Das Geschäftsführerduo der Stadtwerke Bielefeld: Rainer Müller (links) und Martin Uekmann

Das Geschäftsführerduo der Stadtwerke Bielefeld: Rainer Müller (links) und Martin Uekmann

Bild: © Stadtwerke Bielefeld

Die Stadtwerke Bielefeld GmbH hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Betriebsergebnis (bereinigt um Sondereffekte) in Höhe von 44,4 Mio. Euro (Vorjahr: 56 Mio. Euro) abgeschlossen. Aufgrund eines höheren Verkehrsdefizits und der Bildung von Rückstellungen für die Beteiligung am Atomkraftwerk Grohnde ging unterm Strich das Jahresergebnis deutlich zurück auf 1,4 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte der zu 100 Prozent kommunale Versorger noch einen Gewinn von 18,6 Mio. Euro ausgewiesen. Im Fall der Beteiligung an Grohnde geht es unter anderem darum, welche Reststrommengen noch vermarktet werden und, ob damit noch Gewinne erzielt werden dürfen.

"Können Synergien nutzen"

"Seit Jahren sind die Herausforderungen für die Energiebranche hoch. Dennoch sind wir in unserem Kerngeschäft operativ sehr erfolgreich und erneut besser als geplant. Das gilt übrigens auch für fast alle Unternehmen der Gruppe und das zeigt, wie gut es ist, dass wir breit aufgestellt sind und dadurch Synergien nutzen können", erklärten unisono die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, Martin Uekmann und Rainer Müller. Das Jahresergebnis sei wie in den Vorjahren maßgeblich von Einmaleffekten geprägt gewesen. "Man muss sich immer vor Augen halten, dass es uns erneut gelungen ist, die deutlich steigenden Verkehrsverluste auszugleichen. Das ist in vielen anderen Großstädten in Deutschland nicht mehr der Fall", so das Geschäftsführerduo.

Höherer Strom- und Gasabsatz

Im Kerngeschäft hat das Unternehmen nach eigenen Angaben sein operatives Planergebnis übertroffen. Der Stromabsatz lag mit fast 3,5 Milliarden kWh mehr als 6,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Zuwachs resultiert aus wesentlich höheren Strommengen, die die Stadtwerke an der Börse handeln konnten, und dem deutlich angestiegenen Absatz an Weiterverteiler. Bei den Haushalts- und
Sondervertragskunden in Bielefeld gab es einen leichten Rückgang. Grund dafür ist vor allem, wie in fast jedem Jahr, dass Privatverbraucher, aber auch größere Firmen, auf energieeffiziente Geräte und Prozesse setzen.

Beim Erdgas konnten die Absatzmengen um 1,1 Prozent auf insgesamt 4,7 Milliarden kWh gesteigert werden. Die Absatzzahlen im Bereich der Fernwärme nahmen im Vergleich zum Vorjahr leicht um ein Prozent ab. Der gesamte Fernwärmeabsatz, also Wärme und Dampf, lag damit bei 840,2 Millionen kWh. Ursächlich für den Rückgang war unter anderem, dass ein Großkunde produktionsbedingt weniger Dampf benötigte. Die Haushalts- und Gewerbekunden hingegen nahmen im vergangenen Jahr rund 4,8 Prozent mehr Wärme ab. Das lag am weiter fortschreitenden Ausbau des Bielefelder Fernwärme-Netzes mit deutlich mehr Hausanschlüssen. Das Netz wurde um 3,1 Kilometer auf jetzt 218,1 Kilometer erweitert.

Rekordergebnis der Interargem

Große Effekte auf die Gesamtbilanz hatten abermals die Geschäfte der Stadtwerke-Tochterunternehmen. Die Mobilitätstochter moBiel verzeichnete eine Kostenunterdeckung von 23,3 Millionen Euro. Ein Rekordergebnis erzielte die Interargem im Jahr 2019. Mit 19,1 Millionen Euro konnten die Zahlen des Vorjahres noch einmal deutlich übertroffen werden. In den Müll-Verbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln wurden rund 771,1 Tsd. Tonnen Abfall verarbeitet. Der Stromabsatz lag demnach bei 366 Millionen kWh, der Fernwärmeabsatz bei rund 573 Millionen kWh.

Corona-Folgen noch nicht bezifferbar

Auch die hohen Investitiionen in den Breitbandausbau hinterließen Spuren. Das Jahresergebnis der Tochter BITel verzeichnete ein Minus von 2,9 Millionen Euro. Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise im Kerngeschäft können die Stadtwerke Bielefeld aktuell noch nicht beziffern. Diese hängen neben der Dauer der weiteren Einschränkungen auch von der Wirkung staatlicher Förderungen und Unterstützungen sowie der weiteren Konjunkturentwicklung ab, heißt es. Während des teilweisen Shutdowns des öffentlichen Lebens im März und April ging der Stromabsatz um fünf bis zehn Prozent zurück. Grund warvor allem der rückläufige Bedarf von Industrie- und Gewerbebetrieben.

Massive Auswirkungen für ÖPNV und Bäderbetriebe

Wie sich die Corona-Krise dauerhaft auf den ÖPNV auswirke, würden die kommenden Jahre zeigen. Die Abo-Zahlen seien weitgehend stabil geblieben, dennoch verzeichnete die Vekehrstochter moBielwährend des teilweisen Shutdowns im März und April 2020 nur noch ein Viertel an Fahrgästen, was sich auf die Fahrkartenerlöse auswirken werde. Auch das Geschäftsjahr der für die Bäder und die Eisbahn zuständigen Tochter BBF werde durch die Folgen der Pandemie deutlich beeinflusst. Weite Teile der Belegschaft befanden sich fast zwei Monate in Kurzarbeit. Die Hallenbäder waren lange Zeit geschlossen. Die Freibadsaison konnte erst wesentlich später starten als geplant. Zum heutigen Zeitpunkt ist außerdem nicht klar, wann alle Einrichtungen wieder regulär besucht werden können. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper