Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Lübeck.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Lübeck.

Bild: © Ulrich Hoppe Fotografie/Stadtwerke Lübeck

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Lübeck (SWHL), Valerie Willms (Grüne), wirft knapp einen Monat vor der Neuwahl des Gremiums das Handtuch. Auslöser sind offenbar die Kosten für Beraterhonorare der Stadwerke im Zusammenhang mit der geplanten Netzgesellschaft von Netz Lübeck und Schleswig Holstein Netz, berichten die "Lübecker Nachrichten". Deren Höhe – die Rede ist von einem fast siebenstelligen Betrag – sollen das Kontrollgremium überrascht haben. Die Konsequenz: Der Aufsichtsrat hat beschlossen, dass er über Beraterverträge ab einem Betrag von über 100.000 Euro künftig vor Abschluss informiert wird. Dies muss von der Stadtwerke-Holding abgesegnet werden.

Holding will erst einmal prüfen

Bei der Holding gilt offenbar seit längerem bereits ab einem Betrag von 50.000 Euro eine Informationspflicht in Sachen Beratervertrag. Das Kontrollgremium hat eine Entscheidung über das Thema deshalb bis in den März vertagt und will erst einmal prüfen, wie viele Beraterverträge die Stadtwerke aktuell überhaupt abgeschlossen haben. Willms soll das als Misstrauensvotum gewertet haben und trat zurück.Die Stadt und die Stadtwerke wollten sich auf ZfK-Anfrage nicht offiziell zum Rücktritt und zum Thema Beraterhonorare äußern.

Laut ZfK-Informationen sollen die Beraterkosten im Zusammenhang mit der Netzexpansion im Lübecker Umland grundsätzlich aber bekannt gewesen und die jährliche Größenordnung im Rahmen des Budgets kenntlich gemacht worden sein. Für den Umfang und die Höhe von Beraterverträgen gab es bereits vor dem Vorstoß des Stadtwerke-Aufsichtsrat klare Regeln, die das Unternehmen auch eingehalten haben soll. Die geplante gemeinsame Netzgesellshaft von Lübeck Netz und Schleswig-Holstein Netz ist die größte strategische Entscheidung der SWHL in den vergangenen Jahrzehnten ist und zieht allein aufgrund der Größenordnung einen anderen Beratungsaufwand nach sich als andere Strategieprojekte.

Verbleib an AR-Spitze war unklar

In Lübeck kurisert laut Lokalzeitung aber auch eine weitere mögliche Erklärung für den Rücktritt von Willms. Offenbar soll die Chemie zwischen ihr und Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner bereits seit längerem nicht stimmen. Ende Januar kommenden Jahres wählt die Bürgerschaft wieder neue Aufsichtsräte. Da unklar ist, ob Willms den Vorsitz des Kontrollgremiums behält und ob die Grünen sie wieder aufstellen, könnte sie bereits jetzt die Reißleine gezogen haben. Anteilseigner der Stadtwerke Lübeck sind die Stadt (über die Stadtwerke-Holding) mit 74,9 Prozent und die Stadtwerke Aachen mit 25,1 Prozent. Die Stadtwerke Holding gehört zu 100 Prozent der Hansestadt. (hoe)

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