Während der Krise kehrten insgesamt 14 Anlagen für eine befristete Zeit auf den Markt zurück. Die Essener Steag hatte in diesem Zusammenhang fünf Steinkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2.489 MW ertüchtigt und wieder ans Netz gebracht.
Das sei auf den ausdrücklichen Wunsch der Bundesregierung geschehen, sagt Andreas Reichel, Vorsitzender der Steag-Geschäftsführung. "Seitdem haben unsere Steinkohlekraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit geleistet."
Gemäß dem Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG), das eine befristete Marktrückkehr der Reservekraftwerke legitimiert, müssen diese Stromerzeugungsanlagen zum 1. April wieder aus dem Marktbetrieb ausscheiden. Laut Plan der Bundesnetzagentur sollen sie als Netzreserve weiterhin einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.
Über die Systemrelevanz von fünf Steag-Kraftwerksblöcken hat die Regulierungsbehörde erst vor wenigen Tagen entschieden. Das sind die Kraftwerke Weiher (656 MW) und Bexbach (726 MW), die Blöcke MKV (179 MW) und HKV (211 MW) in Völklingen-Fenne sowie das Kraftwerk Bergkamen (717 MW) im Ruhrgebiet.
Beschwerde gegen den Ausweisungsbescheid
Wenn nötig, könnte der Übertragungsnetzbetreiber Amprion diese Kraftwerke mit kurzer Vorlauffrist zur Stabilisierung der Stromnetze anfordern. "Wir arbeiten damit von nun an auf Anweisung des Netzbetreibers", so Reichel weiter. Sollte die BNetzA-Entscheidung Bestand haben, "sprechen wir im Fall von Bexbach und Weiher über eine Systemrelevanz von fast 13 Jahren", kritisierte der Steag-Chef. Auf die Weise würden dem Unternehmen die Eigentumsrechte auf Dauer entzogen. Deshalb habe die Steag gegen den Ausweisungsbescheid der Bundesnetzagentur (BNetzA)eine Beschwerde eingelegt.
"Betriebswirtschaftlich vertretbar ist dieses Modell aber nach den geltenden Regeln nicht". Andreas Reichel, Steag
Um in die klimaneutralen Gaskraftwerke investieren zu können, brauche die Steag eine angemessene Vergütung für ihre unternehmerische Tätigkeit, so Reichel. Die aktuelle reine Kostenerstattung für Kraftwerke in der Netzreserve sei davon weit entfernt. Er fordert deshalb ein neues Vergütungsmodell, um mit den Anlagen Geld verdienen zu können. "Denn nur Unternehmen, die Gewinne erwirtschaften, sind auch in der Lage zu investieren." (am)



