Auf die Kommunen kommen infolge der Pandemie harte Zeiten zu.

Auf die Kommunen kommen infolge der Pandemie harte Zeiten zu.

Bild: © Adobe Stock/fotoart111

Die Strom- und die Gaspreise für Verbraucher sind im September auf neue Rekordhöhen geklettert. Der durchschnittliche Strompreis  stieg laut dem Vergleichsportal Check24 deutlich im Vergleich zum Vormonat an. Ein Musterhaushalt (5.000 kWh) zahlte im Schnitt 2.194 Euro jährlich für Strom. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 43,9 ct. pro kWh. Im Vorjahresmonat waren es 1.532 Euro – ein Plus von rund 43 Prozent.

Ab September und Oktober hätten Grundversorger in 160 Fällen Erhöhungen angekündigt. Betroffen von den Preiserhöhungen sind rund 2,3 Millionen Haushalte. Im September betragen die Erhöhungen im Schnitt 44,1 Prozent.

„Die hohen Strombörsenpreise sind auch Folge der gestiegenen Gaspreise. Gaskraftwerke sind essentiell im deutschen Strommix, um schwankende erneuerbare Energien auszugleichen und bestimmen so maßgeblich den Strombörsenpreis mit. Diese hohen Preise werden mit etwas Verzögerungen auch bei Endkunden ankommen“, erklärte Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check 24. 

VKU erwartet Preissteigerungen beim Strom von bis zu 60 Prozent

Der VKU erwartet im kommenden Jahr Preissteigerungen beim Strom im höheren zweistelligen Bereich bis zu 60 Prozent. Ein Sprecher bestätigte entsprechende Meldungen aus den Regionalmedien. „Wir brauchen ein umfassendes Entlastungsprogramm für Verbraucher, für Handel und Gewerbe und für die Industrie: Und zwar nicht nur für die Preiserhöhungen dieses Jahres, sondern auch des nächsten“, bekräftigte er.

Ein Strompreisdeckel auf 30 ct./kWh für einen Basisverbrauch (Single: 1.400 kWh / Familie: 3.100 kWh) sowie eine Reduzierung der Netzentgelte um 2 ct./kWh könnte eine Familie laut den Berechnungen von Check 24 um 469 Euro entlasten.

Knapp 500 Gaspreiserhöhungen ab Oktober in der Grundversorgung

Auch der durchschnittliche Gaspreis für Verbraucher erreichte im September einen neuen Rekord. Ein Musterhaushalt (20.000 kWh) zahlte im Schnitt 4.371 Euro im Jahr für Gas. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 21,9 ct. pro kWh. Im September 2021 kostete die gleiche Menge Gas noch 1.316 Euro – ein Plus von 232 Prozent.

 Ab Oktober gibt es laut Check 24  bereits 484 Fälle von Gaspreiserhöhungen in der Grundversorgung. Betroffen sind davon rund 2,1 Millionen Haushalte. Im Oktober betragen die Erhöhungen im Schnitt 84,2 Prozent im Vergleich zum 1. Quartal des Jahres.
 
Die gestern beschlossene, befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas gleicht indes laut dem Vergleichsportal die neuen Umlagen für Gasbeschaffung, Regelenergie und Gasspeicherung nicht aus.



Habeck zu Gaspreis: Verbrauchern drohen «vierstellige Zahlen»

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) sieht auch jenseits der geplanten Gasumlage große Mehrbelastungen auf die Verbraucher in Deutschland zukommen. Allein beim Gas sei mit «vierstelligen Zahlen» zu rechnen, die die Menschen im Durchschnitt in den kommenden Monaten stemmen müssten, sagte Habeck in einem Interview mit dem ARD-und ZDF-Jugendangebot Funk.

Auch beim Strom drohe eine Verdopplung der Preise, sagte Habeck. «Wenn wir gut sind, reformieren wir das System jetzt und verhindern genau das», erklärte der Minister in Anspielung auf die Pläne der Bundesregierung, eine Strompreisbremse einzuführen.

«Der finanzielle Druck ist enorm», sagte Habeck zur allgemeinen Lage für die Menschen im Land. Der Grünen-Politiker äußerte sich aber auch zuversichtlich, dass die hohen Preise im kommenden Jahr wieder sinken werden. «Wenn wir diesen Winter bestehen, haben wir eine gute Chance, im nächsten Sommer und im nächsten Winter deutliche Entspannung in Deutschland hinzubekommen.»

Energiesorgen: Mehr als jeder Zehnte hat Strom-Heizgerät gekauft

Wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt, haben sich immerhin elf Prozent der Bundesbürger angesichts von Preissteigerungen und drohender Energieknappheit unlängst ein Heizgerät gekauft, das mit Strom betrieben wird. Laut der Umfrage hat sich wegen der gegenwärtigen Situation zudem jeder Zehnte eine Solaranlage angeschafft. Jeweils sechs Prozent der Deutschen haben sich - nachdem die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zu enormen Preissteigerungen geführt haben - eine Wärmepumpe einbauen lassen, beziehungsweise wollen das demnächst in Angriff nehmen. (hoe/dpa)

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