Power Purchase Agreements (PPAs), sprich langfristige Stromabnahme- und -lieferverträge, aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen mit einer Leistung mit mehr als 6000 Megawatt (MW) hat Statkraft mittlerweile in Europa abgeschlossen. Damit sei man Europas größter Anbieter von PPAs für erneuerbare Erzeuger, wie Pieter Schipper, Geschäftsführer von Statkraft in Düsseldorf, am Dienstagnachmittag bei einem Pressegespräch auf der E-World in Essen unterstrich.
"Wir haben als Joker die norwegische Wasserkraft als große Batterie im Portfolio, welche fluktuierenden Solar- und Windstrom ideal ergänzt", so Schipper. Damit sei man in der Lage, Kunden grünen Strom rund um die Uhr anzubieten, und baue konsequent die Rolle als Integrator im Energiemarkt aus. Je nach Risikobereitschaft der jeweiligen Kundenseite entwickle man passgenaue Lösungen. Dies kann ein Stromabnahmevertrag für einen subventionsfreien Solarparks sein, der die Finanzierung ermöglicht und den Betrieb planbar und wirtschaftlich macht. Oder aber auch eine Grünstromlieferung an einen industriellen Großkunden, die so unterschiedliche Kriterien, wie Stromart, Herkunft und Verfügbarkeit, auf Wunsch und nach Bedarf verwirklicht.
Maßgeschneiderte grüne Energiekonzepte
"Mit diesen maßgeschneiderten grünen Energiekonzepten zeigen wir Industrieunternehmen einen Weg auf, ihr Geschäft nachhaltig klimafreundlich aufzustellen", sagte Schipper. Zuwächse beim Abschluss neuer PPAs verzeichnete Statkraft im vergangenen Jahr vor allem in Spanien, wo Wind- und Solarparks mit einer Leistung von 430 MW neu unter Vertrag genommen wurden und auch in Deutschland. Dort wurden erstmals PPAs für 50 MW Photovoltaik abgeschlossen sowie das Windkraft-Portfolio um Verträge im Umfang von 100 MW aus Anlagen, deren 20-jährige EEG-Vergütung in Bälde ausläuft (Ü20), ergänzt. Beliefert werden unter anderem Mercedes-Benz Cars und Naturstrom. "Unsere PPA-Pipeline in Deutschland umfasst derzeit 1000 MW Photovoltaik und 1200 MW Ü20-Wind“, berichtete Schipper.
Gleichzeitig baut Statkraft die Entwicklung eigener Onshore-Wind- und Solarprojekte stark aus. So übernahmen die Norweger vergangenen Jahr den britische Projektierer Airvolution mit einer Projektpipeline von 2.000 MW, in 2018 das irische Unternehmen Element Power mit einer Projektpipeline von 2.300 MW. Stark aktiv sei man zudem in Sachen Onshore-Wind und Solar in den Niederlanden, Skandinavien und wolle auch in Deutschland eigene Projekte realisieren, so Schipper. Zielmarke sind für Europa 3.500 MW bis 2025.
In Deutschland noch keine schwarze Null bei Gaskraftwerken
Ergänzend setzt man auf das Flexibilitätsmanagement aus bestehenden eigenen Gaskraftwerken, vor allem in Großbritannien, wo sich dieses Geschäft aufgrund des dortigen Kapazitätsmarktes rechne, so Schipper. Auch in Deutschland hätten sich die Betriebsstunden der Gaskraftwerke von Statkraft in 2019 mehr als verdoppelt. Hohe C02- und niedrige Gaspreise wirkten sich positiv auf die Betriebsstunden der Anlagen aus.
"Nach Jahren mit Verlusten konnten wir aufgrund der andauernd positiven Marktentwicklungen im vergangenen Jahr eine rote Null erwirtschaften", sagte Schipper. Halte dieser Trend an, sei man nicht mehr weit davon entfernt, neben den Betriebs- auch die Kapitalkosten zu erwirtschaften. Doch insgesamt seien die Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Anreize in Deutschland noch nicht attraktiv genug, um das Flexibilitätspotenzial von Gaskraftwerken voll auszuschöpfen oder gar in neue Gaskraftwerke zu investieren. "Wir als Statkraft investieren allerdings prinzipiell nicht mehr in neue Gaskraftwerke, sondern nur noch in erneuerbare Energien wie Wind, Photovoltaik und Wasserkraft", unterstrich Schipper.
Lernkurve bei Geschäftsmodellen rund um E-Mobilität
Verstärkt engagiert sich nun Statkraft im Bereich der E-Mobilität, auch durch den Aufkauf einschlägiger Unternehmen. So wurde der norwegische Ladespezialist Gronn Kontakt übernommen, in Deutschland die E-Mobilitätsunternehmen E-Wald und EE-Mobility. "Wir sind bei Geschäftsmodellen rund um die E-Mobilität gerade in einer Lernkurve und probieren einiges aus, sagte Schipper. (hcn)
