Die Steag-Eigentümerin KSBG (Kommunale Beteiligungsgesellschaft) wird deutlich länger als bisher angenommen keine über den Kapitaldienst hinausgehende Dividendenzahlung des Essener Energiekonzerns erhalten. Um die "erfolgreich verlaufende Transformation" der Steag zu unterstützen, "werden die sechs Gesellschafter nun sogar bis einschließlich 2023 auf eine über den Kapitaldienst hinausgehende Gewinnabführung verzichten", teilt der Kraftwerksbetreiber auf ZfK-Anfrage mit.
Beitrag zur Restrukturierung der Steag
Offiziell kommuniziert war bisher, dass die Gewinnabführung an die KSBG-Konsorten - sechs Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet - für die Geschäftsjahre 2017 bis 2019 nur die mit der Steag vereinbarten Beträge für die Tilgung ihrer für den Steag-Erwerb aufgenommenen Bankdarlehen erhalten und es keine darüberhinausgehenden Dividenden für die jeweiligen Stadtkassen geben wird.
Damit wollen die Konsorten einen substantiellen Beitrag zur laufenden Restrukturierung und Neuausrichtung der Steag leisten. Die KSBG hatte den Energieversorger 2010 und 2014 in zwei Tranchen für rund 1,2 Mrd. Euro gekauft - die Transaktion wurde zu großen Teilen über Kredite finanziert.
Diese Darlehen sind Anfang Juli durch eine Anschlussfinanzierung abgelöst worden, die bis 2023 läuft. Auch für dieses Finanzierungspaket hatten alle Beteiligten einen Beitrag leisten müssen. Die Konsorten brachten 100 Mio. Euro an frischem Kapital in Form eines Gesellschafterdarlehens ein, die Steag hat ein Aufwärtsdarlehen in Höhe von rund 150 Mio. Euro verlängert. Unklar ist, ob und in welchem Zusammenhang die Verlängerung des Verzichts auf eine Zusatzdividende mit der Anschlussfinanzierung steht.
Stadtwerke sondieren Ausstiegs-Modalitäten
Das neuerliche Zugeständis dürfte im Gesellschafterkreis der KSBG allerdings auch nicht das vorherrschende Thema sein. Da die fünf Kommunen Essen, Bochum, Duisburg, Dinslaken und Oberhausen aus der Steag aussteigen wollen und nach ZfK-Informationen bereits hinter den Kulissen über das Prozedere und die Bedingungen eines Verkaufs ihrer Beteiligungen gesprochen wird, hat das Thema Zusatzdividende wohl eher eine untergeordnete Bedeutung.
Statutenänderung als Türöffner
Bis diese neue Vereinbarung sich materiell auswirkt, könnten rein theoretisch die fünf Gesellschafter ihre Anteile im Umfang von insgesamt 64 Prozent bereits veräußert haben. Möglich macht die Verkaufsoption eine Statutenänderung der KSBG. Da die interne Abstimmung Zeit benötigen wird und eine solche Transaktion von allen betroffenen Stadträten abgesegnet werden muss, wird frühestens im Sommer 2020 mit einem Einstieg eines oder mehrer neuer Investoren bei der Steag gerechnet.
Die Stadt Dortmund will an ihrem Steag-Engagement im Umfang von 36 Prozent festhalten, auch eine Aufstockung dieses Anteils auf 50 Prozent ist möglich - die Übernahme der Mehrheit an der Steag hat der Dortmunder Stadtrat in einem Beschluss Ende Mai explziit ausgeschlossen. (hoe)
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Einen Hintergrundbericht zur Anschlussfinanzierung und zu den Ausstiegsabsichten der KSBG-Konsorten lesen Sie in der August-Ausgabe der ZfK. Diese erscheint am Montag, 5. August.



