe wie früher, erwiderte nun Oberbürgermeisterin Pötter. "Wir müssen uns als Kommune die Frage stellen, was wir uns als ÖPNV-Angebot noch leisten wollen und können. Und wenn es im Ergebnis der Stadtwerke nicht neutral abzubilden ist, muss sich die Stadt ehrlich machen und sagen, welchen Millionenbetrag sie [zuschießen] will."

Osnabrücker Bilanz im Überblick:

Umsatz: 768,6 Mio. Euro (2021: 510,4 Mio. Euro)

Fehlbetrag: –4,5 Mio. Euro (–16,9 Mio. Euro)

Stromabsatz: 923 GWh (918 GWh)

Erdgasabsatz: 3015,2 GWh (3372,5 GWh)

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