Der angeschlagene Energiekonzern Steag soll bis 2023 saniert sein. Dann wollen die kommunalen Gesellschafter auch mit dem Verkaufsprozess für ihre Anteile beginnen.

Der angeschlagene Energiekonzern Steag soll bis 2023 saniert sein. Dann wollen die kommunalen Gesellschafter auch mit dem Verkaufsprozess für ihre Anteile beginnen.

Bild: © Steag

Der Essener Steag-Konzern hat das Geschäftsjahr 2020 mit einem Verlust von 170,3 Mio. Euro (2019: + 131,9 Mio. Euro) abgeschlossen. Der Umsatz ging leicht auf rund 2,02 Mrd. Euro zurück. Das Konzerneigenkapital nach IFRS hingegen sank um 426,4 Mio. auf minus 108,9 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote rutschte von 7,2 auf minus 2,9 Prozent.

Als Grund für die tiefroten Zahlen werden vor allem außerordentliche Belastungen aus dem Kohleausstieg und der laufende Transformationsprozess inklusive eines tiefgreifenden Restrukturierungsprogramms angegeben. Die Publikation der Zahlen hatte sich wegen komplexer Finanzierungsverhandlungen um Monate verzögert.

Wertberichtigungen für Kohleausstieg und Geothermieprojekt

Die nackten Ergebniszahlen für 2020 erfährt man aus der Pressemitteilung des Energieversorgers allerdings nicht. Hier wird der Fokus ausschließlich auf die ersten Transformationserfolge im laufenden Jahr gelegt und die verbesserten Zahlen in 2021 in den Vordergrund gestellt.

Operative Leistungsindikatoren, wie Ebitda und Ebit, waren mit 368 Mio. Euro respektive 200,1 Mio. Euro nur leicht unter Vorjahresniveau. Massiv belastet wurde die Bilanz im Geschäftsjahr 2020 aber vor allem durch Wertberichtigungen in Höhe von rund 393 Mio. Euro. Mehr als die Hälfte hängt mit dem Kohleausstieg, aber auch mit dem Ausstieg aus einem Geothermieprojekt in Indonesien zusammen.

Deutlich erhöhte Restrukturierungsrückstellungen haben zudem den Personalaufwand um knapp 70 Mio. Euro auf rund 441 Mio. Euro ansteigen lassen. Die Steag wird in den nächsten Jahren bis zu 1000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen.

Deutlich verbesserte Kennzahlen im laufenden Jahr

Deutlich verbessert haben sich die Kennzahlen des Energiekonzerns laut Pressemitteilung indes im laufenden Geschäftsjahr. Vor allem das Konzerneigenkapital werde am Ende des Geschäftsjahres wieder positiv sein, stellt das Unternehmen heraus.

Dies ist vor allem Einmaleffekten, wie der vertraglichen Einigung mit dem österreichischen Energiekonzern EVN über den Ausstieg aus der Betreibergesellschaft  für das noch junge Steinkohlekraftwerk Walsum 10 sowie der erfolgreichen Teilnahme an Stilllegungsauktionen für weitere Steinkohlekraftwerke zu verdanken.

Dank dieser Entwicklungen konnte das Unternehmen die Finanzverschuldung bis zum Ende des dritten Quartals des laufenden Jahres um mehr als 300 Mio. Euro zurückfahren – das entspricht mehr als einem Fünftel.

Chief Transformation Officer ist mit aktueller Entwicklung zufrieden

Der Konzernumsatz liegt nach den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres mit 1,6 Mrd. Euro um 12,9 Prozent über dem Vorjahr. Auch das Ebit des Steag-Konzerns legte im Verleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent zu auf 137,9 Mio. Euro.

Angesichts positiver Rahmenbedingungen geht die Geschäftsführung davon aus, dass sich die positive Geschäftsentwicklung im laufenden Quartal fortsetzt. "Grundsätzlich können wir mit der aktuellen Entwicklung der Steag zufrieden sein", bilanziert Chief Transformation Officer Ralf Schmitz.

Die angestoßene Transformation des Unternehmens habe deutlich früher als noch vor einem Jahr kalkuliert Erfolge gezeigt. Der zentrale Baustein dabei ist die Ende September abgeschlossene Finanzierungsvereinbarung mit den Banken.

Auch vier Kommunen leisteten Restrukturierungsbeitrag

Daran hätten auch die vielen zukunftsweisenden Projekte der Steag und die grundsätzliche Neuausrichtung mit Fokus auf Industriekundenlösungen bei der Planung, Umsetzung und dem Betrieb komplexer Anlagentechnik und Dekarbonisierung sowie auf erneuerbare Energien, Wasserstoff und digitale Energiedienstleistungen ihren Anteil.

Auch vier der sechs kommunalen Steag-Gesellschafter leisteten mit zusätzlichen Finanzspritzen von insgesamt 30 Mio. Euro ihren Beitrag und ermöglichten so die Sanierung der Beteiligungsgesellschaft KSBG.

Die Steag-Eigentümer wollen ihre Anteile an dem Energiekonzern im Laufe des Jahres 2023 verkaufen. Ein Treuhänder soll die Anteile übernehmen und nach erfolgreicher Sanierung den Verkaufsprozess einleiten. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper