"Short ist Mord": Gerade in Zeiten rekordhoher Strom- und Gaspreise scheint dieses Motto zu gelten. Trotzdem haben sich viele Energieversorger nicht im Vorfeld ausreichend abgesichert, schreibt die Beratungsfirma Horváth.

"Short ist Mord": Gerade in Zeiten rekordhoher Strom- und Gaspreise scheint dieses Motto zu gelten. Trotzdem haben sich viele Energieversorger nicht im Vorfeld ausreichend abgesichert, schreibt die Beratungsfirma Horváth.

Bild: © Adam Nowakowski/Unsplash

Im Geschäftskundensegment sichert jedes dritte Energieunternehmen seine Einkäufe nicht ausreichend ab. Dies zeigt eine neue Studie des Stuttgarter Beratungsunternehmens Horváth.

31 Prozent der befragten Unternehmen gäben an, im Geschäftskundenbereich maximal 80 Prozent der Energiemengen im sogenannten Back-to-Back-Verfahren abzusichern, führen die Autoren in einer Presseaussendung aus.

Risiko wird nicht belohnt

Heißt, der Anbieter kauft am Terminmarkt genau die Menge auf dem Markt ein, die von den Kunden vertraglich zu einem bestimmten Preis abgenommen wird.

"Unternehmen, die jetzt ein Fünftel der von ihren Kunden benötigten Energie zu aktuellen Spotpreisen nachkaufen müssen, müssen das Jahr schon deutlich unter Plan abschließen", erklärt Energieexperte Andreas Schwenzer. "Ist der Anteil noch höher, gerät der Anbieter schnell in eine finanzielle Schieflage, die weitreichende Konsequenzen bis hin zur Insolvenz haben kann."

Weitsichtiger bei Privatkunden

Weitsichtiger agieren Energieanbieter demnach im Tarifgeschäft. 85 Prozent der befragten Vertriebsverantwortlichen hätten die im Frontjahr 2022 benötigten Energiemengen bereits zu mindestens drei Vierteln bezogen.

Heißt aber auch: Jedes sechste Unternehmen hat sich im Privatkundenbereich noch nicht mit ausreichend Energie für 2022 versorgt. "Vermutlich hoffen die Anbieter auf sinkende Preise", teilt Schweizer mit. "Ein weiteres Ansteigen der Preise in den Wintermonaten wäre nicht ungewöhnlich."

Hedging-Konzepte vorhanden

Nach eigenen Angaben verfügten alle befragten Verantwortlichen über Absicherungsstrategien in Form sogenannter Hedging-Konzepte, heißt es weiter. Sie seien sich also der Risiken durch die volatilen Energiemarktpreise grundsätzlich bewusst und versuchten, sich bestmöglich abzusichern.

Auch das Risikocontrolling zum Abgleich der Geschäftsentwicklung mit der gewählten Absicherungsstrategie sei in den meisten Unternehmen etabliert und werde mindestens wöchentlich in einem standardisierten Reporting ausgewiesen.

Strategien zu selten auf Prüfstand

"Angesichts der aktuellen Preisdynamiken stellen die Energieunternehmen den Erfolg ihrer Absicherungsstrategien zu selten auf den Prüfstand", urteilt Schwenzer. "Quantitative Benchmarks sollten mindestens einmal pro Monat vom Management aktiv diskutiert werden und wenn notwendig in kurzfristigen Optimierungsmaßnahmen münden." (aba)

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