Die Stadtwerke Aachen (Stawag) haben im vergangenen Geschäftsjahr ihr operatives Ergebnis leicht auf rund 24 Mio. Euro gesteigert. Neben einem erfolgreichen operativen Geschäftsverlauf ist dieser Zuwachs auch bilanziellen Sondereffekten zu verdanken. Zusammen mit den Konzessionsabgaben fließen über 38 Mio. Euro an den Alleingesellschafter, die Stadt Aachen. Der Umsatzsprung von rund 392 Mio. Euro im Vorjahr auf rund 579 Mio. Euro ist allein der Zusammelegung der eigenen Netzgesellschaft mit derjenigen der Stolberger EWV zur großen Netzgesellschaft Regionetz zu verdanken. Durch diesen Zusammenschluss haben sich die Erlöse im Netzbereich nahezu verdoppelt. Da die Stawag die Mehrheit an der Regionetz hält, werden die Umsätze auch bei ihr konsolidiert.
Beim Stromabsatz resultierte ein leichtes Plus auf 908 Mio. kWh, der Gasverkauf war mit 1,311 Mrd. kWh leicht rückläufig. Ingesamt investierte das Unternehmen, vor allem aufgrund des größeren Netzgebietes der Regionnetz, 2018 knapp 68 Mio. Euro (Vorjahr: 40,4 Mio.). "2018 war für uns nicht nur wirtschaftlich ein sehr erfolgreiches Jahr, vielmehr haben wir wichtige Projekte für die Region und für eine zukunftsfähige Energieversorgung auf den Weg gebracht", erklärte Stawag-Vorstand Christian Becker bei der Pressekonferenz am Dienstag (9. Juli). Dabei liegt das Augenmerk neben dem Ausbau der Erneuerbaren-Portofolios verstärkt auch auf Impulsen für die Wärme- und Verkehrswende in Aachen. Zum Jahreswechsel 2018/19 wurde beispielsweise ein neues Blockheizkraftwerk (10 MW) am Campus Melaten in Betrieb genommen.
Weiteres großes BHKW geplant
Dort will das Unternehmen auch im Rahmen einer Machbarkeitsstudie den Bau einer Wasserstoffanlage prüfen. Diese könnte Ökostrom aus dem Windpark im Aachener Norden in Wasserstoff umwandeln und diesen bei Bedarf wieder in Form von Strom oder Wärme freisetzen. Auch die Planungen für die dann größte Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, ein BHKW mit einer Leistungskapazität von 20 MW, sind in der Kaiserstadt bereits angelaufen. Aktuell bezieht das Unternehmen einen Großteil seiner Wärme noch aus dem Braunkohlekraftwerk Weisweiler im Rheinischen Revier. Mit den beiden großen BHKW und einer Vielzahl an kleineren Projekten hat das Unternehmen bereits wichtige Weichen mit Blick auf die Wärmewende gestellt.
Windpark-Pipeline umfasst 370 MW
Ein weiterer Fokus mit Blick auf noch mehr Flexibilität bei der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien liegt auf den Speichermöglichkeiten. Hier wurde die Modernisierung des Speicherkraftwerks im sauerländischen Rönkhausen abgeschlossen, an diesem ist die Stawag zur Hälfte beteiligt. Auch beim Erneuerbaren-Ausbau sind die Aachener auf Kurs. 2018 wurde mit dem Windpark Münsterwald der zweite Windpark in der Stadt in Betrieb genommen, dieser wird aktuell um zwei weitere Anlagen ergänzt. Aktuell erzeugt die Stawag bereits über 450 Mio. kWh an Ökostrom in eigenen Anlagen – das entspricht rechnerisch dem Bedarf aller Aachener Haushalte. Das Portfolio verteilt sich auf knapp 25 Windparks, zwölf Solarfelder und viele kleinere Solaranlagen. Der Energieversorger hat weitere Windparks mit einer Gesamtleistung von 370 MW in der Pipeline.
Klimaschutz und eine bessere Luftqualität stehen auch im Fokus im Geschäftsfeld E-Mobilität. Mit 140 Ladepunkten steht Aachen laut Stawag bundesweit an fünfter Stelle bezüglich Ladepunkten pro Einwohner. Im Projekt ALigN, an dem die Stawag beteiligt ist, werden fast weitere 1.000 Ladepunkte in Aachen und Region entstehen. Mit dem E-Store hat der Versorger seit November eine zentrale Anlaufstelle zu allen Fragen rund um die Elektromobilität eingerichtet. "Wir verzeichnen hier eine sehr gute Besucherfrequenz", erklärt Vorstand Wilfried Ullrich.
Treuebonus kommt gut an
Generell habe sich das Unternehmen im Vertrieb mit neuen innovativen Produkten und Dienstleistungen gut behauptet. "Wir konnten etliche Kunden zurück- und auch viele Kunden neu gewinnen", so Ullrich. Die Zahl der aktiven Nutzer des Online-Services verdoppelte sich dabei auf 22.000. Zudem haben sich fast 14.000 Kunden für den Treuebonus registriert. Kunden, die drei Jahre Strom oder Gas über die Stawag beziehen, erhalten einen Rabatt auf den Grundpreis von fünf Prozent. Dieser Bonus steigert sich dann in den Folgejahren sukzessive. (hoe)
