Die Städte Essen, Oberhausen, Duisburg, Dinslaken und Bochum liebäugeln seit längerem mit einem Ausstieg aus dem in der Restrukturierung befindlichen Energiekonzern Steag. Was bisher vor allem über politische Diskussionen aus den jeweiligen Räten nach außen drang, könnte jetzt offenbar sehr schnell Realität werden. Bereits im Sommer soll die europaweite Ausschreibung der von den Stadtwerken der jeweiligen Kommunen gehaltenen Anteile an der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) erfolgen, schreiben die "Ruhrnachrichten" in ihrer Freitagsausgabe.
Bereits im ersten Quartal 2020 solle dann bereits klar sein, wer die Anteile der fünf Stadtwerke übernimmt – deren Beteiligung an der KSBG liegt bei insgesamt 64 Prozent. Der größte Steag-Eigner, die Dortmunder Stadtwerke (DSW21), bestätigen diesen sportlichen Zeitplan indes nicht. "Ob, wann und in welcher Form es zu einer Veräußerung von Anteilen an der KSBG kommen wird, steht derzeit noch nicht ansatzweise fest", sagt ein Sprecher auf ZfK-Anfrage.
DSW21 trägt Löwenanteil an Gesellschafterdarlehen
Das Unternehmen hält 36 Prozent der Anteile an der KSBG und hat sich bereits seit längerem auf eine Fortführung des Engagements festgelegt. Der Aufsichtsrat der DSW21 hat erst am vergangenen Mittwoch beschlossen, dass das Unternehmen bereit ist, 56 Mio. Euro für das im Rahmen der Anschlussfinanzierung der KSBG notwendige Gesellschafterdarlehen beizusteuern. Das geht deutlich über den Umfang der prozentualen Beteiligung der DSW21 an der KSBG hinaus, diese liegt bei 36 Prozent. Der Beschluss soll an die Bedingung geknüpft sein, dass die DSW21 künftig keine Beteiligung von über 50 Prozent an der Steag übernehmen darf.
Die ursprünglich sieben kommunalen Unternehmen hatten den Energiekonzern Steag 2011 und 2014 in zwei Tranchen für rund 1,2 Mrd. Euro gekauft. Die Transaktion wurde großteils über Kredite finanziert. Bisher hat die KSBG rund 330 Mio. Euro getilgt (siehe auch ZfK 5/19,19), die Banken haben aktuell offene Forderungen von rund 400 Mio. Euro, hinzukommt ein Aufwärtsdarlehen der Steag in Höhe von ursprünglich 150 Mio. Euro.
Aufwärtsdarlehen der Steag
Jetzt steht die Anschlussfinanzierung des KSBG-Kredites an. In diesem Zusammenhang wird ein Gesellschafterdarlehen von 100 Mio. Euro als ergänzende Komponente geprüft. Das Gesellschafterdarlehen soll zum einen für eine Sondertilgung verwendet werden, zum anderen für eine Teilrückzahlung des Aufwärtsdarlehens, das die Steag selber zu der ursprünglichen Finanzierung beigetragen hat. Laut dem Artikel wollen sich bis auf Essen alle anderen Kommunen mit weniger finanziellen Mitteln an dem Gesellschafterdarlehen beteiligen als es ihrem prozentualen Anteil an der KSBG entspricht.
Bei der DSW21 sieht man die Zukunftsperspektive der Steag hingegen optimistischer. "Die Dortmunder Stadtwerke werden über die KSBG Anteilseigner der Steag GmbH bleiben", bekräftigt der Sprecher auf Anfrage. Die Bewertung von Steag/KSBG habe "wertschaffende Entwicklungspotentiale aufgezeigt, die sich bei entsprechender finanzieller Ausstattung heben lassen". Dieses Potential würden im Übrigen unabhängig von "etwaigen Verkaufs-Überlegungen auch die anderen Gesellschafter" sehen und hätten dementsprechend die Anschlussfinanzierung entsprechend gestützt. Als mögliche Interessenten für die KSBG-Anteile der abwanderungswilligen fünf Stadtwerke gelten unter anderem Energieversorger aus Tschechien und der Recyclingkonzern Remondis aus Lünen. (hoe)



