Die Strompreise steigen bislang nicht ganz so stark wie die Gaspreise. Manche Versorger wie N-Ergie lassen sie sogar konstant.

Die Strompreise steigen bislang nicht ganz so stark wie die Gaspreise. Manche Versorger wie N-Ergie lassen sie sogar konstant.

Bild: © Paul Silvan/Unsplash

Ist es möglich, Grund- und Ersatzversorgungstarife für Neukunden deutlich zu verteuern und gleichzeitig Grundversorgungstarife für Bestandskunden nur moderat zu erhöhen? Ja, finden erste Energieversorger.

Am Donnerstag kündigten etwa die Stadtwerke Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) an, separate Strom- und Gastarife für Neukunden zu führen. Sie begründen dies damit, dass sie den Strom- und Gasbedarf von Bestandskunden langfristig voraussehen hätten können und somit die benötigten Energiemengen noch zu einem niedrigeren Preis einkaufen konnten. Dies sei für potenzielle Neukunden nicht möglich. Hintergrund sind extrem hohe Strom- und Gaspreise am Spotmarkt in den vergangenen Wochen.

Merkliche Unterschiede

Während Bestandskunden künftig in der Strom-Grundversorgung einen Arbeitspreis von 27,60 Cent pro kWh zahlen, wird Neukunden 30,80 Cent berechnet.

Ein ähnliches Bild bei der Gasgrundversorgung. Bestandskunden müssen künftig 7,07 Cent pro kWh brutto zahlen, Neukunden 9,00 Cent.

10 Cent pro kWh mehr für Neukunden

Auch die Stadtwerke Witten (Nordrhein-Westfalen) unterscheiden mittlerweile zwischen Neukunden und Bestandskunden in der Gas-Grundversorgung.

Bestandskunden (Verbrauch 10.000 kWh pro Jahr) werden 7,60 Cent pro kWh berechnet, Neukunden dagegen 17,99 Cent.

Juristische Debatte

Noch früher waren die Stadtwerke Krefeld dran. Neukunden in der Gas-Grund- und Ersatzversorgung müssen dort seit November 15,70 Cent pro kWh zahlen, Bestandskunden von Januar an dann 6,82 Cent.

Noch hat in Deutschland kein Gericht entschieden, ob eine solche Unterscheidung rechtlich zulässig ist. Die Landeskartellbehörde Nordrhein-Westfalen kam aber jüngst zum Schluss, dass unterschiedliche allgemeine Preise im Rahmen der Grundversorgung mithin weder energierechtlich noch kartellrechtlich zu beanstanden seien.

EVM erhöht Grundversorgungstarif für alle

Es dürften nicht nur die Stadtwerke Dinslaken und Witten sein, die angesichts rekordhoher Strom- und Gaspreise im Großhandel neue Wege beschreiten. Das Aachener Beratungsunternehmen BET lotet nach eigenen Angaben mit verschiedenen Kunden Möglichkeiten aus, ein Tarifmodell zu entwickeln, das in der Wirkung einem zweiten Grundversorgungstarif entspreche.

Einen anderen Weg hat der Koblenzer Regionalversorger EVM gewählt, der seit 1. September etwa 7000 neue Kunden in der Ersatzversorgung zählt. Auch bei ihm steigt der der Preis in der Gas-Grundversorgung, allerdings für alle Kunden gleichermaßen und zwar auf 8,1 Cent bei einem Jahresverbrauch von 5.500 kWh aufwärts.

EVM: Stabil gegen den Trend

Zugleich wirbt die EVM damit, gegen den Trend alle anderen Gastarife stabil zu halten. Und: "Die Kunden in der Grund- und Ersatzversorgung erhalten ein Wechselangebot zu einem Tarif, der dem bisherigen Grundversorgungstarif entspricht", teilt ein Unternehmenssprecher auf ZfK-Nachfrage mit. Wer dieses Angebot annehme, für den erhöhten sich die Preise nicht. (aba)

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