Die traditionellen Geschäftsfelder der Energieversorger verändern sich schnell und immer mehr branchenfremde Unternehmen drängen auf die Märkte. Die Stadtwerkestudie von Ernst & Young (EY) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt jedoch: Die Energiewirtschaft nimmt die Herausforderung an.
Die Versorger stellen sich diverser auf, sind über Partnerschaften und Kooperationen eng mit anderen Sektoren verbunden und entwickeln unterschiedlichste Geschäftsmodelle. Dazu gehören zum Beispiel die Übernahme der Nebenkostenabrechnung für Mietwohnungen, der Verkauf von Smart-Home-Produkten oder auch die Bereitstellung von Telekommunikationsdienstleistungen.
Sektorenkonvergenz – Chance oder Herausforderung?
Wie die Studie mit 172 befragten Unternehmen zeigt, werden die konvergierenden Sektoren von der Branche als Chance eingestuft. Die größten Synergiepotenziale werden in der Annäherung mit der Wohnungswirtschaft, dem Technologie- und dem Telekommunikations-Sektor gesehen.
Dadurch würden sich Möglichkeiten zum Beispiel in der dezentralen Stromerzeugung, dem Smart Metering und der Elektromobilität ergeben. Die meisten Energieversorger und Stadtwerke sind schon jetzt in diesen Bereich aktiv, ergab die Studie. Doch das ist der Anfang, denn die Versorger würden sich künftig in der Rolle eines Plattformbetreibers im Betrieb von Smart-Meter-Gateways, der Ladeinfrastruktur oder im Gebäudemanagement sehen.
Aufbruchsstimmung bei den Energieversorgern
EY-Partner Metin Fidan, Leiter des Energiesektors bei EY: "Die Ergebnisse der Studie zeigen: Es herrscht Aufbruchstimmung bei den Energieversorgern. Sie arbeiten an neuen Geschäftsmodellen und setzen zunehmend auf Kooperationen und Partnerschaften. Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen sehen sich als Orchestrator, der die Angebote verschiedener Partner zu einem Produkt mit Mehrwert für die Kunden kombiniert."
Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung: "Die Energiewirtschaft zählt ganz klar wieder zu den Wachstumsbranchen. Die Energieunternehmen können eine treibende Rolle in Geschäftsfeldern wie der dezentralen Stromerzeugung oder der Elektromobilität einnehmen. Entwicklungspotenziale gibt es auch in Bereichen wie TK-Dienstleistungen, Quartierskonzepten sowie bei Smart-Home-Ansätzen. Die Stimmung in der Energiewirtschaft ist entsprechend gut, das zeigt auch die Befragung von Ernst & Young: Fast drei Viertel der Unternehmen erwarten für 2019 gute oder sehr gute Geschäfte – dieser Wert liege um 11 Prozentpunkte über dem Vorjahr."
Sektorenkonvergenz und Digitalisierung bergen aber auch Risiken
Der EY-Energiesektorleiter mahnt trotzdem zur Vorsicht, da zu erwarten sei, dass sich künftig noch mehr Marktakteure aus anderen Bereichen in der Energiewirtschaft engagieren, vor allem im Vertrieb und im Kundengeschäft. Daher müsse für alle Versorger die Veränderung hin zu einer agilen und innovationsfördernden Unternehmenskultur ganz oben auf der Agenda stehen.
Kapferer betont, dass die Stadtwerke aber alle Voraussetzungen mitbringen würden, um im Wettbewerb zu bestehen. Entscheidend sei dafür allerdings auch, dass die kommunalen Eigner ihren Stadtwerken den notwendigen finanziellen Spielraum lassen. "Die Stadtwerke werden den Transformationsprozess nur dann gestärkt meistern, wenn sie die notwendigen Investitionen auch tätigen können." (pm)
