Auszeichnung der Stuttgarter Firma Kies Innenausbau als  "Partner der Energiewende":  (von links) der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Stadtwerke-Geschäftsführer Olaf Kieser sowie die beiden Geschäftsführer des Innenausbau-Unternehmens Tilo Kiess und Wolfgang Rosskopf.

Auszeichnung der Stuttgarter Firma Kies Innenausbau als "Partner der Energiewende": (von links) der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Stadtwerke-Geschäftsführer Olaf Kieser sowie die beiden Geschäftsführer des Innenausbau-Unternehmens Tilo Kiess und Wolfgang Rosskopf.

Bild: © Stadtwerke Stuttgart

Als noch junges Stadtwerk legten die Stuttgarter von Anfang an den Fokus ausschließlich auf Produkte und Dienstleistungen rund um die Energiewende. Jüngst erhielten sie zudem einen Großauftrag für den Bau von öffentlicher Ladeinfrastruktur. "Insgesamt geht es in allen Bereichen gut vorwärts, auch beim Ökostromvertrieb", sagt Geschäftsführer Olaf Kieser im Gespräch mit der ZfK. 27.500 Kunden bezogen Ende 2019 Ökostrom und Gas (Erdgas und Biomethan) von den Stadtwerken Stuttgart, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von fast 20 Prozent (2018 waren es noch 23.000).

60 Photovoltaikanlagen installierte das kommunale Unternehmen in Kooperation mit regionalen Fachhandwerken allein im vergangenen Jahr bei Privatkunden. Damit wuchs die Zahl der insgesamt von den Stadtwerken vertriebenen PV-Anlagen für den Privatbereich auf 232, mit einer installierten Leistung von über 1644 Kilowatt (kW). Im gewerblichen Bereich wurden 2019 sieben neue PV-Anlagen mit 118 kW realisiert (insgesamt waren es 16 Anlagen mit 700 kW). Für die Landeshauptstadt selbst realisierte das kommunale Unternehmen über ihre Tochter EDS im vergangen Jahr 17 neue PV-Anlagen mit 1267 kW Leistung, vor allem auf Schulen, Verwaltungsgebäuden und Gebäuden städtischer Gesellschaften. Gut 24 Aufträge aus dem vergangenen Jahr würden derzeit noch abgearbeitet, berichtet Kieser.

Rückenwind durch den städtischen Klimaschutzfonds

Zusätzlichen Schwung für das Energiewende-Geschäft erwarten die Stuttgarter durch den Klimaschutzfonds, welchen der Gemeinderat im vergangenen Jahr verabschiedete. Sein Gesamtvolumen beträgt 200 Mio. Euro, wovon rund 16 Mio. Euro an Fördermitteln für Photovoltaik, Energiespeicher und Ladeinfrastruktur vorgesehen sind. "Wir wollen auch solare Mieterstromprojekte weiter ausbauen. Dies ist in einer Stadt wie Stuttgart mit ihren Mietshäusern ein wichtiger Hebel für die Energiewende", sagt Kieser. Allerdings sei die rechtliche und technische Umsetzung anspruchsvoll. Derzeit hat das kommunale Unternehmen drei entsprechende Projekte am Laufen.

Wirkung entfaltet inzwischen auch die Anfang 2019 von den Stadtwerken gegründete Initiative "Partner der Energiewende". Hierbei werden Unternehmen, Institutionen und Vereine, die zusammen mit den Stadtwerken die Energiewende in der Landeshauptstadt umsetzen, als "Partner der Energiewende" ausgezeichnet. "Das kommt gut an. Gerade aus dem unternehmerischen Umfeld kriegen wir zunehmend Anfragen, denn von Kunden und Öffentlichkeit wird nachhaltiges unternehmerisches Handeln zunehmend erwartet", berichtet der Stadtwerke-Geschäftsführer. Ausgezeichnet wurden unter anderem ein Innenausbau-Spezialist, ein Stuttgarter Fachverlag, das Theaterhaus, die Innenstadtkinos sowie mehrere Sportvereine.

Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst

"Das Bewusstsein bei der Mitgliedschaft von Vereinen für Nachhaltigkeit wächst", so Kieser. So beziehen traditionsreiche Breitensportvereine wie der MTV-Stuttgart Ökostrom von den Stadtwerken. Der Tennisverein TEC Waldau hat mit den Stadtwerken eine große Photovoltaik-Anlage auf seiner neuen Tennishalle, die in Holzbauweise errichtet wurde, realisiert und diverse andere Vereine planen innovative Energiekonzepte für neue Anlagen. Auch das Nachwuchszentrum des VfB Stuttgart nutzt dank der Stadtwerke Solarstrom vom eigenen Dach.

Aufwendiges Free-Floating der Stella-Roller

"Einer unserer wichtigsten Kooperationspartner ist die BW-Bank", berichtet Kieser. Seit 2019 ist die BW-Bank erster Partner beim Stadtwerke-Elektroroller-Sharing Stella. Jüngst starteten die Stadtwerke mit dem Kreditinstitut ein Pilotprojekt, bei welchem die Nutzung von fünf Solarbänken in Stuttgarter Stadtbezirken getestet wird. An den mit integrierten Solarmodulen ausgestatteten Sitzbänken können Handys direkt mit Ökostrom geladen werden, zudem gibt es kostenfreies Wifi. Auch vergibt die BW-Bank einen speziellen Klimakredit und bietet für bestimmte Kunden Sonderkonditionen für den Ökostrombezug von den Stadtwerken an.

Dank der BW-Bank konnte die Stella-Flotte im vergangenen Jahr auf 200 E-Roller verdoppelt werden. Die Nachfrage nach dem stationsunabhängigen Sharing ist laut Kieser nach wie vor hoch. Wie das Angebot weiterentwickelt werden soll, ist derzeit noch in der Prüfung. "Insgesamt ist Sharing nach dem sogenannten Free-Floating-Prinzip sehr aufwendig", räumt Kieser ein, da die E-Roller für den Akkutausch und den Service in einem 48 Quadratkilometer großen Geschäftsgebiet einzeln angefahren werden müssen. "Wir denken über mobile Akkutausch-Lösungen nach – etwa durch Einbindung von City Hubs. Zudem signalisieren unsere Kunden durchaus die Bereitschaft, gegen Belohnung in Form von Freiminuten selbst beim Akkutausch mitzuhelfen", berichtet Kieser. (hcn)

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