Blick auf das Trianel-Steinkohlekraftwerk in Lünen (Nordrhein-Westfalen).

Blick auf das Trianel-Steinkohlekraftwerk in Lünen (Nordrhein-Westfalen).

Bild: © Marcus Retkowietz/AdobeStock

Es ist keine zwei Jahrzehnte her, da standen Anteile am Steinkohlekraftwerk Lünen bei kommunalen Unternehmen noch hoch im Kurs. Da galt die Anlage, die eine Leistung von 750 MW und einen Wirkungsrad von etwa 46 Prozent aufweisen würde, nicht nur als wirtschaftlich attraktiv, sondern auch als politisch gewünscht.

Da sollte Lünen neben dem Trianel-Gaskraftwerk in Hamm ein kommunales Gegengewicht bilden zum Erzeugungsoligopol der vier großen Energiekonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW. 30 kommunale Unternehmen beteiligten sich.

Fallende statt steigende Strompreise

Die Verantwortlichen ahnten da nicht, dass die Folgen der Finanzkrise und Erneuerbaren-Offensive die Strompreise in den 2010er-Jahren in den Keller drücken würden, im Frontjahreskontrakt teils auf bis zu 20 Euro pro MWh.

Sie ahnten auch nicht, dass sich der Wind viel kräftiger und schneller gegen fossile Energien drehen würde als noch in den 2000er-Jahren angenommen, ja Deutschland nach dem Ausstieg aus der Atomenergie bald auch den Ausstieg aus der Kohle beschließen würde, bis spätestens 2038. Für Lünen ist wohl spätestens 2031 Schluss.

Hohe Verluste drohen

Auch im vergangenen Jahr hat das Kohlekraftwerk Lünen tiefrote Zahlen geschrieben, haben kommunale Anteilseigner ihre Drohverlustrückstellungen um viele weitere Millionen Euro aufgestockt.

Beim Aachener Regionalversorger Stawag beläuft sich die Summe inzwischen auf 87,5 Mio. Euro. Dabei soll es nun aber auch bleiben. Für künftige Bilanzen erwarten die Aachener kaum bis gar keine zusätzlichen Belastungen aus der Anlage mehr. (Die ZfK berichtete.)

Entscheidungsstrukturen bei Gemeinschaftsprojekten

Welche Lehren zieht die Stawag aus Lünen?

"Wir müssen in unserer Risikobetrachtung vor Großinvestitionen noch viel extremere Szenarien berücksichtigen als bislang", sagt Vorstand Christian Becker.

Stawag auf Erneuerbaren-Kurs

Genau hinsehen dürften die Aachener ferner, wenn es um Entscheidungsstrukturen bei künftigen Gemeinschaftsprojekten geht. "Wenn zu viele Entscheidungen nur mit Quoren oder gar einstimmig gefällt werden können, macht dies unternehmerisches Handeln bei veränderten Rahmenbedingungen extrem schwierig", sagt Becker.

Hintergrund ist, dass bei wichtigen Entscheidungen zur Zukunft des Kohlekraftwerks wie etwa die Teilnahme an einer Auktion der Bundesnetzagentur zur vorzeitigen Abschaltung praktisch alle 28 kommunalen Energieversorger zustimmen müssen.

Dritter Block in Hamm?

Generell habe die Stawag bereits 2008 entschieden, zukünftig nur noch in regenerative Energien oder dezentrale Erzeugungsanlagen mit einer Wärmeauskopplung zu investieren, erklärt Becker. Zu dieser Philosophie passt, dass das Unternehmen  inzwischen mehrere Wind- und Solarparks betreibt. Bis spätestens 2030 will die Stawag Aachen zudem komplett kohlefrei mit Wärme versorgen.

Weniger zur Philosophie dürfte dagegen wohl der Bau eines dritten Blocks am Trianel-Gaskraftwerk in Hamm als Back-up-Kapazität passen. Dies brachte Trianel-Chef Sven Becker ins Spiel. Dazu äußerte sich die Stawag nicht. (aba)

Mehr zur Zukunft des Kraftwerks Lünen erfahren Sie in der aktuellen ZfK-Printausgabe auf Seite 19. Zum Abo geht es hier.

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